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Surrealismus, phantastische Malerei
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Klinger, Max

(*18. 2. 1857 Leipzig, T 4. 7. 1920 Grossjena)
Wenn man de Chirico glauben darf, so war Klinger „der moderne Künstler schlechthin. Modern nicht in dem Sinne, den man heute dem Begriff gibt, sondern im Sinne eines gewissenhaften Mannes, der das Erbe an Kunst und Denken aus Jahrhunderten und aber Jahrhunderten achtet.“ An wohlmeinendem, bisweilen euphorischem Zuspruch hat es Klinger auf dem Höhepunkt seiner Künstler-Karriere selten gefehlt; gleichwohl musste er, wie sein Zeitgenosse Klimt, noch erleben, wie kurz vor dem Tode die allgemeine Bewunderung verstummte und das Werk in Vergessenheit geriet. Auch sein Bewunderer de Chirico und sein Vorbild Böcklin teilen oder teilten diese Erfahrung mit ihm.
Nach dem Besuch der Bürgerund Realschule in Leipzig (1863- 1873) beginnt Klinger mit dem Studium an der Kunstakademie in Karlsruhe bei Karl Gussow, der auch Ferdinand Hodler und Max Sievogt in seiner Klasse unterrichtet. Ein Jahr danach (1875) geht Klinger mit Gussow nach Berlin an die dortige Akademie, wo er sich besonders mit den Werken Adolf Menzels auseinandersetzt. 1876 beschliesst Klinger sein Studium. Zwei Jahre später entsteht das Werk Überfall an der Mauer. 1879 geht Klingcr nach Brüssel, um dort seine ' Studien bei Emile Charles Wauters fortzusetzen. In Brüssel entstehen ' die Radierten Skizzen (Opus I) und die Rettung Ovidischer Opfer . (Opus II), die Robert Schumann gewidmet sind; zur gleichen Zeit entstehen auch Federzeichnungen mit erotischen Sujets, die an Rops erinnern. In den folgenden Jahren wird sich Klinger hauptsächlich der Druckgraphik und der Federzeichnung widmen. Zu seinen bekanntesten Zeichnungen aus dieser Zeit ' zählen heute die Paraphrasen über den Fund eines Handschuhs (Opus „ VI; Abb. 47). Nach einigen kurzfristigen Aufenthalten in Karlsbad und Berlin und der vorübergehenden Übersiedlung nach Paris, wo er sich im Louvre eingehender mit Goya und Puvis de Chavannes beschäftigt, lässt er sich 1887 wieder in Berlin nieder, wo er an der 59. Ausstellung der Königlichen Akademie der Künste zu Berlin mit dem Urteil des Paris (1886/87) teilnimmt. 1888 geht Klinger für zwei Jahre nach Rom, bezieht dort ein Atelier in der Nähe des Co-losseums und konzentriert sich mehr auf die Bildhauerei. 1891 kommt Klinger für mehrere Monate nach München; zur gleichen Zeit erscheint in Leipzig die erste Auflage seiner kunsttheoretischen Schrift „Malerei und Zeichnung“. 1893 kehrt Klinger, inzwischen ein gefeierter Künstler, nach Berlin zurück und beginnt mit dem Bau eines Hauses und Ateliers auf dem väterlichen Grundstück. Im April des darauffolgenden Jahres unternimmt er eine Reise nach Wien, wo er mit Johannes Brahms zusammentrifft, dem er später einige Zeichnungen (Brahmspbantasie) widmen wird. Klinger, der inzwischen mit den berühmtesten Künstlern seiner Zeit im Kontakt steht, wird 1897 zum Professor an der Akademie der graphischen Künste zu Leipzig ernannt. In den folgenden Jahren führen ihn mehrere Reisen wieder nach Italien, wo er Marmor für seine Skulpturen kauft. Ausserdem trifft er in Paris mit Auguste Rodin zusammen, mit dem er noch einige Jahre Briefe wechseln wird. 1905 baut auf Vorschlag Klingers der Deutsche Künstlerbund ein Atelierhaus in Florenz. 1906, Klingers „Ordensjahr“, wird er mit Ehrungen, Doktorwürden geradezu überschüttet und zum Ritter des Ordens pour le merite geschlagen. Klingers Malerei, die immer einen Hang zum Theatralischen und zum Manieristischen hatte, muss den Nerv seiner Zeit genau getroffen haben, anders ist die Bewunderung für diesen „grössten Künstler aller Zeiten“, wie er genannt wurde, nicht zu erklären. „Mit 50 war Klinger ein nationaler Mythos“, schreibt Stella Wega Mathieu, „ein Künstler, der Idealismus und Monumentalität, der die wilhelminischen Wunschträume vom höheren Leben, einem der Schönheit, dem Geiste gewidmeten Dasein mit Pathos und theatralischer Pose visualisierte.“
Klinger machte die Radierung, die Graphik „salonfähig“, widmete sich den Problemen der farbigen Plastik, was im Berlin der 8oer Jahre einiges Aufsehen erregte, und schuf eine Reihe von Bildern, bei denen die Fragen nach dem Raum (Ambiente), dem Rahmen (Durchsicht) und dem Hintergrund (Basis, Fond) in die Konzeption des Kunstwerkes mit eingingen, wie es am Bild Christus im Olymp (1897), wo Malerei, Rahmenarchitektur und Skulptur eine Art Gesamtkunstwerk bilden, besonders deutlich wird.
Die phantastische Komponente bestimmt fast das gesamte graphische OEuvre, das, wie de Chirico bemerkt, in einer bizarren und phantastischen Art und Weise Themen der griechischen Mythologie aufarbeitet; und er sagt weiter: „. . . das Werk Klingers ist voller Phantasie und reich an bildnerischer Kraft. Es könnte auf den ersten Blick jenen, die metaphysisch nicht genau definieren, allerdings paradox und sinnlos erscheinen.“


 

 

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