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(* 3. 3. 1880
Trebitsch/Mähren, T 11..9.1976 Waldkraiburg)
Mehrere Gemälde im Museum von Iglau, die von Staegers Vorfahren gemalt
worden sind, belegen, dass es in dieser Familie quasi eine Tradition, „einen
Hang zur Malerei“ gab, wie Staeger auf den ersten Seiten seiner „Mein Leben“
betitelten Autobiographie anmerkt. Bereits mit 14 Jahren kommt er nach Brunn
auf die dortige k. u. k. Fachschule für Weberei, wo er das Zeichnen von
Blumendekors für Kleider- und Möbelstoffe und Tapeten erlernt; mit 17
vervollständigt er dann seine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Prag
bei J. Schikaneder, dessen Böcklin-Verehrung sich bald auf Staeger
überträgt. Die ersten Gemälde des jungen Staeger, darunter auch Das stille
Tal, erscheinen in der Zeitschrift „Jugend“, einer der wichtigsten
Wegbereiterinnen des um die Jahrhundertwende einsetzenden Jugendstil. Zur
gleichen Zeit wurde er, dessen Beziehung zum Jugendstil nicht sehr
ausgeprägt war, Mitglied m der „Association Internationale des Beaux Arts et
des Lettres, Paris“. Weitere Abdrucke seiner Arbeiten in der tschechischen
Zeitschrift „Cas“ eröffneten ihm die Möglichkeit einer auch finanziell
abgesicherten Laufbahn als Maler, Graphiker und Illustrator. Kurz bevor
Staeger 1908 nach München, wo er später zum Professor ernannt werden sollte,
übersiedelte, wurde er Mitglied eines deutsch-böhmischen Künstlerbundes, dem
unter anderen Max Brod, Franx. Werfel und Gustav Meyrink angehörten. Den
Ersten und Zweiten Weltkrieg erlebte Staeger als Schlachtenmaler. Das 1921
in München entstandene Ölgemälde Der heimliche König und das im gleichen
Jahr entstandene, aber heute verschollene Werk Mozart-Apotheose, das einige
bemerkenswerte Parallelen zu Arbeiten Dadds aufweist, zeigen am
eindringlichsten die Abkehr Staegers vom unverbindlich poetischen Stil der
Prager Jahre. Auch in den später entstehenden Mappenwerken Mozart-Opern
(1922; Abb. 71) und Ein Sommernachtstraum (1922) macht sich eine Abkehr vom
rein "Geschmäcklerischen" bemerkbar. Nach 1922 ist die überwiegende Zahl der
Werke „mystisch-realistisch“, was Thematik, Palette und Komposition
anbetrifft. H. Wessely bietet in seiner Arbeit „Der Mystische Realismus
Ferdinand Staegers“ eine Definition an, indem er, ausgehend von Meister
Eckharts Weltbetrachtungen, ausführt: „Mit der Bezeichnung Mystik verbindet
sich uns ein undeutbarer seelischer Vorgang, der sich als völlige Versenkung
und Hingabe an das Gotteserlebnis (unio mystica) manifestiert.“ Gleichwohl
werden in den folgenden Bildern Staegers düstere Töne, Blau und dunkles
Grün, zu beherrschenden Aussagemitteln. Neben den wirklich überzeugenden
Werken der 2oer und 6oer Jahre, zu denen auch das an Böcklin erinnernde
Gemälde Vision eines Dichterlebens (1966) und das impressionistische
Gelegenheitswerk Allgegenwärtig (1969) gehören, ist eine Reihe kaum
vertretbarer Arbeiten zu finden, wie beispielsweise Hoher Besuch (1964) oder
Tor zur Ewigkeit (1974), die zwar eine gewisse Vertrautheit mit dem Werk
Hans Thomas belegen, die aber eine einheitlichere Beurteilung seines OEuvres
erschweren. Dennoch gehört Staeger zu den wenigen Malern der 2oer/3oer
Jahre, die man zu den Phantastischen Malern zählen muss. Seine durch mehrere
Ölbilder belegbare intensive Beziehung zum Nationalsozialismus wurde ihm
nach 1945 zu Recht zum Vorwurf gemacht.
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