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(* 7 . 7. 1833 Namur, t
23. 8. 1898 Bieve)
Der Ruhm des Felicien Rops, eines der berühmtesten Graphiker aus der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts, war nur von kurzer Dauer. Und wenn man sich
heute wieder ausführlicher mit ihm beschäftigt, dann hängt das in erster
Linie mit der Aufwertung der Kunst des vorigen Jahrhunderts zusammen.
Andererseits hat es immer eine kleine, aber exklusive Gruppe von Kennern und
Sammlern gegeben, die Rops' erotische und phantastische Zeichnungen als
Höhepunkt der Kunst des dekadenten Fin de Siecle bewunderte.
Rops stammte aus einer gutbürgerlichen, orthodox-katholischen Familie (der
Tater war Textilfabrikant), in die allerdings die ungarische Mutter, mit der
sich der junge Felicien sehr verbunden fühlte, eine etwas exotische Note
brachte. Nach einer Ausbildung am Brüsseler Atelier Saint-Luc arbeitete Rops
für verschiedene satirische Zeitschriften, die seine bissigen Lithographien
gerne druckten, und er gründete selbst die Zeitung „Uylenspiegel“ (1856), in
der er regelmässig veröffentlichte. Satirische und realistische Tendenzen
sind bestimmend für dieses Frühwerk, das den Einfluss Daumiers und Paul
Gavarnis verrät, und auch in seinen späteren Arbeiten, die ihn berühmt unc
„berüchtigt“ machen sollten, bleiben diese Elemente beherrschend. Obwohl
Rops 1857 geheiratet unc sich ein Haus auf dem Lande zugelegt hatte, lebte
er keinesweg; zurückgezogen. Er war einer der Mitbegründer der „Sociéte'
libre des Beaux Arts“ in Brüssel und hielt sich ab 1862 regelmässig mehrere
Monate im Jahr in Paris auf. Seine Zeichnungen, Graphiken und Gemälde
machten ihn dort bald schon zu einer bekannten und umworbenen
Persönlichkeit, während die vielen Anekdoten über sein ausschweifendes Leben
die Attraktivität seiner Person noch erhöhten und den finanziellen Erfolg
des Malers steigerten. Charles Baudelaire, Theophile Gautier, Prosper
Mérimée und die Brüder Jules und Edmond de Goncourt gehörten zu seinen
Bekannten, während später Josephin („Sâr“) Peladan und Joris Karl Huysmans
ihn zu einem Vorläufer der symbolistischen Bewegung ausriefen. Im Laufe der
7oer und 8oer Jahre macht sich eine zunehmende Verdunkelung der Motive in
Rops' OEuvre bemerkbar. Eine Hinwendung zum Phantastischen in Verbindung mit
dem Erotischen bestimmen die besten Arbeiten dieser Periode, aus denen vor
allem die Illustrationen zu „Les Diaboliques“ von Barbey D'Aurevilly (1875)
und die vier Blätter der Suite des Sataniques (1883), von denen Das Opfer
das bekannteste wurde, hervorzuheben sind. Man geht wohl nicht fehl, in der
strengen Erziehung des jungen Rops die Wurzeln einer Auffassung zu suchen,
die das Erotische als "sündig" und die Frau als Abgesandte des Teufels
betrachtete. Die brillante Technik des Malers in den verschiedensten
Bereichen (Lithographie, Zeichnung, Holzschnitt) vermag über das oft
Geschmacklose oder aber Modische seiner unzähligen Werke nicht
hinwegzutäuschen. In manchen seiner Bilder aber, wie Der Tod auf dem Ball
(1865-75) gelang es ihm, die Verbindung von Sexualität und Todeslust, diese
Konstante der Kunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts, auf höchst
beunruhigende Weise darzustellen. Zwei Amerikareisen (1885 und 1887)
verbreiten seinen Ruhm auch auf der anderen Seite des Ozeans. Die letzten
Jahre seines Lebens, in denen er von Krankheit geplagt war, verbrachte er,
kaum noch malend, in seinem Landhaus in Bieve Ähnlich wie Wiertz, der andere
grosse belgische Maler des Phantastischen aus dieser Periode, gelang es ihm
nur selten, seine beachtlichen Fähigkeiten so weit zu zügeln, dass Werke von
wirklich dauerhaftem Wert entstanden, aber in seinen besten graphischen
Arbeiten erreicht er eine ähnliche Schärfe des Blicks wie Toulouse-Lautrec;
ebenso bleibt Rops' Einfluss auf die Malerei des Symbolismus, vor allem aber
auf seinen Landsmann Ensor, unbestritten. |