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Surrealismus, phantastische Malerei
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Toyen

(eigentlich: Marie Germinova; * 1902 Prag)
Es ist vielleicht nicht verwunderlich, dass sich in Prag, der Stadt Franz Kafkas und Gustav Meyrinks, eine surrealistische Bewegung entwickeln konnte, die einen durchaus eigenständigen Charakter hatte. Die in den 2oer Jahren gebildete avantgardistische Gruppe „Devetsil“, der neben Toyen unter anderen auch der Maler Jindrich Styrsky (1899-1942) und Literaten wie Karel Teige und Viteslav Nezval angehörten, vertrat den „Poetismus“ (Karel Teige, 1924; „Manifest des Poetismus“, 1928), eine Richtung, welche die totale Herrschaft der Poesie als ihr Ziel ansah. Die erstaunliche Verwandtschaft mit dem Surrealismus führte, nachdem sich 1934 die surrealistische Gruppe von Prag gebildet hatte, zu direktem Kontakt mit den Franzosen, von denen Andre Breton und Paul Eluard 193$ Prag besuchten. Im selben Jahr fand in Prag die erste surrealistische Ausstellung statt. Nach dem Tod Styrskys zerfiel die Bewegung, und Toyen, die man wohl als die grösste Begabung der Gruppe ansehen muss, siedelte 1947 nach Paris über. Nach kubistischen Anfängen bekannte sie sich in den 3oer Jahren zum Surrealismus, dem sie die Treue hielt. Da sie auch im französischen Exil sehr zurückgezogen lebte, blieb ihr Werk einem grösseren Publikum weitgehend unbekannt. Eine tiefe Freundschaft verband sie mit Breton, der sich immer wieder für ihr Werk eingesetzt hat. Ihre Bilder haben einen geheimnisvoll-lyrischen Charakter, sie strahlen eher den Zauber des Märchens als das Grauen des Alptraums aus, auch wenn sie in ihren Zeichnungen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs andere Wege geht. Aber auch dort verschwinden die märchenhaften Motive nicht ganz, sie werden nur in einer zerstörten Form vorgeführt. Ein Blatt aus dem Zyklus Verberge dich, Krieg (1944), das das Gerippe eines Hirsches auf einer tundraähnlichen Landschaft inmitten friedlicher Rebhühner vor rauchendem Horizont zeigt, macht diese Tendenz deutlich. Die seltsame Verzauberung der Welt, ein fast naives Entzücken am Geheimnisvoll-Romantischen spricht aber am deutlichsten aus ihren Ölbildern, deren subtile Farbvaleurs in der surrealistischen Malerei nahezu einmalig sind. Breton hat, darüber hinaus, ihr grosses konstruktives Vermögen betont: „Man würde sich von dem Universum Toyens ein unvollständiges Bild machen, wenn man es ausschliesslich aus ihren Ölbildern herleiten würde. Im Gegensatz zu all denen, die, heutzutage, in der Malerei nur ein Fest der Farben sehen wollen, hat sie mehr als alle anderen die Zeichnung zentral gesehen.“ Wenn man innerhalb der Gruppe der Surrealisten einen verwandten Maler nennen möchte, dann wohl Tanguy.
Weitere Hauptwerke Die Schläferin, 1937; Die Gespenster der Wüste, Zyklus von Zeichnungen, 1937; Mythos des Lichts, 1946; Im Schloss La Coste, 1946; Der Wandschirm, 1966.


 

 

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