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Surrealismus, phantastische Malerei
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Trompe l'oeil

Der „Betrug des Auges“ oder die „Augentäuschung“ ist der bis ins Extrem gesteigerte Versuch, mit den Mitteln der Malerei eine Realitätsebene zu erreichen, die vom Betrachter als tatsächliche Realität angesehen wird. Von antiken Malern wird berichtet, dass sie es vermochten, Früchte so zu malen, dass die Vögel sie für wirkliche hielten und sie anpickten. Erst nach der Ergründung der Gesetze der Linearperspektive im 15. Jahrhundert (vgl. Einleitung) treten solche „Augentäuschungen“ in immer grösserem Masse in der abendländischen Malerei auf. Obwohl sie im Werk der meisten Maler nur eine Randfunktion einnehmen, entwickelt sich seit dem Manierismus auch ein spezifisches „Trompe-l'oeil-Genre“, das wie die Landschaft oder das Genre-Bild seine eigenen Vertreter findet. Innerhalb dieses Genres lassen sich wieder verschiedene Möglichkeiten feststellen, von denen die „grisaille“, die in Grau- und Weisstönen täuschend nachgeahmte Relief-Darstellung, und die Wandmalerei des 16., 17. und 18. Jahrhunderts, die imaginäre Räume, Durchgänge, halbgeöffnete Türen oder Treppen vorgaukelt, die wichtigsten sind. An ihnen lässt sich auch der phantastische Aspekt dieser Art von einer auf optischen Täuschung beruhenden Malerei erklären. Im trompe l'oeil wird auf allerdings spielerische Weise der Anspruch der realistischen Malerei ad absurdum geführt und zur gleichen Zeit der von aller illusionistischen Malerei angestrebte „Betrug“, in der Zweidimensionalität eine Dreidimensionalität vorzutäuschen, entlarvt. Diese grundsätzliche Infragestellung anerkannter Prinzipien der Malerei macht trompe l'oeil zu einem immer wieder auftretenden Phänomen der Phantastischen Malerei, auch wenn das eigenständige Genre in der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts weitgehend in das Kunstgewerbe (Tapetenmuster, Werbung) abgedrängt wurde. Hauptsächlich in Amerika blieb das Trompe-l'oeil-Gemälde bis nach 1930 ein von mehreren Spezialisten mit Vorliebe gewähltes Genre, das sowohl von den Künstlern der Pop- und Op-Art wie von den Photorealisten neu auf seine Möglichkeiten überprüft wurde, wie es unter anderem die Arbeiten eines Kanovitz oder Wesselmann deutlich machen.
„Die Erscheinung des trompe l'oeil in der Kunst war ein immer wiederkehrendes Phänomen von kurzer Dauer“, schreibt der Trompe-1'oeil-Maler Martin Battersby, „und die Künstler malten auf diese Weise, weil sie ihnen entsprach, oder, wie es sehr häufig der Fall war, weil sie sich von den Modeströmungen in der Kunst fernhielten. Manche, wie Oudry oder Gysbrechts, waren bekannt und wurden von Königen protegiert; andere arbeiteten so sehr am Rande, dass ihre Namen vergessen sind. Alle mussten aber ihre eigene Persönlichkeit dem gewählten Motiv unterordnen und die strengen Gesetze des trompe l'oeil beachten. Und so ist gerade das Motiv oft wichtiger als der Maler oder die Zeit, in der das Bild entstand.“


 

 

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