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pittura metafisica, Metaphysische Malerei |
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Das Jahr 1917, als sich
in Ferrara, der „metaphysischen Stadt“, bei der Ableistung ihres
Kriegsdienstes de Chirico und eines der führenden Mitglieder der
futuristischen Bewegung in Italien, Carlo Carra (1881-1966), trafen, könnte
man als Geburtsstunde der „metaphysischen Malerei“ ansehen. Dieser Begriff
täuscht jedoch darüber hinweg, dass es nie, wie beim Futurismus, eine
wirkliche Gruppe metaphysischer Maler gegeben hat, dass sie keine gemeinsam
abgefassten Manifeste veröffentlicht haben und dass sie überdies von dem
Begriff, der sie nur zeitweilig verband, alle eine andere Vorstellung
hatten. Bei de Chirico heisst es: „Es ist die stille und unsinnliche
Schönheit der Materie, die mir metaphysisch erscheint, und metaphysisch
erscheinen mir die Dinge, die durch Klarheit der Farbe und Genauigkeit ihrer
Masse die Gegenstücke zu jeder Wirrnis und Verschwommenheit sind.“ Diese
Rückkehr zu der magischen Präsenz der Dinge, die sich seit etwa 1912 bei de
Chirico schon angedeutet hatte (Melancholie, 1912) und die in den
literarischen Arbeiten seines Bruders Andrea, der sich Alberto Sa-vinio
(1891-1952) nannte, formuliert wurde, bestimmt zwar auch den Weg Carras von
seinen dynamistischen und kubistischen Anfängen (er gehörte 1910 mit zu den
Unterzeichnern des ersten Futuristischen Manifests) zu einer neuen Ruhe und
Klarheit, aber seine Auffassung vom Metaphysischen m der Malerei
unterscheidet sich deutlich von der seines Freundes: „Ich schloss alles aus,
was sich nicht durch die Form allein verstehen liess, während de Chirico
durch seine Formen Ideen andeutete, die im Bilde selbst nicht erklärt waren
... In der pittura metafisica versuchte ich also, die physische Realität
ihres zufälligen Aufputzes zu entkleiden.“ Die beunruhigende Wirkung, die
von den Bildern de Chiricos ausgeht und die seinen Einfluss auf die Maler
des Surrealismus begreiflich macht, fehlt bei den eher kühl-mathematischen
Kompositionen Carras, obwohl in den Werken der beiden Künstler die von Carra
ms Leben gerufenen „gesichtslosen Menschen“, die Kleiderpuppen, eine
Hauptrolle spielen (Carra: Die metaphysische Muse, 1917; Mutter und Sohn,
1917; de Chirico: Der grosse Metaphysiker, 1917; Hektar und Andromache,
1917). Auch Giorgio Morandi (1890-1964) geriet zeitweilig in den Bannkreis
der metaphysischen Malerei, ohne aber wirklich von ihr beeinflusst zu
werden. Aber gerade in seinen Stilleben kann man vielleicht die gcnaueste
Verwirklichung der von Carra angestrebten, aber nicht erreichten
schmucklosen und deshalb metaphysischen Darstellung unserer Umwelt sehen.
Sowohl Carra wie de Chirico gingen in den nächsten Jahren andere Wege, die
in die Richtung einer neuen traditionellen Malerei führten, deren Prägung
vieles dem Studium alter Meister verdankte. Im Werk Savinios aber, der sich
erst 1927 der Malerei zuwandte (er war ausgebildeter Musiker und hatte sich
vor allem als Literat einen Namen gemacht), verwandelt sich die Auffassung
der metaphysischen Malerei zu einer Art romantischer Surrealismus, der auf
eine fast spielerische Weise mit ihren Elementen umgeht (Neptun, 1932). Sein
Selbstbildnis in der Form einer Eule (1946) macht den ironischen Unterton
seiner Arbeiten besonders deutlich. |
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