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(* 13. 9. 1916 Worms)
Als 1965 Aschenbrödel oder der verlorene Schuh erschien, Gugels höchst
eigenwillige, von 29 in Faksimile gedruckten Federzeichnungen begleitete
Umdeutung des alten Märchens, konnte es einem grösseren Publikum zum
erstenmal deutlich werden, dass hier ein Maler, abseits von allen gängigen
Moderichtungen und ohne in einen billigen Eklektizismus zu verfallen, eine
neue, phantastische Bildwelt geschaffen hatte, die sich zwar vergangener
Traditionen bewusst war, sie aber um eine sehr persönliche Variante
bereicherte. Die Rezeptionsgeschichte der Werke Gugels lässt erneut die
Schwierigkeiten erkennen, denen sich die Künstler des Phantastischen so
häufig gegenübersehen.
Nachdem er als junger Mann kurz die Knirr-Schule in München besucht hatte,
die ihn alsbald eine Abneigung gegen den für die Phantasie eher tödlichen
Lehrbetrieb an Kunstakademien entwickeln liess, zog er 1929 nach Rom und
blieb dort bis 1932. In dieser Zeit besuchte er in unregelmässigen Abständen
den Aktzeichenkurs der Akademie und kopierte nebenher Michelangelo und
Kubin, zwei Maler, deren Bedeutung für seine künstlerische Weiterentwicklung
nicht unerheblich ist. Intensive Kontakte mit den Vertretern des
vatikanischen Klerus liessen in ihm zeitweilig den Wunsch entstehen, in ein
Kloster einzutreten, aber ein Versuch in dieser Richtung schlug fehl, und
Gugel siedelte nach Paris über. Dort entsteht eine Reihe mythologischer
Bilder, die schon das Interesse des Malers an den archetypischcn Strukturen
der Mythen und Märchen erkennen lassen, das für sein späteres Werk so
bezeichnend ist. Als ein Freund ihm Max Doerners „Malmaterial und seine
Verwendung im Bilde“ gab, entschloss er sich sofort, nach München zu fahren,
um dort an Doerners Malunterricht teilzunehmen (1936). Einer geplanten
Rückkehr nach Paris folgte direkt vor Kriegsbeginn eine zweite Reise nach
München, die böse Folgen haben sollte: Im Zuge der Mobilmachung wurde Gugel
sofort zum Kriegsdienst eingezogen.
Eine Publikation von zehn seiner Aschenbrödel-Zeichnungen im elften Heft der
Zeitschrift „Prisma“ (1947) machte auf den jungen Künstler aufmerksam, und
als er 1948, nachdem er wieder nach Rom zurückgekehrt war, Clerici kennen
lernte, fand er in ihm einen verständnisvollen Kollegen, der sein Werk
förderte und ihn mit anderen Künstlern, die ähnliche Ziele wie er selbst
vertraten, bekannt machte: Stanislao Lepri, Fini und später auch Fuchs
gehörten zu seinen Freunden. Der Manierismus-Forscher, Gustav René Hocke,
machte in seiner Studie „Die Welt als Labyrinth“ (Hamburg 1957) auf Gugel
aufmerksam und sah in ihm einen typischen Vertreter manieristischer
Tendenzen in der modernen Kunst. Die Verbindung uralter Symbole mit den
graueneinflössenden Gerätschaften einer neuen technischen Zeit ist ein
höchst wirksames Mittel dieser zwar immer eleganten, aber niemals
unverbindlichen Bilder, die manchmal eine ähnlich heilsame Befremdung
auslösen können wie die Collagen Ernsts. Wie bei seinen Freunden Clerici und
Fini ist auch bei Gugel eine Leidenschaft für das Theater ein prägender
Faktor. Als Bühnenbildner arbeitete er an den verschiedensten Theatern und
im Film mit. Zu seinem Werk sagt er: „Es war immer nur mein Wunsch gewesen,
meine Phantasien, Visionen und Träume möglichst deutlich, präzise (und unter
Weglassen malerischen oder phantastischen Gerumpels - das man heute vielfach
als phantastische Malerei versteht) und klar darzustellen, wobei ich immer
bestrebt dahingehend war, dass Pinsel oder Zeichenfeder für mich keine
andere Funktion haben sollten, als es die der Füllfeder oder Schreibmaschine
für einen Schriftsteller ist - also die weitestgehende Vermeidung, die
Technik der Darstellung als künstlerisches Element mit dem Bildinhalt zu
vermischen.“ Die exakten Traumprotokolle Gugels gehören zu den aufregendsten
Erfahrungen, welche die Phantastische Kunst der Moderne zu bieten hat.
Weitere Hauptwerke Martyrium, 1946; Die alte Gräfin, o. J.; Danae, o. J.;
Vogel-Phantasie, o. J.; Wandmalereien in der „Casa Cicogna“, Venedig, 1953.
Publikationen Aschenbrödel oder Der verlorene Schuh. München 1965; Triumphe.
München 1970. |