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Surrealismus, phantastische Malerei
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Martin, John

(* 19. 8. 1789 Hast Landends/Haydon Bridge, T 17. 2. 1854 Douglas/Isle of Man)
Nach einer Lehre bei Boniface Musso folgte der junge John Martin 1806 seinem Lehrherrn und dessen Sohn Charles nach London, um dort in deren Firma als Emailmaler seinen Unterhalt zu verdienen. Es ist nicht ohne Reiz, dass der Maler, der später riesige Formate bevorzugen sollte, auf diese Weise seine Laufbahn begonnen hat. Nach dem Bankrott der Mussos aber konzentrierte sich Martin auf die Ölmalerei, und er konnte schon 1812 seinen ersten Erfolg verzeichnen. In diesem Jahr stellte er zum zweitenmal in der Academy aus. Sein Bild Sadak auf der Suche nach dem Wasser des Vergessens zeigt bereits einige der typischen Elemente seiner Malerei: Die ge waltigen Felswände und die rauschenden Fluten scheinen den winzigen Menschen, der sich mit letzter Kraft emporarbeitet, erdrücken zu wollen. Martins Sicht auf die Landschaft hebt das "Sublime" hervor; die Idylle oder das realistisch gesehene Landschaftsbild wie bei seinem Zeitgenossen John Constable liegen ihm fern. Im Fall Babylons (1819) und in Belsazars Fest (1821; Abb. 53) tritt dann die Architektur in den Vordergrund. Es ist dies eine synthetische Architektur, bei der Martin keinen Wert auf historische Genauigkeit, sondern auf poetische Oberzeugungskraft legt (Architektur, phantastische). Indem er Elemente der verschiedensten Baustile miteinander vermischt, erreicht er ein höchst phantastisches Ganzes, das an die Gebilde des geheimnisvollen Manieristen Desiderio erinnert, während es auch durchaus möglich wäre, eine Verbindung zu Piranesi zu ziehen. Seine Vorliebe für Szenen des Untergangs begründet Martin anlässlich seines Bildes Der Fall von Niniveh (1828): „Die mächtigen Städte Ninive und Babylon sind vom Erdboden verschwunden. Man mag ihre Grösse und Pracht übertrieben haben. Aber dort, wo die historische Wahrheit nicht wesentlich ist, delektiert sich der Geist an der Betrachtung des Grossartigen und des Seltsamen. Wir betrachten diese feierlichen Visionen der Antike, ohne das helle Licht der Wahrheit zu verlangen. Durch den Nebel der Jahrhunderte gesehen, wird das "Grosse" gigantisch und das "Wunderbare" weitet sich zum Sublimen.“ Es ist unschwer zu erkennen, dass sich in dieser grundsätzlichen Auffassung seiner Malerei die Grundgedanken von Edmund Burkes Schrift über den Ursprung unserer Auffassungen vom Sublimen und vom Schönen (1757) wiederfinden lassen. Burkes Gedanken bilden den philosophischen Hintergrund für die Entwicklung des englischen Schauerromans (Radcliffe, Maturin), und die atmosphärische Verwandtschaft zwischen den Hauptwerken dieser Richtung und den Bildern Martins, die man beide als „gothic“ bezeichnet hat, ist unverkennbar.
Martins visionäre Begabung zeigt sich auch in seinen zahlreichen Plänen zur Neugestaltung Londons, die seinen Zeitgenossen aber viel zu revolutionär waren. Kurz bevor er starb, vollendete Martin seine biblische Trilogie, Das letzte Urteil, Der grosse Tag Seines Zorns, Die Himmelsebenen (1851-1853), die in jeder Beziehung als der Kulminationspunkt seines Schaffens angeschen werden kann.


 

 

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