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Surrealismus, phantastische Malerei
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Stubbs, George

(*25. 8. 1724 Liverpool, T 10.7 1806 London)
Schon als Junge wurde Stubbs, der als wichtigster Tiermaler des 18. Jahrhunderts gelten kann, mit geschundenen und zerschnittenen Tierleichen konfrontiert, denn sein, Vater war Gerber und Kürschner. Als Achtjähriger machte er seine ersten Zeichnungen von Knochen und Eingeweiden und fing an, kleine Tiere selbst zu sezieren. Mit seiner Leidenschaft für die Geheimnisse der Anatomie entwickelte sich zugleich sein Wunsch, Maler zu werden. Nach dem Tod seines " Vaters (1740) wurde Stubbs Schüler von Hamlet Winstanleys, dessen Unterricht ihn aber so wenig befriedigte, dass er ihn bald wieder abbrach. Da er die Auffassung entwickelt hatte, dass nur die genauesten Kenntnisse der Natur zu gelungenen Darstellungen von Tieren und Menschen führen konnten, liess er sich, nach einer Reise durch Nordengland, während der er seine, ersten Porträts malte, 1743 in York nieder, um sich dort weiter in das, Studium der Anatomie zu vertiefen. Befreundete Ärzte versorgten den Maler mit Leichen zum Sezieren, aber es kam das Gerücht auf, dass Stubbs sich in seinem leidenschaftlichen Wissensdrang dazu hinreissen liess, sie auf weniger legalem Wege zu beschaffen. Zeitweilig mutet seine Biographie wie eine Parallele zu Stevensons berühmter Erzählung „Der Leichendieb“ an. In einer Reihe von Vorträgen für Medizinstudenten in York versuchte Stubbs, seine Auffassungen über die Anatomie darzulegen. Er entwarf die Illustrationen für Dr. John Burtons Buch über neue Methoden der Geburtshilfe (1751). 1754 unternahm er eine Reise nach Italien; ältere Biographen nahmen an, dass er bei seiner Rückreise 1755 einen Aufenthalt in Marokko hatte und dort sah, wie eine Löwin ein Pferd angriff, ein Schlüsselthema seiner späteren Malerei; aber es sind dafür keine Beweise vorhanden. T. Doherty nimmt an, dass er dieses Thema in Rom entdeckte: Im Garten des Palazzo dei Conservatori befindet sich noch heute eine hellenistische Skulptur mit diesem Thema. Allerdings bietet ein Bild des italienischen Manieristen Jacopo Ligozzi (1547- 1626), auf dem eine Wölfin einen Schimmelhengst angreift (Sammlung Grzimek), in seiner gespenstischen Intensität erstaunliche Parallelen zu Stubbs' Darstellungen dieses Motivs. 1766 erschien seine grosse Studie zur Anatomie des Pferdes mit vielen Stichen, die auf Zeichnungen zurückgehen. Auf der Grundlage dieser Forschungen baut Stubbs jetzt seine Bildwelt auf, die ihn von seinen direkten Vorgängern und Zeitgenossen völlig abhebt. Die eigenartige Faszination seiner Tierbilder geht aus dem Kontrast der fast übergenau gesehenen Tiere, die, auch wenn sie sich in einer lauernd-ruhigen Haltung befinden, immer vor innerer Spannung zu vibrieren scheinen, mit einer üppig romantischen, manchmal urwäldlichen Landschaft hervor. Stubbs' vor Gewitter oder Löwen zurückschreckende Pferde erhalten eine unheimliche Präsenz und haben Ähnlichkeit mit Füsslis „Nachtmahr“. Auch bei dem französischen Romantiker Theodore Géricault und vielleicht sogar bei dem Douanicr Rousseau wirken Stubbs' Tierbilder nach. Seine letzte grosse, nicht mehr ganz abgeschlossene Arbeit auf dem Gebiet der Anatomie war „A Comparative Anatomical Exposition of the Structure of the Human Body with that of the Tiger and CommonFowls“, die erst viele Jahre nach seinem Tod, 1817, erschien. Die Stellung Stubbs' als einer der grossen englischen Maler zwischen Klassizismus und Romantik ist heute unangefochten, während seine beklemmenden Tierdarstellungen, in denen Urängste und Aggressionen Bild werden, ihm einen wichtigen Platz in der Entwicklung der Phantastischen Malerei sichern.


 

 

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