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(* 24. n. 1876 Oderzo, T
9. 11. 1954 Mailand)
In den Zeichnungen und Graphiken Martinis, den man den wichtigsten Vertreter
des Symbolismus in Italien genannt hat, vollzieht sich ein allmählicher
Obergang von den Formprinzipien des Jugendstils zu denen des Surrealismus.
Während eines Studienaufenthaltes in München war Martini mit den deutschen
Vertretern des Jugendstil in Verbindung getreten, von denen vor allem
Klinger ihn beeindruckte. Auch die erotisch-phantastischen Zeichnungen des
Engländers Beardsley und des Niederländers Jan Toorop mit ihren raffinierten
Schwarzweiss-Kontrasten übten einen nachhaltigen Einfluss aus, der dann zum
erstenmal auf durchaus eigenständige Weise in einigen Serien von
Lithographien, wie Die Geheimnisse und den 134 Illustrationen zu den
Poe-Übersetzungen Charles Baudelaires (1905-1908), verarbeitet wurde.
Während in den drei Illustrationen zu einer der makabersten Geschichten von
Edgar Allan Poe, „Hop-Frog“, die Eleganz der Linienführung mit ihrem
ornamentalen Reiz das Grausige des Bildinhalts noch mildert, verdichtet sich
die Beklemmung in den später entstandenen Illustrationen, in denen schwarze
Flächen, die sich bedrohlich ausbreiten, das Licht immer mehr an den Rand
der Blätter zu verdrängen suchen; ein Beispiel dafür sind seine
schattenrissähnlichen Zeichnungen zu der Parabel „Silence“. In dieser
Tendenz zur bildnerischen Vereinfachung, die zugleich zu einer
alptraumhaften Reduzierung der Bildwelt auf das Obszön-Erotische und das
Grausig-Phantastische führt, entfernt sich Martini immer mehr von seinen
symbolistischen Anfängen und nähert sich dem Surrealismus, bevor von diesem
überhaupt die Rede war. Seit 1911 tritt er auch als Maler mit einigen
Ausstellungen hervor, in denen vor allem die Porträts auffallen, wie das
Bildnis des Vittorio Pica, in dem auf typisch surrealistische Weise eine
befremdende Beziehung zwischen dem Porträtierten im linken Bildvordergrund
und einer an Dali erinnernden Skulptur im rechten Bildhintergrund
hergestellt wird. Obwohl Martini in den 2oer Jahren in Paris wohnte und
Breton und seinen Kreis kennenlernte, weigerte er sich konsequent, an den
Ausstellungen der Surrealisten teilzunehmen. Von mehreren Kommentatoren
wurde eine Vorliebe des Italieners für das Motiv des Auges festgestellt, was
auf eine Beziehung zu dem Werk Redons hindeuten könnte. |