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Surrealismus, phantastische Malerei
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Illustratoren, phantastische

Die oft vorhandene Beziehung zwischen Phantastischer Malerei und literarischer Vorlage, die ihr von Gegnern so häufig zum Vorwurf gemacht wurde, nimmt in den Illustrationen zu Werken der phantastischen Literatur ihre deutlichste Form an. Die Illustration hat in solchen Fällen häufig eine dienende Funktion: Sie soll die atmosphärische Dichte der literarischen Vorlage verstärken, das Phantastische greifbar machen und damit verharmlosen oder aber durch ihren „reisserischen“ Charakter den potentiellen Leser zum Kauf des Buches anregen. Diese Eigenschaften finden wir denn auch bei der überwältigenden Mehrzahl der manchmal mit grellen Farben ein-gefärbten Holzschnitte, welche die Schauerromane des 18. und 19. Jahrhunderts und ihre billigen Ausgaben, die sogenannten „penny dreadfuls“, begleiteten. Daneben wurde aber die phantastische Illustration ein bevorzugtes Genre romantischer und symbolistischer Maler, dem sich fast alle irgendwann einmal gewidmet haben. Aber es entwickelte sich im 19. Jahrhundert auch der Typus des Berufsillustrators, dessen Illustrationen, auch wenn sie natürlich immer vom Text ausgehen, einen so eigenständigen Charakter haben, dass sie auch als Kunstwerke für sich bestehen können. Oft überragte der Wert der Illustrationen sogar den literarischen, aber auf jeden Fall wirkten Literat und Illustrator gleichberechtigt neben-oder miteinander. In Frankreich waren es vor allem Grandville, Dord und Tony Johannot (1803-18)2), die das Genre der Buchillustrationen auf ein neues künstlerisches Niveau hoben, während sich in England Phiz (eigentlich: Hablot Knight Brown, 1815-1882), George Cruikshank (1792-1878), deren Dickens-Illustrationen weltberühmt wurden, und Sir John Tenniel (1820-1914) einen Namen machten. Tenniels Illustrationen zur Erstausgabe von Alices Adventures in Wonderland(1856 und zu „Trough the Looking Glass (1872), beide von 'Lewis Carroll, gehören in ihrer höchst präzisen und witzigen Vergegenständlichung einer Phantasie-weit zu den Höhepunkten der phantastischen Illustration im 19. Jahrhundert. Insbesondere in England wandten sich um die Jahrhundertwende, nachdem die Prä-raffaeliten (vgl. Einleitung) und auch Crane und Beardsley mit gutem Beispiel vorangegangen waren, unzählige Künstler der phantastischen Illustration zu. Die märchenhaften Welten von Edmund Dulac (1882-1953), Kay Nielsen (1886-1937) und Arthur Rackham (1867-1939) erfreuen sich in den letzten Jahren im Zeichen der Aufwertung des Symbolismus wieder einer grossen Beliebtheit. Weniger harmlos sind die Arbeiten von Harry Clarke (1890 - 1931), dessen E. A. Poe-Illustrationen (1919) hervorzuheben sind, und Sidney Sime (1867-1941). Beide Künstler entwickelten, wie auch der Deutsche Alastair (eigentlich: Hans Henning Voigt, 1889-1971), die Anregungen Beardsleys weiter. In ihrer Nähe ist gleichfalls der Niederländer Albert Pieter Hahn jr. (1894-19;)), der auch E. A. Poe illustrierte, anzusiedeln. Ein dritter wichtiger Poe-Illustrator war der Italiener Martini.
In eine ganz andere Richtung entwickelte sich Edward Ardizzone (geb. 1900), dessen manchmal nur aus wenigen Strichen bestehende Zeichnungen wie Stenogramme des Grauens wirken. Es besteht eine gewisse Ähnlichkeit zwischen seinem Werk und den Zeichnungen Kubins, dessen Werk vielen als Inbegriff phantastischer Illustration gilt. Der Amerikaner Frederick Maxfield Parrish (1870-1966) erreicht in seinen besten Arbeiten eine ebenso magische Qualität wie Andrew Wyeth oder die amerikanischen und kanadischen Photorealisten ( Magischer Realismus). Sein Werk wurde vorbildlich für die beiden bekanntesten Illustratoren des berühmten phantastischen Pulp-Magazins „Weird Tales“, Virgil Finlay (1912-1971) und Hannes Bok (1914-1964). Eine ähnliche Stellung wie „Weird Tales“ nahm die deutsche Zeitschrift „Der Orchideengarten“ ein, von der aber nur drei Jahrgänge erschienen (1919-1921). Sie sind eine Fundgrube spätsymbolistischer und frühexpressionistischer Illustrationskunst. Neben Kubin sollte vor allem Richard Teschner (1879-1948) in diesem Zusammenhang erwähnt werden. Ein anderer hervorragender Illustrator aus dieser Zeit war Hugo Steiner-Prag (1880-1945), dessen Arbeiten seit einigen Jahren wieder neu entdeckt werden (Illustrationen zu: E. T. A. Hoffmann, Elixiere des Teufels. 1907; Gustav Meyrink, Der Golem. 1916).
Roy Krenkel (geb. 1918) und Frank Frazetta (geb. 1928) gelten als die beiden bedeutendsten Illustratoren von Literatur aus dem Bereich der „heroic fantasy“, dessen berühmtester Autor Robert Ervin Howard war. Bei beiden ist die Nähe zum Comic-Strip unverkennbar, der die Verselbständigung des Bildes gegenüber dem Text im 20. Jahrhundert auf die Spitze treibt. Vor allem Philippe Druillet (geb. 1945) erschafft in seinen phantastisch-erotischen Comics völlig neue, faszinierende Bildwelten. Neue Beziehungen zwischen Text und Illustration stellt auch Caspar Walter Rauh (geb. 1912) in seinem Buch „Niemandsland“ (1948) her. Den niederländischen Malern des Magischen Realismus steht Eppo Doeve (eigentlich: Josef Ferdinand Doeve, geb. 1907), der auch als politischer Zeichner hervortrat, nahe. Zu den interessantesten Arbeiten auf dem Gebiet der phantastischen Illustration in Deutschland sind die Umschläge zu werten, die Hans Ulrich Osterwalder (geb. 1936) zusammen mit seiner Frau Ute für die „Bibliothek des Hauses Usher“, die zwischen 1969 und 1975 im Insel-Verlag erschien, gestaltete. Für die Parallel-Reihe im selben Verlag, die sich der Science-Fiction widmete, entwarf Helmut Wenske (geb. 1940) die Umschläge; seine Arbeiten wurden auch durch den Druck mehrerer Poster weiterverbreitet.


 

 

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