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(* 14. 7. 1862
Baumgarten/Wien, T 6. 2. 1918 Wien)
Als einer der umstrittensten Künstler der Jahrhundertwende, dessen Malerei
man anlässlich einer Ausstellung der „Wiener Secession“ im Jahre 1903 noch
als „Phrasendrescherei der Moderne“ und als „gemalten Wahnsinn“ bezeichnete,
zählt Klimt heute zu den herausragenden Meistern des Jugendstils. Ohne Klimt
würde diesem zum Teil auch als Gegenströmung gegen den Historismus und
darüber hinaus als „Aufbruch in die Moderne“ definierten Kunststil ein
populärer Vertreter fehlen. Sieht man von Beardsley, Ferdinand Hodler und
Jan Toorop einmal ab, so ist Klimt zugleich auch der Maler und Zeichner, der
die formalen Möglichkeiten des Jugendstils am energischsten weiterentwickelt
hat.
Klimts Ausbildung an der Staatlichen Kunstgewerbeschule in Wien (1876-1883)
stand von Anfang an unter dem starken, damals ganz Wien faszinierenden
Einfluss Hans Makarts, was Farbenpracht und die Perspektivik der frühen
Bilder belegen. Zwei Jahre nach Eintritt in die Kunstgewerbeschule kam Klimt
zu Ferdinand Laufberger, der von allen Lehrern wohl den intensivsten
Einfluss auf ihn hatte. Laufberger verdankte der knapp 2ojährige Klimt auch
den ersten Auftrag für ein Deckengemälde im Palais des Baumeisters Sturany.
Zwei Jahre darauf begann Klimt ein weiteres Deckengemälde im Theater zu
Reichenbach gemeinsam mit dem Bruder Ernst Klimt und seinem Malerkollegen
Franz Matsch, mit denen er in einer Art Künstlerkollektiv arbeitete. Nach
einer Reihe von „dekorativen“ Wandbildern, unter anderem für das Theater von
Fiume (1883) und für das Stadttheater zu Karlsbad (1888) malte er für die
Treppenhäuser des| Wiener Burgtheaters; nach der Verleihung des Goldenen
Verdienst kreuzes für diese Arbeiten durch Kaiser Franz Joseph wurde Klimt
in den folgenden Jahren zu einem der gefragtesten Künstler Wiens.
Der Tod seines Bruders Ernst im Jahre 1894 setzte der gemeinsamen Arbeit ein
abruptes Ende; mehrere Jahre wird Klimt nicht in der Lage sein, den Stil
fortzuentwickeln. Erst nach der Gründung der „Wiener Secession“ (1897),
deren Präsident er bis 1905 ist, beginnt er wieder kontinuierlich zu
arbeiten.
Seinen letzten öffentlichen Auftrag für die Deckenbilder der Universität
Wien, für die er die drei „profanen Fakultäten“ malen sollte, kann er jedoch
nicht mehr vollenden. Klimts Malerei, die zuvor als Mode empfunden wurde,
stiess auf Widerspruch, „wobei weniger Klimts neuartige Auffassung von
Malerei als mehr diese exhibitionistische Allegorie der Fakultät durch
nackte, einander in Lust und Leid umschlingende Leiber als "obszöne Kunst"
und "gemalte Pornogra-phie" abgelehnt wurde“, schreibt 'Gerd Tolzien in
einem Artikel über ihn. Klimt war zu einem kontrovers diskutierten Maler
geworden.
In den folgenden Jahren beschäftigte Klimt sich vorwiegend mit den Problemen
von Ornament und Kontur, auf Kosten der Plastizität der Körper, wie man an
dem mit Gold und Silber unterlegten Temperabild Wasserschlangen I (1904)
erkennen kann; dort beherrschen die rhythmischen Schwingungen und die
Ornamentik die ganze Komposition. Alle Formen scheinen in dünnen Schichten
übereinander zuliegen und sich in einer phantastischen, mehrdimensionalen
Sphäre zu bewegen. In einem dem Thema nach verwandten, aber erst 1907
vollendeten Bild, Wasserschlangen II, ist die Plastizität des Frauenkörpers
leicht betont und das dekorative Element durch die Einbeziehung eines
Millefiori-Musters gesteigert. Die im Vordergrund dargestellte Gestalt hat
ihr Vorbild in einer 1902 in der Zeitschrift „Ver Sacrum“ abgebildeten
Allegorie des Lasters von Franz Stuck.
Dieser „prunkvolle oder reiche Stil“ weicht schliesslich einem sich mehr an
feinen Farbnuancen orientierenden Stil, beispielsweise Tod und Leben (1910).
Daneben tauchen die ersten einem Vexierbild ähnlichen Werke auf, wie der
Obstgarten (1910) oder Der Park (1910). Die dort vorgenommene Auflösung des
Sujets vor dem Bildhintergrund findet sich auch in einigen früheren Werken,
wie bei dem um 1905 entstandenen Gemälde Die Erwartung. Klimt starb, ein
Jahr nachdem man ihm die Professur verweigert, ihn aber dennoch zum
Ehrenmitglied der Wiener und Münchner Akademie ernannt hatte, in dem
Bewusstsein, dass seine Esoterik und seine künstlerischen Ideale dem durch
den Krieg vorbereiteten Schritt in ein antifeudalistisches Zeitalter bereits
entgegenstanden. |