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(* 21. n. 1898 Les-sines,
T 15.8.1967 Brüssel)
Als Magritte 1925 sein erstes surrealistisches Bild, Der verirrte Jockey,
malte, auf dem ein Reiter mit seinem Pferdchen von den riesigen,
Schachfiguren ähnlichen Bäumen einer Parkanlage, die zugleich Bühnendekor
ist, bedroht wird, waren schon eine Reihe von anderen, „abstrakten“
Versuchen vorangegangen. 1916 hatte Magritte seine Ausbildung an der
Academie in Brüssel angefangen, an der unter anderen der belgische Symbolist
Constant Montald einer seiner Professoren war, was nicht ohne Folgen blieb,
wenn man bedenkt, dass Magritte, ähnlich wie Delvaux, die Tradition des
Symbolismus in Belgien innerhalb des Surrealismus weitergeführt hat. Ein
frappierendes Beispiel dafür ist Das Reich der Lichter (1954), eines der
berühmtesten Bilder des Belgiers, das im Bildinhalt direkt an „Das blinde
Haus“ (1892) von Degouve de Nunques anknüpft. Während aber bei Degouve die
geheimnisvolle Stimmung aus dem Kontrast zwischen dem erleuchteten roten
Haus und der nächtlichen Parklandschaft hervorgeht, bringt Magritte das
typisch surrealistische Prinzip der Verbindung des an sich Unvereinbaren mit
ins Spiel; die nächtliche Stimmung des sich inmitten dunkler Bäume im Wasser
spiegelnden Hauses steht in direktem Widerspruch zu dem klaren, blauen
Tageshimmel, an dem weisse Wolken treiben. Zu diesem Bild heisst es bei
Magritte: „Die Landschaft beschwört die Nacht herauf, und der Himmel den
Tag. Diese Heraufbeschwörung der Nacht und des Tages besitzt die Macht, uns
zu überraschen und zu verzaubern. Ich nenne diese Macht: die Poesie.“ Und
diese Macht der Verzauberung ist es auch, welche das ganze Werk Magrittes
kennzeichnet. Seine phantastische Malerei behält immer den Charakter des
poetischen Spiels; die verdrängten Ängste, von denen die Bilder anderer
Surrealisten, wie Dali oder Ernst, so oft beherrscht zu sein scheinen,
fehlen in seinen Arbeiten. Vielleicht gelang es Magritte gerade dadurch, die
Ideen des Surrealismus am reinsten in die Malerei umzusetzen. Während wir
bei Dali oder Roy, zu dem es Verbindungen gibt, immer nach dem Schlüssel zur
Deutung suchen, wirken die Bilder Magrittes, trotz ihrer rätselhaften Titel,
wie Die Stufen des Sommers (1938) oder Elementare Kosmogonie (1949), trotz
ihrer auf Kontrastierung und Überlagerung einander fremder Bildinhalte
beruhenden Struktur nie wie ein Bilderrätsel. Die Magrittsche Welt der
poetischen Verzauberung bedarf der ausserbildnerischen Erklärungen nicht:
Sie bezieht ihre Wirkung aus sich selbst. Vielleicht ist auch dadurch die
Sonderstellung Magrittes innerhalb der surrealistischen Bewegung zu
verstehen. Obwohl ihn eine Freundschaft mit Breton und Eluard verband und er
an den meisten grossen Ausstellungen der Gruppe teilnahm, zerstritt er sich
wiederholt mit Andre Breton, der als eine Art Papst der Surrealisten keine
Abweichung von seiner Linie duldete. Sieben Jahre vor seinem Tode äusserte
sich Magritte in einem Brief an Achille Chavee mit den folgenden Worten zu
seinem Werk: „Es gibt keine "versteckte" Bedeutung in meinen Gemälden, trotz
der Verwirrung, die ihnen einen gewissen symbolistischen Sinn verleiht. Wie
kann man aber in der Interpretation eine Freude finden? |