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Manierismus |
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Für den Kunststil der
Epoche zwischen 1520 und 1620 benutzt man im allgemeinen den Begriff
„Manierismus“. Ursprünglich eine geringschätzige Bezeichnung für jene Maler,
die im Stile („alla maniera“) Michelangelos oder Raffaels ihre Werke
schufen, ohne deren klassische Klarheit zu erreichen, hat der Manierismus im
Laufe des 20. Jahrhunderts eine immer positivere Deutung gefunden, die mit
den Aufsätzen Max Dvoraks, die 1924 in „Kunstgeschichte als
Geistesgeschichte“ gesammelt wurden, einsetzte. Auf Dvoraks Deutung einer
positiv bewerteten, antiklassischen Richtung m der Kunst bauten Forscher wie
Walter Friedlaendcr oder Erwin Panofsky ihrerseits in verschiedenen
Aufsätzen ihre Interpretation auf. Über die neue Haltung, die sich in der
manieristischen Kunst durchsetzt, schreibt Friedlaender in seinem Aufsatz
„Zur Physiognomik des Manierismus“ (Leipzig 1932): „Manierismus aber -
vielleicht seit der karolingischen Zeit der erste tief-unnaive Stil - setzt
das Wissen um einen Stil voraus, dem man zu folgen glaubt und den man
unwissentlich vermeidet. Er bedeutet cm Anderssein, eine Spältigkeit, den
Zwang, sich zu messen und zu vergleichen.“ Einen ersten Höhepunkt in dieser
positiven Neubewertung bildete 1955 die grosse Amsterdamer
Übersichtsausstellung „De triomf van het manierisme“ im Rijksmuseum. Ihr
folgte 1957 Gustav René Hockes äusserst einflussreiche Studie „Die Welt als
Labyrinth. Manier und Manie in der europäischen Kunst“, in der er die
Theorien seines Lehrers Ernst Robert Curtius über den Manierismus als eine
Konstante der Kulturgeschichte eben die antiklassische, subjektive Haltung
des Künstlers der Welt gegenüber durch die genaue Darlegung der Beziehungen
zwischen dem historischen Manierismus und dem Surrealismus verdeutlicht. Bei
Hocke heisst es: „Konfrontiert man nun den "Mamerismus" von damals mit dem
zeitgenössischen, so wird demgemäss eine Konstante des europäischen Geistes
sichtbar, auch in Rebellion und Weltflucht, in Welt-klage und Weltangst, in
Deformation, Konstruktion, in Expressionismus, Surrealismus und
Abstraktion.“ Obwohl nur wenige Forscher in ihrer Auffassung des Phänomens
des Manierismus so weit gehen wie Hocke, sehen doch die meisten unter ihnen
sowohl den geistesge-schichtlichen Aspekt als wesentlich an und nicht nur
den stilistischen wie auch die Beziehung des Manierismus (als erste wirklich
„Moderne Kunst“) zur Kunst der Romantik und den verschiedenen
Kunstrichtungen des 20. Jahrhunderts, insbesondere zum Surrealismus. Vor
allem die Arbeit von Jacques Bousquet, „Malerei des Manierismus“ (1963), ist
als eine zusammenfassende Analyse sowohl der stilistischen wie der
geistesgeschichtlichen Aspekte der manieristischcn Kunst hervorzuheben. Dass
gerade diese Kunstrichtung dem Phantastischen besonders aufgeschlossen ist,
braucht nicht weiter zu verwundern, ja es wäre nicht unbedingt verfehlt, das
Phantastische in der Kunst immer als einen Hinweis auf eine manieristische
Grundhaltung zu sehen. Die Vorliebe des manieristischen Künstlers für das
Ambivalente, für das Artifizielle und „Widernatürliche“ - sowohl im Formalen
wie im Inhaltlichen - führt ihn zwangsläufig in die Bereiche des
Phantastischen. Träume, rätselhafte Allegorien und Embleme, verschlüsselte
mythologische und biblische Darstellungen mit einer Betonung der erotischen
Aspekte des Themas, Untergangs-visionen und Okkultes sind vertraute Elemente
manieristischer Kunst, die Deformation, die Verrenkung, die Schlangenlinie,
die kalten Farben und die Experimente mit der Aufteilung des Raumes sind
ihre auffallendsten Stilmittel. |
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