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(* 14. 11. 1929 Hamburg)
Selten nur gleichen sich die positiv wertenden Urteile über einen Zeichner
so augenfällig, wie sie dies bei Janssen tun. Selbst aus den kritischsten
Stellungnahmen zum Werk dieses „genialischen“ Zeichners, Radierers,
Aquarellisten und Holzschneiders spricht Bewunderung und Erstaunen: Denn für
viele von ihnen hat das Zeichnen durch Janssen nicht nur eine Renaissance
erfahren, sondern, wie zum Teil schon durch Dürer, Rembrandt oder Picasso,
eine Gleichgewichtigkeit neben den anderen künstlerischen Techniken erlangt.
Die negativen Stimmen sind hauptsächlich in bezug auf seine vermutete,
jedoch nie von ihm selbst geäusserte politische Haltung zu hören. Die
Jugendzeit Janssens, der neben Dieter Asmus und Wunderlich mittlerweile zu
den bekanntesten Hamburger Künstlern zählt, stand unter dem Eindruck des
Zweiten Weltkrieges. In einer Selbstdarstellung aus dem Jahre 1965 gibt er
diese Zeit in einer grotesken Verkürzung wieder: 1939 Opas Tod, Oldenburg;
1940 Mutter kränkelnd, Oldenburg; 1941 Mutters Tod und Einzug in die Napola,
Haselünne; 1942 gelernt und gesprungen, Haselünne; 1943 Schiessen geübt und
Patronenhülsen gesammelt, Haselünne; 1944 Kartoffeln gerodet und Aquarelle
gemalt, Haselünne; 1945 Flucht zu Tätlichen nach Hamburg; 1946 Einzug in die
Kunstschule Hamburg. Janssen studierte an der damaligen Kunstschule in
Hamburg, bei Alfred Mahlau, bis 1951. Zu seinen Studienkollegen zählten
unter anderem auch Vico von Bülow (Loriot) und Peter Neugebauer, die sich
später 7,u international anerkannten Cartoonisten entwickelten. Alfred
Mahlau, „dieser grosse und stille Zeichner“, ist es aber, dem Janssen noch
rückblickend in seiner Lübecker Rede (1966) massgeblichen Anteil an seiner
Ausbildung, im handwerklichen wie menschlichen Bereich, zuschreibt.
Das Kriegsgeschehen und später das total zerstörte Hamburg haben Janssens
Schaffen nachhaltig beeinflusst. In all seinen Werken scheint es auch immer
darum zu gehen, dem Chaos eine Ordnung gegenüberzustellen. Sein OEuvre, das
sich deutlich in die drei Entwicklungsschritte Holzschnitt, Radierung,
Zeichnung einteilen liesse, illustriert insgesamt die Möglichkeiten des
Makabren einer „zerrissenen und von Auflösung bedrohten Welt“. Auch die seit
1969 entstandenen Landschaften, wie Lichter Wald (1970) oder Landschaft mit
Regenbogen (1972), und die zur gleichen Zeit entstandenen Stilleben, wie
Junge Rosinen (1971) oder Ausgebrannte Artischocke (1972), sind Bilder des
Verfalls und der Deformation.
Seit 1970 schiebt sich in Janssens Schaffen eine weitere Dimension in den
Vordergrund: die Auseinadersetzung mit den Künstlern vergangener Epochen. Am
Anfang dieser bedeutsamen Entwicklung stand der Holzschnitt von Hokusai „Das
Surimono mit einem Drachen“; parallel dazu formulierte er seine
Vorstellungen über das Verfertigen von Radierungen und publizierte beides
(1972) in einem Buch mit dem Titel: „Hokusai'sSpaziergang“. Darüber hinaus
kopierte er immer wieder die alten Meister von Bruegel bis Füssli; es wurde
inzwischen, wie Wieland Schmied ausführt, „das A und O seiner Arbeit, es
steht am Anfang und am Ende. Dazwischen hegt Janssens Reich: das
Artistische. Selbstbilder in allen Stadien . . ., Variationen und
Subversionen, Inszenierung und Meditation. Vorzeichnungen zu Vorzeichnungen,
Vorzeichnungen zu Zeichnungen, Zeichnungen zu Radierungen . . .,
nachträgliche Vor-Zeichnung und ihre Wiederholung,Nachzeichnungen des
Vorspiels.“ Diese Verschachtelungstechniken, Proportionsverzerrungen,
Grotesken und Bizarrerien sind typisch für Janssens stilistische
Möglichkeiten, die, wenn sie sich in einerZeichnung darstellen, ähnlich wie
bei Kubin, eine phantastische Welt mittels eines „Universum(s) von Linien“
offenbaren. |