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(* 10. 4. 1877 Leitmeritz/Böhmen,
T 20. 8. 1959, Schloss Zwickledt/Wernstein)
Das Werk Alfred Kubins, das, wie Gerd Tolzien betont,
„entwicklungsgeschichtlich für die Malerei wenig oder gar nichts bedeutet,
ist... aus der modernen Kunst nicht fortzudenken.“ Darüber hinaus müsste
Kubin, der ' wie Callot oder Dore in erster Linie Graphiker und Zeichner
ist, als eine der zentralen Figuren der phantastischen Kunst in Deutschland,
neben den Malern Edgar Ende und Zimmermann, angesehen werden.
Kubin, der im Anschluss an seine vorzeitig abgebrochene Schulzeit zunächst
eine Photographenlehre bei seinem Onkel in Klagenfurt begann, fand erst über
Umwegen zur Kunst. 1896, nach der Lektüre Schopenhauers, versuchte sich der
psychisch labile Kubin am Grabe seiner Mutter das Leben zu nehmen. Ein paar
Monate danach meldete er sich zum Militär (Januar 1897), war aber wegen
seiner körperlichen Verfassung den Anstrengungen nicht gewachsen und musste
den Dienst quittieren. 1898 geht Kubin an die Kunstgewerbeschule nach
München zu Ludwig Schmitt-Reutte. Während dieser Zeit begann er, sich mit
dem graphischen Werk von Klinger, Rops, Munch und Redon auseinanderzusetzen,
obgleich, was graphische und zeichnerische Techniken anbetraf, seine
Vorstellungen schon ausgereift waren. Dies mag dazu geführt haben, dass er
sich in erster Linie für die Sujets jener Meister interessierte und weniger
für deren zeichnerischhandwerkliche Fähigkeiten. Die erste Ausstellung des
in „krankhaften Phantasien schwelgenden“ Kubin bei Paul Cassirer in Berlin
(1902) wirkte auf das Publikum wie ein Schock. Bis 1905 widmete sich Kubin,
dessen Bilder „immer von schonungsloser Abgründigkeit und vom Geruch des
Todes erfüllt“ sind, hauptsächlich der Darstellung der makabren Welt der
Leichenhäuser, der phantastischen Kreaturen, die halb Mensch halb Tier sind,
und der grotesken, an Insekten erinnernden Lebewesen. 1903 starb Emmy Bayer,
die Braut Kubins, unter tragischen Umständen; Depressionen und Gedanken an
Selbstmord stellten sich wieder ein. Ein Jahr darauf heiratet Kubin Hedwig
Gründer; diese Heirat war für Kubin eine Art Erlösung. Der vormals oft am
Rande des Untergangs dahinlebende Künstler fand plötzlich die Ruhe, die ihm
bis dahin gefehlt hatte. Nach der Rückkehr von einem kurzen Besuch bei Redon
in Paris (1906) kaufte sich Kubin den Freisitz Zwickledt und konzentrierte
sich nur noch auf sein eigenes zeichnerisches Werk.
In der Folgezeit entstehen unzählige Illustrationen zu Werken von Hans
Christian Andersen über Jean Paul, Edgar Allan Poe bis hin zu Franz Werfel
und Hermann Zahn. Weit über 250 Bücher hat Kubin illustriert, er wurde zu
einem der bekanntesten und bestbezahlten Illustratoren seiner Zeit,
wenngleich er, wie Paul Ferdinand Schmidt sagt, die Haaresträuben macht vor
den abgründigen Teufeleien der Seele und eswohl kaum ein Blatt von seiner
Hand gibt, das nicht in die Schatten unheilvoller Ahnung getaucht wäre, das
nicht die drohende Gebärde des Schicksals aufsteigen und den Betrachter bis
ins Mark frösteln liesse. |