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(* 10. n. 1697 London, T
25. 10. 1764 London)
Das Phantastische nimmt im Werk Hogarths, gewiss eines der wichtigsten Maler
seiner Zeit, einen eher bescheidenen Platz ein. Aber wenn es auftritt, so
hat es jene „heimtückische“ Qualität, von der Roger Caillois in seinem Buch
„Au coeur de fantastique“ spricht.
Hogarth, Sohn eines wenig erfolgreichen Publizisten und Schulmeisters,
absolvierte eine Lehre beim Silberschmied Ellis Gamble und besuchte
zeitweilig die Kunstschule des gefeierten Historienmalers Sir James
Thornhill, dessen Bilder in der St. Pauls Cathedral einen unvergesslichen
Eindruck auf ihn machten. Ab 1720 arbeitet er als selbständiger
Kupferstecher. Es entstehen Illustrationen zu einigen Klassikern der
englischen Literatur und die ersten Stiche und Gemälde, welche dem jungen
Maler, der 1729 gegen den Willen des Vaters Jane, die Tochter des James
Thornhill, geheiratet hatte, schon bald Erfolg brachten. Insbesondere
mehrere „conversation pieces“, Genrebilder in der Art der niederländischen
Maler des 17. Jahrhunderts, legen Zeugnis von seinem grossen
kompositorischen Können ab: das Festhalten erregter Bewegungsabläufe, ohne
den Eindruck theatralischer Posenhaftigkeit und Erstarrung hervorzurufen,
bleibt ein Hauptanliegen Hogarths. Das wird vor allem deutlich in seinen
„dramatischen Bild-Serien“; in ihnen erzählt der Maler in einer Reihe von
Episoden eine Geschichte, deren moralisch-satirische Absichten allerdings
nie über die ästhetischen den Sieg davontragen. Die Ölbilder dieser Serien
bildeten dann die Vorlage für die Kupferstiche, die Hogarths Namen auch bald
schon auf dem Kontinent berühmt machten. Vor allem Das Leben eines Wüstlings
(1733) und Marriage a la Mode (1742-1744) wurden grosse Publikumserfolge.
Das letzte Bild aus dem Leben eines Wüstlings, Das Irrenhaus, lässt eine Art
des Phantastischen erkennen, die für den Realisten Hogarth typisch ist: Die
Wirklichkeit erfährt hier in der schonungslosen Darstellung des Malers einen
solchen beklemmenden Akzent, dass die Szene der Vision einer ausweglosen
Hölle gleichkommt.
In späteren, politischen Karikaturen tritt eine zweite Möglichkeit des
Phantastischen in Erscheinung: die Satire, die sich allegorischer Mittel
bedient. Das Phantastische erfüllt hier zwar einen genau formulierbaren,
realen Zweck, aber der abstruse Bildcharakter verselbständigt sich und löst
sich von seinem ursprünglichen Sinn. - Im Jahre 1739 erbte Hogarth die
Kunstschule seines Schwiegervaters, mit dem er sich schon längst wieder
versöhnt hatte. Mehrere Versuche, sich auf dem Gebiet der Historienmalerei
zu bewähren, schlugen fehl, während eine Reise nach Frankreich (1748)
Hogarths geringe Meinung allen Ausländern und der ausländischen Malerei
gegenüber bestätigte. Seine 1753 erschienene Abhandlung „The Analysis of
Beauty“ versucht auf empirische Weise, das Wesen der Schönheit zu ergründen.
Hogarth glaubt es in der Schlangenlinie zu erkennen. Der vor allem auf dem
Kontinent sehr erfolgreichen Schrift sind einige Stiche beigegeben, die die
theoretische Abhandlung verdeutlichen sollen; zugleich weisen sie, in der
rätselhaften Konfrontation der verschiedensten Bildelemente, schon auf die
Collagen eines Ernst. In den letzten Jahren seines Lebens engagierte sich
Hogarth politisch immer stärker und, als er 1762/63 mit einigen Stichen den
Hass der regierungsfeindlichen Publizisten John („Teufel“) Wilkes und
Charles Churchills auf sich zog, wurde eine bösartige Kampagne gegen ihn
entfesselt, die den kränklichen Maler aufs Tiefste verletzte. In seinem
letzten grossen Stich Schlussstück (1764) wird der Weltuntergang symbolisch
dargestellt, aber „die Welt, die hier zusammenbricht, war“, nach Peter
Quennell, „das Universum seiner eignen Hoffnungen und Pläne
Weitere Hauptwerke Die Tageszeiten, 1738; Satan, Sünde und Tod, 1735-1740;
Oh, das Rindfleisch aus dem Alten England, 1748.
Publikationen The Analysis of Beauty. London 1753. |