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(* um 1475 Würzburg, T um
1528 Halle a. d. Saale)
Das Leben Mathis Gotharts mit dem Beinamen Neithart oder Nithart, der
Joachim von Sandrart den Phantasienamen „Grünewald“ zu verdanken hat, ist
urkundlich erst durch einen Hauskauf in Seligenstadt im Jahre 1501 belegt.
Neuere Forschungen formulieren jedoch einige Zweifel an jenem „Meister
Mathis von Seligenstadt“, der nur ein Bildschnitzer gleichen Namens gewesen
sein soll, und deuten darauf hin, dass alle gültigen Urkunden seine Herkunft
aus Aschaffenburg belegen. Das erste gesicherte Werk Grünewalds, Die
Verspottung Christi aus dem Jahre 1503, dürfte in diesem Zusammenhang von
besonderer Bedeutung sein.
Grünewald, ein Zeitgenosse Lucas Cranachs und Dürers, wurde 1509 Hofmaler
des Erzbischofs Ulrich von Gemmingen m Aschaffenburg. Noch im selben Jahr
übernahm er den Auftrag, die vier Standflügel des „Heller Altars“ von Dürer
in Grisaille zu malen. Kurz darauf muss Grünewald den Auftrag für den
Isenheimer Altar angenommen haben (um 1511),der, bevor er in das Museum
Unter-linden kam, im Antoniter-Kloster zu Isenheim bei Colmar stand. Die
Arbeiten an diesem Altar müssen gegen Ende 1515 beendet gewesen sein, denn
ab 1516 stand Grünewald bereits im Hofdienst des Kardinals Albrecht von
Brandenburg, der ihm nicht nur ein „fürstliches Gehalt“ gab, sondern ihm
seine Bilder gesondert bezahlte. Das während dieser Zeit entstandene
Hochaltarbild Die Heiligen Erasmus und Mauritius zeigt vermutlich den
Kardinal als Erasmus im bischöflichen Ornat.
Mitte 1520 musste Grünewald, der sich zur Reformation bekannte, den Hof des
Kardinals in Mainz verlassen und Unterschlupf in Frankfurt suchen; im selben
Jahr noch zog er weiter nach Halle und betätigte sich dort als
„Wasserkunstmacher“, worunter man den Bau von Hammerwerken und Mühlenanlagen
an Flüssen ver- ' stand. Als Grünewald 1528 verstarb, war er restlos verarmt
und hatte nur noch wenige Bildwerke geschaffen.
Innerhalb des relativ kleinen OEuvres nimmt der Isenheimer Altar eine
absolute Sonderstellung ein, die er auch vor dem Hintergrund der etwas
früher geschaffenen Altarbilder von Martin Schongauer bis Dürer behält. Es
scheint fast so, als habe Grünewald seine ganze künstlerische Kraft auf
dieses eine überwältigende Werk konzentriert. Grünewald war, wie Franz
Winzinger anmerkt, „der grosse Maler unter den Deutschen, ein Kolorist, der
in der Glut und Sinnlichkeit der Farben niemals auch nur annähernd von einem
anderen deutschen Künstler erreicht wurde“. Auf der 2. Wandlung des
Isenheimer Altars, dessen beide Flügel in dieser Stellung das be- achtliche
Mass von 265 x 280 cm haben, ist links Der heilige Antonius beim heiligen
Paulus und rechts Die Versuchung des heiligen Antonius abgebildet. Unter
allen bis heute geschaffenen Bearbeitungen des Versuchungs- Themas, eines
wichtigen Themas der Phantastischen Malerei von Manuel über Salvator Rosa
bis Dali, dürfte das Grünewaldsche Altar- bild, neben dem Triptychon von
Bosch, das am ehesten wegweisende sein. Es zeigt, unter der Einbeziehung des
Themas der „Höllenvisionen“, eine in seinem metaphysischen Anspruch neue
Dimension der Bearbeitung biblischer Themen, die der Rcflexionsebene des
Menschen, auf dem Weg vom Mittelalter zur Reformationszeit, entsprochen
haben mag. Fast alle nachfolgenden, sich mit diesem Thema
auseinandersetzenden Künstler orientierten sich an diesem Werk, sie
erreichten aber nur selten seine nahezu greifbare „vitale“ Phantastik.
Weitere Hauptwerke Die Verspottung Christi, 1503; Kreu/igung Christi, 1515;
Das Schneewunder, 1517-1519. |