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(eigentlich: Leherbauer,
Helmut; (* 14. 3. 1933 Wien)
Wenige Maler unserer Zeit dürften so umstritten sein wie der Wiener
Surrealist Leherb, den die einen für einen allerdings begabten Scharlatan,
die anderen für den einzigen wirklichen Vertreter eines heutigen
Surrealismus halten. Nur Dali, den Leherb bewundert, hat durch sein Werk und
sein Leben ähnliche Verwirrung hervorgerufen; aber gerade die Einheit, die
Werk und Leben beider Maler ausmacht und die sowohl altmeisterliche
Graphiken wie exhibitionistisch anmutende Aktionen einschliesst, gehorcht
dem surrealistischen Prinzip, das ein anarchisches ist.
Leherb, der als Sohn eines Gymnasialprofessors geboren wurde, studierte ab
1949 an der Akademie für Angewandte Kunst in Wien. Sein wenig regelkonformes
Verhalten brachte ihm Disziplinarverfahren ein, aber seine grosse Begabung
fand auch bei seinen Lehrern Anerkennung. Hier lernte er Lotte Profohs
kennen, die er 1955 heiratete. Seine Kunst ist ohne sie, sein ständiges
Modell, nur schwer vorstellbar. Nach einem Aufenthalt in Stockholm (1953)
macht er Reisen nach Paris und Florenz. Seine erste Ausstellung zusammen mit
Lotte findet 1955 in Wien statt. Er lernt F. Hundertwasser und H. C. Artmann
kennen und plant 1958 zusammen mit Hutter eine surrealistische Ausstellung
in Wien. Nach anfänglichen Schwierigkeiten findet 1959 die
Gründungsausstellung der Wiener Gruppe statt, von der er sich aber schon
bald wieder löst, da seine anti-bürgerlichen Vorstellungen von der Funktion
der Kunst ihn vor allem mit Hausner in Konflikt bringen. Von nun an arbeitet
er an seinem Zeitzerstörungsmanifest, das 1964 als eine Leherb-One-Man-Show
auf der Biennale in Venedig gezeigt werden soll. Das österreichische
Kultusministerium verweigert aber im letzten Augenblick seine Genehmigung,
und ein Riesenskandal macht Leherbs Namen noch bekannter. Seine
provo-kativen Aktionen und Manifeste tragen zu seinem Ruf genauso bei wie
seine Bilder, die das „Leherb-Blau“ zu einem Begriff machen. Ihre Wirkung
geht oft aus der Konfrontation tachistischer und realistischer Bildelemente
hervor. Manchmal bilden die Gemälde älterer Meister den Ausgangspunkt wie in
dem berühmten Dejeuner chez Leherb (1965-1967). Die Idee der
„Zeitzerstörung“, die Gustav Rene Hocke dazu veranlasste, von einer
„Faszination der reinen Dauer“ bei Leherb zu sprechen, hat der Künstler in
einem Gespräch näher erläutert: „Die unmittelbarste Gefahr für eine
"visuelle Intuition" ist die "genormte Zeit". Die Heimtücke und
Kleinlichkeit der Uhrzeigermetamorphose zielt auf die Vernichtung von
"Ideen". Ich, Leherb, in erster Linie auf "Intuitionsvisuelles" fixiert,
habe "Abwarten" immer als "Langeweile" empfunden. Ohne jedes System, aber
völlig konzentriert, beginne ich die Zeit zu zerstören. Dies erbringt eine
unwirkliche, ebenso subtile wie bittere Emotion - eine zweite Realität -,
die mir erlaubt, Dinge zu tun, die unverständlich wirken, bei näherer
Betrachtung aber ein meisterhaft und intensiv vorgetragener "Automatismus
visueller Intuitionen sind.“
Nach dem Biennale-Skandal verlässt Leherb Wien und lässt sich in Paris
nieder. Der anfängliche Kontakt zu Andre Breton und seinem Kreis bricht 1967
jäh ab, als Leherb in einer surrealistischen Aktion Breton mit Wein
überschüttet und diesen zur Raserei bringt, eine von Leherb gewünschte
Reaktion, welche die Verbürgerlichung des Surrealisten der ersten Stunde
deutlich machen soll. Die Versöhnung mit seiner Heimat führte zu einem
Auftrag des Fremdenverkehrsverbandes, für den Leherb vier Plakate entwarf,
die allerdings die Gefahr dokumentieren, der Leherb trotz seines grossen
Könnens ausgesetzt bleibt, auf das Niveau des Dekorativ-Gefälligen
herabzusinken. Seine überzeugendsten Leistungen vollbringt er sicherlich auf
dem Gebiet der Radierung, wie die Serie Die Fenster (1971) beweist.
Heutzutage ist der Rang Leherbs, trotz der eher geringen Zahl seiner Motive,
als einer der grossen Meister des Phantastischen unbestritten |