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(*6. 4. 1826 Paris, T 18.
4. 1898 Paris)
„Die Entdeckung des Gustave-Moreau-Museums, als ich sechzehn war, hat für
immer meine Art zu lieben geprägt. Dort habe ich die Offenbarung der
Schönheit und der Liebe in den verschiedenen Gesichtern, den Haltungen der
Trauen erfahren. Der "Typus" jener Frauen hat mir den Blick auf alle anderen
verstellt: es war eine absolute Verzauberung.“ Das schreibt 1961, im Alter
von 65 Jahren, der Mann, der so oft der einzige Besucher des Museums in der
Rue de la Rochefoucauld war: Andre Breton, die zentrale Gestalt des
Surrealismus, jener Bewegung, welche die Ideen des Symbolismus, dessen
Vorläufer Moreau war, wieder aufgriff und konsequent zu Ende dachte. Als
Moreau 1848 das Atelier des Akademie-Lehrers Francois Picot verlässt und den
Delacroix-Schüler Theodore Chasseriau zu seinem Meister wählt, entscheidet
er sich zielbewusst für eine Richtung, die sowohl den aufkommenden
realistischen Tendenzen wie dem kalten Ideal der Akademiker gegenüber
negativ eingestellt ist. Die ersten Bilder Moreaus verraten den deutlichen
Einfluss dieser sowohl an Delacroix wie an Ingres orientierten Strömung.
Nach dem Tode Chasseriaus geht Moreau 1857 nach Rom und studiert dort die
ältere italienische Malerei, insbesondere Mantegna und Michelangelo, die für
ihn genauso wichtig werden wie für Burne-Jones. Nach seiner Rückkehr nach '
Paris stellt Moreau dort 1864 sein Gemälde Ödipus und die Sphinx ' im Salon
aus, das heftige Diskussionen, aber im allgemeinen doch Bewunderung
hervorruft. In der ungewöhnlich hieratischen Komposition, der seltsamen
Erstarrung der beiden Figuren wie m der reichen, malerischen Gestaltung
lassen sich Grundhaltungen der Moreauschen Malerei erkennen. Die Begegnung
zwischen Ödipus und der Sphinx, die sich in seine Brust gekrallt hat, macht
in einem anschaulichen Symbol das Grundthema des Werkes deutlich: die
Konfrontation zwischen dem männlichen und dem weiblichen Prinzip, wobei die
negativ gesehene Frau immer wieder in verführerischen mythologischen oder
historisch-biblischen Verkleidungen auftritt. Die oft siegreichen, manchmal
aber auch hingeopferten Männergestalten haben den Charakter des Heroischen
abgelegt: Sie wirken weich, fast feminin und sind alle von seltsamer Trauer
umschattet. Während die frauenfeindliche Haltung des Malers, der
unverheiratet blieb, sich am deutlichsten in dem unvollendeten
Monumentalbild Die Chimären (1884) niederschlägt, auf dem sich in einer
eigenartig verfremdeten Felsenlandschaft unzählige Frauen ihren entlarvenden
Träumen hingeben, muss als sein Hauptwerk wohl Jupiter und Semele (1896;
Abb. 57) angesehen werden. Dort werden sowohl die beiden Grundprinzipien,
auf denen Moreaus Malerei aufbaut (der „schönen Unbeweglichkeit“ und dem
„notwendigen Reichtum“), exemplarisch deutlich, als auch die in ihr zum
Ausdruck gebrachte Idee. Es wäre nicht verfehlt, Moreau als eine der
Schlüsselfiguren der modernen Malerei anzusehen: Nicht nur die Symbolisten
und Surrealisten, sondern auch die abstrakte Malerei und die Tachisten
entdeckten in ihm einen Vorläufer und ein Vorbild. |