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Surrealismus, phantastische Malerei
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Kircher, Athanasius

(* 2. 5. 1602 Geisa/Fulda, t 27.11.1680 Rom)
Als einer der berühmtesten Universalgelehrten des 17. Jahrhunderts, der zu Königen und Päpsten in freundschaftlicher Beziehung stand, ist er heute ein zu Unrecht Vergessener. Gleichwohl besass der Name dieses Physikers, Musikwissenschaftlers, Archäologen, Mathematikers, Philosophen und Zeichners im 18./19. Jahrhundert noch Gewicht: Isaac Newton hatte Kirchers physikalisches Standard-Werk der Optik zur Hand gehabt, und selbst Goethe hat in seiner Farbenlehre darauf zurückgegriffen und sich an den zeichnerischen Darstellungen physikalischer Probleme ergötzt und gesagt: „. . . die Naturwissenschaft kommt uns durch ihn fröhlicher entgegen als bei keinem seiner Vorgänger“, und sie böte, auch wegen der „Qualität“ der Abbildungen, eine gewisse „. . . Bequemlichkeit und Heiterkeit in der Mitteilung“.
Nach dem Besuch der Jesuitenschule in Fulda wurde Kircher Novize am Jesuitenkolleg zu Paderborn, wo er auch vermutlich Unterricht im Zeichnen erhielt. 1620 begann Kircher mit dem Studium der Physik und Philosophie, das er in Paderborn aufnahm und in Köln beendete. Von 1624 bis 1628 studierte er in Mainz Theologie, wo er mit Abschluss des Studiums zum Priester geweiht wurde. Ein Jahr darauf (1629) wurde er als Professor nach Würzburg berufen. 1632 schickte ihn sein Orden nach Frankreich, mit dem Auftrag, dort Mathematik, Philosophie und orientalische Sprachen zu lehren. 1633 erhielt Kircher einen Ruf Kaiser Ferdinands H. als Hofmathematiker nach Wien, dem er aber nicht folgen musste, da sich Papst Urban VIII. für einen Ruf nach Rom ausgesprochen hatte. Nach kurzer Lehrtätigkeit in Rom am Collegio Romano beurlaubte man den berühmten Gelehrten, so dass er sich in der Folgezeit ganz seinen Forschungen widmen konnte. Kircher entwickelte eine der ersten Rechenmaschinen, er erforschte die Akustik, druckte die erste Karte der wichtigsten Meeresströmungen, zeichnete eine der ersten Mondkarten, beschrieb die Laterna magica, führte Blutuntersuchungen durch, um den Pestbazillus zu entdecken, und beschäftigte sich ausführlich mit ethnologischen und antiken Funden. Um 1650 baute er die Antikensammlung des Collegio Romano so weit aus, dass man ihr, ihm zu Ehren, den Namen „Museum Kircherianum“ gab, dessen Bestände erst 1915 vom italienischen Staat übernommen und auf verschiedene Museen Roms verteilt wurden.
Kirchers bildnerisches Werk besteht ausschliesslich aus Zeichnungen bzw. Radierungen (Illustrationen) zu seinen wissenschaftlichen Arbeiten, wie man es in dieser Ausführlichkeit nur noch von Leonardo da Vinci kennt. Kirchcrs Architektur-Zeichnungen beeindruckten nicht nur Clerici, auch bei Hausner und bei Fuchs zeigen sich thematische Anlehnungen an Kirchers Werk. Eine der schönsten Zeichnungen Kirchers, das Horologium heliocausticum (Abb. 44) lässt sich als geradezu „wörtliches“ Zitat auf Meckscpers Gemälde „Monduhr“ aus dem Jahre 1964 wiederfinden. Aber auch Künstler wie Cornelis Decker, Gugel oder Mario Bettini verraten Kenntnis der Kircherschen Zeichnungen und Radierungen. Kirchers Werk mag allgemein vergessen sein, aber seine Wirkung auf einige der bekanntesten phantastischen Künstler der Gegenwart ist kaum zu übersehen.
Weitere Hauptwerke Typus Sympathi-cus, o. J.; Spionage-Ohr, o. J.; Metaphern-Maschine, o. J.
Publikationen Opera Omnia. Hrsg. v. Comm. Olaf Hein und Comm. Helmut Kastl. Wiesbaden/Rom 1972 ff. (auf 66 Bände angelegt).
 


 

 

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