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Die Aufwertung durch die
Kunstgeschichte jener Gegenrichtung zum Impressionismus, der jahrzehntelang
als die einzige wichtige Kunstströmung des ausgehenden 19. Jahrhunderts
galt, setzte zwar schon recht früh ein, aber insgesamt blieb das Stigma
einer „literarischen“ Kunst, eine Bezeichnung, die oft dein Urteil
„zweitrangig“ gleichkam, an ihr haften. Dass die Kunst des Symbolismus
Tendenzen in der Entwicklung der Malerei seit dem Ende des 18. Jahrhunderts
wieder aufgreift und weiterentwickelt und ihrerseits wieder das Bindeglied
zum Surrealismus bildet, wurde durch eine zu einseitige Betrachtung, die nur
den Prozess einer fortschreitenden Abstraktion in der Kunst als Massstab
nahm, übersehen. Der Satz des französischen Lyrikers Tristan Corbiere
(1845-1875), eines der Idole der Symbolisten „Man muss nur malen, was man
noch nie gesehen hat und was man nie sehen wird“ -, erinnert nicht umsonst
an die Forderung, die Caspar David Friedrich an die Maler stellte, ihr
äusseres Auge zu schliessen und nur mit dem inneren Auge zu sehen. Im Symbol
fanden die Künstler des Jahrhunderts der fortschreitenden Technisierung und
Mechanisierung der Gesellschaft die Möglichkeit, ein über die Grenzen einer
sie immer mehr einengenden und beängstigenden Realität Hinausgehendes zum
Ausdruck zu bringen. Die verlorengegangenen Mythen sollten in der Kunst ihre
Auferstehung erleben.
Die Zusammenhänge der symbolistischen Malerei mit der Musik (Richard Wagner)
und der Literatur sind unübersehbar. Das Werk Wagners beeindruckte vor allem
die französischen Dichter und Maler als der gewaltige Versuch, einer ihres
Sinnes beraubten Zeit einen neuen Sinn zu geben. Zeitschriften wie „La Revue
Blanche“ und „La Revue Wagneérienne“ spielten im Prozess der Formulierung
der neuen Kunstrichtung, die sich sowohl gegen die akademischen Maler, mit
denen sie allerdings einiges gemeinsam hatte, wie gegen die Impressionisten
richtete, eine wichtige Rolle. In einem Artikel über Paul Gauguin
(1848-1903) stellte der Kritiker Albert Aurier 1891 die fünf Forderungen
auf, die die Kunst zu erfüllen habe: Sie solle „ideativ, „symbolistisch“,
„synthetisch“, „subjektiv“ und „dekorativ“ sein. Die Werke der Maler, die
auf den Ausstellungen des von Sär Peladan (1859-1918), dessen gigantischer
Roman-Zyklus „La Decadence Latine“ eine Art Epos des Symbolismus sein
sollte, ins Leben gerufenen „Salon de la Rose Croix“ (ab 1892) zu sehen
waren, versuchten, diese Forderungen zu erfüllen. Ihre Vorbilder fanden sie
in den englischen Präraffaeliten (vgl. Einleitung), in Moreau und in -v
Böcklin. Schon 1884 hatte Joris Karl Huysmans (1848-1907) in seinem Roman „A
rebours“ (Gegen den Strich), einer Art Bibel der symbolistischen Kunst,
lobend auf Moreau hingewiesen und neben ihm auch Bresdin und Redon
Ehrenplätze in einem imaginären Museum verschafft. Der internationale
Charakter des Symbolismus wird durch die Teilnahme von Malern
verschiedenster Nationalität an den grossen Ausstellungen der Bewegung
belegt. Neben dem Salon von Peladan erhielten vor allem die Brüsseler
Ausstellungen der Gruppe „Les XX“ und die der von Klimt mitbegründeten
„Wiener Secession“ (1897) eine grosse Bedeutung. Obwohl die meisten
symbolistischen Maler auch nach 1900 ihren Idealen die Treue hielten, geriet
ihre Kunst allmählich in Vergessenheit. Wichtige Stadien des in den 3oer
Jahren von den Surrealisten initiierten Aufwertungsprozesses waren das
Erscheinen der englischen Ausgabe von Mario Praz' Studie zu „Liebe, Tod und
Teufel. Die schwarze Romantik“ (1933), deren Titel „The Romantic Agony“ zu
einem Schlüsselwort der nachfolgenden Auseinandersetzung mit der so lange
verfemten Kunst des 19. Jahrhunderts wurde, die Arbeiten von Hans H.
Hofstätter und Bettina Polak in den 5oer Jahren und einige
Uebersichtsausstellungen der symbolistischen Kunst (Berlin 1968: Der
imaginäre Salon; Paris 1972: Peintres de l'imaginaire; Rotterdam/Brüssel/
Baden-Baden/Paris 1975/76: Der Symbolismus in Europa).
Zwar spielt das Phantastische nicht im Werk aller Symbolisten eine Rolle es
fehlt weitgehend bei Pierre-Cecile Puvis de Chavan-nes (1824-1898) oder bei
den „Nabis“, aber es ist das beherrschende Element bei den meisten dieser
„Maler des Imaginären“, die sich damit als die legitimen Nachfolger der
Künstler des
Manierismus und der Romantik erweisen. Als die bedeutendsten Vertreter einer
dem Phantastischen huldigenden symbolistischen Kunst sind m Frankreich
anzusehen: Moreau, Redon, Alexandre Seon (1855-1917), Armand Point
(1861-1932) und Lucien Levy-Dhurmer (1865-1953). Gleichfalls in Frankreich
arbeiteten die beiden Schweizer: Vallotton und Carlos Schwabe (1860-1926).
Belgische Symbolisten sind: -+ Degouve de Nunques, Rops, Delville, Ensor,
Khnopff, Leon Frederic (1856-1940) und Henry de Groux (1867-1930).
Niederländer: Jan Toorop (1858-1928) und Christoph Karel Henri De Neree tot
Babberich (1880-1909). Deutsche: Böcklin, Ferdinand Keller (1842-1922),
Klinger, Otto Greiner (1869-1916), Kubin, Franz von Stuck (1863-1928) und
Fidus (eigentlich: Hugo Höppener, 1868-1948).Schweizer: Albert Welti
(1862-1912) und Giovanni Scgantini (1858-1899). Italiener: Gaetano Previati
(1852-1920), Martini und Giulio Aristide Sartorio (1860- 1932). England:
Beardsley, Burne-Joncs, Crane und George Frederick Watts (1817-1904).
Amerika: Vedder, Maxfield Parrish (1870-1966 Illustratoren, phantastische).
Österreich: Klimt. Tschechoslowakei: Frantisek Kupka (1871-1957). Polen:
Jacek Mal-czewski (1854-1929). Russland: Michael Aleksandrovitsch Wrubel
(1856-1910) und Nicolas Kalmakoff (1873-1955). Finnland: Akseli
Gallen-Kallela (1865-1931). Norwegen: Munch. |