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(* 2. 4. 1840 Bordeaux, T
6. 7. 1916 Paris)
Als Joris Karl Huysmans, neben -Moreau und Bresdin, auch den Maler Redon in
seinem Roman „Gegen den Strich“ (1884), jener Bibel des Symbolismus, lobte,
war der Sohn einer begüterten Familie schon kein Unbekannter mehr. Nach
einer Lehrzeit m dem Atelier des berühmten Jean Leon Geröme in Paris, dessen
Unterweisungen Redon nicht befriedigten, lernte er bei seiner Rückkehr nach
Bordeaux den bizarren Graphiker Bresdin kennen. Zum erstenmal entdeckte er
in den Blättern des älteren Kollegen eine künstlerische Ausdrucksform, die
ihm zusagte. Durch einen anderen Freund, den Botaniker Armand Clavaud,
machte er Bekanntschaft mit den Werken der neuesten Literatur, insbesondere
mit Flaubert und den Poe-Übersetzungen Baudelaires. Zu diesen Einflüssen
gesellte sich noch seine Bewunderung für die Schule von Barbizon (und
besonders für Jean-Baptiste-Camille Corot) und die Impressionisten. Nach dem
Deutsch-Französischen Krieg machte er eine Studienreise in die Niederlande;
er wollte dort die Gemälde Rembrandts im Original studieren. Das Medium, das
Redon in den ersten Jahren seiner künstlerischen Entwicklung bevorzugte, war
die Kohlezeichnung. Nachdem er sich unter Anleitung von Henri FantinLatour
mit der Litho-Technik vertraut gemacht hatte, konnte er seine Zeichnungen
durch Vervielfältigung einem grösseren Publikum zugänglich machen.
Seine erste, von der Kritik heftig angefeindete Ausstellung fand 1881 in
Paris statt. Aber hier gelang es ihm auch, die Aufmerksamkeit der
symbolistischen Literaten auf sich zu ziehen, die in ihm einen verwandten
Geist erkannten. Nicht nur Huysmans, sondern auch der Führer dieser
Bewegung, Stephane Mallarme, sprach seine Bewunderung für das Werk Redons
aus, das ein phantastisches Traumreich Bild werden liess. Auffallend bei
Redon ist die Verbindung einer impressionistischen Technik mit
symbolistischen Bildinhalten, die sich des öfteren von den Gemälden älterer
Kollegen herleiten lassen; so findet sich das Motiv des abgeschlagenen
Kopfes (Kopf eines Märtyrers, 1877), das bei Redon in verschiedenen
Variationen wiederkehrt, auch schon bei Moreau. Dessen Werk „Erscheinung“
(um 1876) bildet die direkte Vorlage für Redons gleichnamige Kohlezeichnung
(1883), wobei der Verzicht des jüngeren Malers auf jegliches schmückendes
Ornament auffällt, eine Konzentration in der Darstellung des phantastischen
Motivs, die auch durch die Schwarz-Weiss-Technik bedingt zu sein scheint.
Allmählich aber wandte sich Redon immer stärker von seinen „Noirs“ ab, und
indem er die Farbe in seine Welt hineinliess, verlor diese weitgehend ihren
düsteren Charakter. Die Angstträume der ersten Phase verschwanden zwar nicht
ganz, aber wurden doch von einer neuen, poetischen Sicht auf die Realität
verdrängt, die sich mit Vorliebe in Landschaften und Stilleben äusserte.
Redons Ruhm hatte im Verlauf der Jahre zugenommen, und von einem
Aussenseiter hatte er sich zu einer Zentralgestalt der französischen Malerei
der Jahrhundertwende entwickelt. Dass er die Errungenschaften der beiden
Hauptrichtungen dieser Zeit, des Symbolismus und des Impressionismus, zu
vereinen wusste, macht wohl nicht zuletzt seine Bedeutung aus. Als die
meisten symbolistischen Maler der Vergessenheit anheimfielen, um erst in den
7oer Jahren des 20. Jahrhunderts wieder von einem grösseren Publikum neu
entdeckt zu werden, wusste das Werk Redons sich auch in den Augen der
schärfsten Kritiker dieser Richtung zu behaupten. |