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Surrealismus, phantastische Malerei
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Schlotter, Eberhard

(* 3. 6. 1921 Hildesheim)
Wenn man auf der Suche nach einem Künstler wäre, der Stilleben wie Giorgio Morandi, Gesichter wie Kanovitz, Arshile Gorky (der ebenfalls gegenständlich wie auch abstrakt arbeitete), oder Müller und der Stadt-Landschaften wie August Macke oder de Chirico malen könnte, so würde man sicherlich auf Eberhard Schlotter stossen, in dessen vielseitigem CEuvre sich seit 1964/65 ein immer deutlicherer Weg zur Phantastischen Malerei abzeichnet. Schlotter, der Graphiker/Radierer vom Range eines Klinger und der Maler mit den bildnerischen Möglichkeiten eines Moesman oder Roy, dessen Art „die Dinge zu sehen und sichtbar zu machen, sich als "Transitorischer Realismus" verstehen lässt“ (Max Peter Maass), gehört in der deutschen Kunstszene /u den Aussenseitern, die in kaum einem der einschlägigen Lexika zu finden sind.
Nach einer demütigenden, im Zeichen des nahenden Krieges stehenden Malerlehre, ging Schlotter, dessen mit Kurt Schwitters befreundeter Vater ihm in Hildesheim den Besuch von Zeichenkursen ermöglicht hatte, 1939 nach München an die Akademie der Bildenden Künste zu Constantin Gerhardinger. Neben den regelmässigen Besuchen in der Pinakothek und dem Studium von Maltechniken vervollkommnete er seine Kenntnisse in den Radiertechniken bei Adolf Schinnerer. Nach zweieinhalb Jahren musste Schlotter das Studium aufgeben (1941) und statt dessen seinen Militärdienst ableisten. Nach Krieg, Gefangenschaft und Waffenstillstand liess sich Schlotter in Darmstadt nieder. Die Arbeiten aus dieser Zeit, wie Mädchen mit Blumen (1949), sind noch deutlich von Matisse und Picasso inspiriert. Auch die ab 1950 entstehenden Stadt-Landschaften mit ihren flächigen, gegeneinandergesetzten Grau-Blöcken erinnern an Braque und den Kubismus. Eine Reihe von bravourös gezeichneten Porträts, Interieurs und Fratienakten, wie die Serie Celander (1963), die man, in Unkenntnis der Maler-Intentionen, anfänglich für Pornographie hielt, belegen seine weitgefächerten künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten.
Auch bei Eberhard Schlotter ist es, wie bei mehreren Künstlern der Phantastischen Malerei, die Radierung, in der sich die Entwicklung zur phantastischen Sujet-Bearbeitung vollzieht. Die im jähr der Arno Schmidt-Illustrationen entstandenen Blätter: Eine Handtasche. Paraphrase zu einem Gegenstand (1963), die schon in der Titclwahl eine Reminiszenz an Klinger darstellen, sind insgesamt eine Art Credo der Schlotterschen metarealistischen Kunst. Das 1968 entstandene Werk Messingstadt, gleichermassen eine Hommage an Magritte und Dali, dürfte wie das 1969 entstandene Gemälde Loch im Fussboden (Abb. 69) zu den brillantesten Beispielen deutscher Phantastischer Kunst zählen. Aber auch das drei Jahre später vollendete Familienporträt Familie Neven DuMont, auf dem sich Urlaubslandschaft, Erinnerungsphoto und Souvenir-Tisch gegenseitig perspektivisch durchdringen, zeigt, dass auch „Alltäglichkeiten“, einmal entlarvt, ihre phantastische Dimension offenbaren können.


 

 

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