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Surrealismus, phantastische Malerei
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Turner, Joseph Mallord William

(* 23.4.1775 London, T 19.12. 1851 London)
„Die Divergenz seiner Themen, obwohl diese fast ausschliesslich der Landschaftsmalerei entstammten, und seine gewaltige Wandlung vom Schöpfer der ersten vedutenhaften, topographischen Zeichnungen zum Maler der „ späteren duftigen Licht-Bilder“, beginnen John Rothenstein und Martin Butlin ihr sich vorwiegend mit Turners Ölmalerei auseinandersetzendes Buch, „lassen ihn zum grössten Maler werden, den die englischsprechenden Völker jemals hervorgebracht haben.“
Turner, der 1802 mit 27 Jahren (dem frühestmöglichen Alter) zum Mitglied der Royal Academy ernannt wurde, fertigte die ersten topographischen Zeichnungen nach Druckvorlagen schon mit 12 Jahren an; diese machten später auf John Francis Rigaud einen solchen Eindruck, dass er Turner beschwor, Maler zu werden und seine Aufnahme als Schüler an der Royal Academy bewirkte. Nach den ersten Jahren als Hilfskraft des Academy-Präsidenten Sir Joshua Reynolds wendet sich Turner der Aquarellmalerei zu, die für ihn in den folgenden Jahren zu einer stetigen Geldquelle wurde. Dank dieser Fertigkeiten fand er bald eine „Anstellung“ bei Dr. Thomas Munro, bei dem er Aquarelle nach Skizzen von John Robert Conzen malen musste. 1795 erlernte Turner bei Philippe Jacques de Loutherbourg die Ölmalerei. Zwei Jahre später bekommt er schon den ersten grossen Auftrag für 30 Aquarelle. 1798 bekundet Turner, anlässlich einer Ausstellung in der Academy, dass er die Landschaftsmalerei als eine der Musik verwandte Disziplin begreift. 1802 besucht Turner den Louvre in Paris, wo die Arbeiten Claude Lorrains den entscheidendsten Einfluss auf ihn ausüben. Aber auch andere Maler, wie Richard Wilson oder Nicolas Poussin, und deren Maltechniken faszinierten und drängten ihn zur Nachahmung, „...die Freiheit und der Fanatismus, womit er einen Stil nach dem anderen aufgriff und umformte, die Brillanz, womit er sogar das Original übertraf“, erklärt Lawrence Gowing, „verfeindete ihn mit den Kunstkennern.“ Zurück in London versucht sich Turner an einer grossen Bilderserie nach der Natur. Alles Gewaltige und Schreckenerregende beginnt ihn 7,u interessieren. 1807, nach einer Auseinandersetzung mit John Constable um Fragen der „künstlerischen Freiheiten“, übernimmt er eine Professur für Perspektive an der Royal Academy. 1819 reist Turner das erste Mal nach Italien; eine zweite Reise folgt 1833 und führt ihn über Berlin, Dresden, Prag und Wien nach Venedig. 1834 erlebt Turner den Brand des Londoner Parlaments, dessen tiefen Eindruck das ein Jahr später entstandene Gemälde belegt; zugleich ist es das erste deutliche Bekenntnis zu seiner schon in den Gemälden Fingalshöhle auf Staffa (1832) und Der Nemi-See (1828) angekündigten, gewissermassen den Impressionismus vorwegnehmenden Malweise der aufgelösten Formen und „lichtdurchfluteten“ Farben. Dieser sich immer mehr in den Vordergrund schiebende Stil, der sein gesamtes späteres Schaffen beherrscht, stiess bei seinen Zeitgenossen und selbst bei seinem Bewunderer John Ruskin auf Ablehnung. 1840 setzt sich Turner mit Goethes Farbenlehre auseinander und widmet ihr 1843 zwei Bild-Kompositionen; danach entstehen Werke wie Sonnenaufgang mit Seeungeheuern (um 1840), Stürmische See (1840-1845) oder Engel in der Sonne (1846) und Besuch am Grabe (1850), die eine grösser werdende Vorliebe für das Geheimnisvolle, Unruhige, ja Dämonische offenbaren.
Turner, dessen „Spätwerk“ aus phantastischen Landschaften und Seestücken in England ohne bedeutende Vorläufer war und ohne adäquate Nachfolger blieb, wirkt auf den heutigen Betrachter wie die machtvolle, frühzeitige Ankündigung eines sich bis zur Abstraktion erweiternden Impressionismus in einer noch dem Romantizismus verpflichteten Zeit.


 

 

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