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Surrealismus, phantastische Malerei
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Steinberg, Saul

(*15. 6. 1914 Ramnicul-Sarat)
Der Zeichner und Cartoonist Saul Steinberg, der von sich sagt, dass er nur zeichne, weil er sich selber etwas, das er nie gesehen habe, erklären will, gehört neben Topor und vielleicht Paul Flora zu den wenigen Künstlern, die sich auf dem schmalen Pfad zwischen „populärer“ und „ernster“ Kunst bewegen, wobei Cartoon-Kunst nicht populär im eigentlichen Sinne ist, sondern lediglich eine andere Form von Ernst aufweist, wie man an Zeichnern wie Yrrah, Sempé und Böse sehen kann. Auch Hogarth und Daumier zeigen im Bereich der Karikatur, dass Phantastik, Humoristik und kritische „Überzeichnung“ sehr oft deutliche Berührungspunkte aufweisen. Nach seiner Ausbildung zum Architekten in Mailand (1940) war Steinberg zunächst als freier Architekt und als Illustrator für mehrere oberitalienische Zeitschriften tätig. Als Zeichner Autodidakt, kam für ihn, der bis dahin nur künstlerisches Interesse an den Gemälden von le Corbusier und de Chirico hatte, der schnelle Erfolg recht überraschend. Schon 1938 druckte die New Yorker Zeitschrift „Harper's Bazaar“ seine ersten „humoristischen Zeichnungen“; drei Jahre darauf folgten Publikationen im Wochenblatt „The New Yorker“, für das er später noch mehrere Titelblätter zeichnete und auch als Korrespondent arbeitete. 1942, nach einem kurzen Aufenthalt m Santo-Domingo, emigrierte Steinberg m die USA und liess sich in New York nieder. Als er ein Jahr danach zum Kriegsdienst einrückte, zählte er schon zu den populärsten „saune artists“ m seiner neuen Heimat. 1945 publizierte er eine Serie von 150 Zeichnungen unter dem Titel AH m I.inc, die ihn über Amerika hinaus bekannt machten; 1949 erscheint ein weiterer Band: The Art of Living und 1954 der dritte Band: The Passport mit über 250 Zeichnungen, unter denen sich auch die ersten Gouachen und Photomontagen befinden. Ab 1966/67 tauchen neben den skurrilen Cartoons immer häufiger die zarten, mit Stempeln versehenen Aquarelle und Gouachen auf, die sich wie die Vorboten einer Veränderung in Steinbergs OEuvre ausnehmen. Weite, postkartenschöne Landschaften mit einsamen Menschen, die einem herabschwebenden Stempeldruck zuschauen, werden in Serien nebeneinander gemalt. Schriftzüge kommen hinzu, weitere Stempel, so dass es auf den Betrachter wie ein „amtliches, bebildertes Formular“ wirkt. Dann kommen auch die Malutensilien hinzu, wie auf dem Werk Tisch-Serie: Album (1972), wo sich neben einem auf geschlagenen Heft, real und irreal, Zeichenfeder, Zeichenstift und Lineal befinden, auf einer Holzplatte, wie man es von dem figurativen Realismus eines Alfred Hofkunst oder Jörge Stever kennt. In den später entstehenden Arbeiten gruppieren sich immer mehr Gegenstände/Arbeitsutensilien um das „Bild“, Skizzen des Bildes tauchen auf, durch Stempel beglaubigte Ersatzfedern, Ersatzbleistifte, Ersatzlineale, wie beispielsweise auf dem 1973 entstandenen Beleg/Beweisstück: Die Hochebene. Ein Jahr danach tritt das bis dahin noch dominierende „Primärbild“ gegenüber dem Arrangement von vielen, zum Teil skizzenhaften oder abstrakten Bildern zurück, wie bei dem Collage-Werk Der polytechnische Tisch (1974).
Steinberg variiert flüchtige Ausschnitte der Realität, er präsentiert gewissermassen die Vorstufen der Realität und beglaubigt sie und die Werkzeuge, die sie erstellten, mit einem Amtssiegel. Wenn noch bei Escher zwei gegenüberliegende Hände einander zeichnen können, so ist bei Steinberg dieser Vorgang abgeschlossen: Alles liegt wieder, nach der Tat, ordentlich an seinem Platz, versehen mit den behördlichen Stempeln, und er sagt dazu: „die Absicht (dieser) Zeichnung liegt darin, die Leute fühlen zu lassen, dass in ihr noch etwas anderes steckt, jenseits des Wahrnehmbaren. Die Reise zwischen Wahrnehmung und Verstehen - damit vor allem spiele ich.“


 

 

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