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(* 26. 6. 1900 Magdeburg)
Wenn man über Oelze spricht, sieht man sich mit einer Legende konfrontiert,
denn ausser ein paar Daten ist so gut wie nichts bekannt. Er, der am
liebsten allein durch seine Werke sprechen will, ist uns als Person so fremd
wie kaum ein anderer. Er hat in den Jahren 1921-1925 am Bauhaus studiert,
als Schüler von Itten, machte mehrere Reisen durch das
Nachkriegsdeutschland, fuhr nach Ascona, an den Gardasee und kür/, vor
Ausbruch des Zweiten Weltkriegs über die noch offene Grenze nach Frankreich.
Oelze bleibt drei Jahre in Paris; auch aus dieser Zeit ist nicht mehr
bekannt, als dass er sich ein- oder zweimal mit Andre Breton, Dali oder auch
Ernst getroffen habe, für alle jedoch unnahbar, schon damals eine Legende.
1938 kehrt er nach Deutschland zurück, lässt sich etwas später in Worpswede
nieder und wird dann als Kartenzeichner in den Kriegsdienst genommen. Von
1945-1962 bleibt er in Worpswede, arbeitet und lebt in einem alten,
winzigkleinen Gartenhaus, hat aber kaum Geld für Leinwand und Farben. Ende
1962 übersiedelt er nach Postenholz bei Hameln, wo er auch heute noch lebt.
Doch mit diesen Daten wird eigentlich ein falscher Eindruck erweckt. Wieland
Schmied weist darauf hin, dass mit den Namen „Bauhaus“, „Worpswede“ und
„Paris“ bestimmte Assoziationen entstehen, die für Oelze unzutreffend sind:
„Er studierte am Bauhaus, aber ebensogut hätte er an irgendeiner Akademie
lernen können oder an ' gar keiner.“ Oelze, dieser fieberhafte Arbeiter, der
so unerbittlich mehr als die Hälfte seiner Werke vernichtet, ist vor allem
als „der Maler des Waldes“ zu bezeichnen, so wie Tanguy vielleicht als „der
Maler des Meeres“ bezeichnet werden kann. Oelzes geisterhafte, phantastische
Landschaften und ' Wälder haben etwas von dieser „Unbetretbarkeit“
wiedergewonnen, die noch die Bilder Altdorfers und der Meister der
Donauschule hatten, als sie noch Symbol für Tod und Finsternis waren. Es
gibt ein, leider verschollenes Bild Porträt in phantastischer Landschaft aus
dem Jahre 1934, das ähnlich wie Daniel aus demselben Jahr ganz deutlich die
gespenstische Verbindung von Leben und Natur aufzeigt, eine Verbindung, die
für Oelze absolute Wirklichkeit besitzt. Das Hinübergleiten der Formen in
den realen Hintergrund oder das Emporsteigen in den realen Vordergrund sind
kennzeichnende Merkmale seiner in Lasiertechnik ausgeführten Werke. (In
diesem Punkt gibt es einige interessante Parallelen zu Bildern von Bresdin
oder Ivan Albright.) Auch über seinem wohl berühmtesten Bild, Erwartung,
liegt dieses Bewusstsein eines sich ständig vollziehenden Unheils. Fast
unbeweglich stehen die Menschen da auf diesem Bild, einige haben den Kragen
hochgeschlagen und den Hut in den Nacken geschoben, sie warten, warten: Das
Unheil kündigt sich an, die Zukunft gibt sich zu erkennen; das Bild wurde
1935 gemalt, und sicherlich wusste Oelze nicht, wie sehr er recht haben
sollte. Ihn dem Surrealismus zuzurechnen wäre wohl etwas gewagt, er fühlte
sich lediglich, als er die Bilder jener Gruppe zum erstenmal 1929 in einer
belgischen Zeitung sah, bestätigt und sagte dazu: „Ich spürte sofort eine
Verwandtschaft. Meine Malerei brauchte sich nicht zu wandeln. Es war nur
eine Bestätigung, durch die ich etwas mehr an mich glauben konnte - wie
damals bei Itten.“ Treffend hingegen bezeichnete G. F. Hartlaub die damals
in Deutschland wirkende Gruppe (neben Oelze auch Carl Grossberg, Radziwill,
Herbert Böttger und Christian Schad) als Maler des - Magischen Realismus.
Weitere Hauptwerke Tägliche Drangsale, 1934; Nachtzeit, 1949;
Abendland-Schaft, um 1949; Hinter dem Haus des Hafenkapitäns, 1960; F-pikur,
1960). |