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Groteske |
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Der von dem italienischen Wort „grottesca“ abgeleitete Begriff ist die Bezeichnung für eine bestimmte Art figurativer Ornamentik, so wie man sie bei Ausgrabungen am Ende des 15. Jahrhunderts in Rom und anderen Stellen in Italien vorfand. In diesen antiken Ornamenten, die in Rom wohl in den ersten Jahrzehnten nach der Geburt Christi Mode wurden und auf ältere Beispiele zurückgehen und welche man aufgrund ihrer Fundorte „Grottenmalerei“ nannte, vermischen sich menschliche, tierische und pflanzliche Formen zu bizarren, aber immer eleganten Kombinationen. Sie dienten schon bald den Malern der Hochrenaissance als Anregung für eigene Schöpfungen, und als erstes berühmtes Beispiel gelten die Grotesken, die Raffael (1483-1520) 1515 für die päpstlichen Loggien malte. Ihr Charakter ist aber noch eher harmlos. Dass diese auf der Vermischung des nicht Zusammengehörigen beruhende formale Spielerei dem Manierismus besonders gefallen musste, ist erklärlich, zumal ja auch die Malerei des Arcimboldi und seiner Nachfolger auf dieses Prinzip zurückgeht. So wie man Arcimboldis Bilder als Capricci bezeichnete, so könnte man zu ihrer Charakterisierung auch durchaus den Begriff der Groteske, jetzt allerdings aus dem Bereich der Ornamentik herausgenommen, anwenden. Damit wäre angedeutet, dass das Adjektiv „grotesk“ bereits im Laufe des 16. Jahrhunderts eine Bedeutungserweiterung erhält, die das Groteske zu einer Spielart des Phantastischen, ja zeitweilig sogar zu seinem Äquivalent werden lässt. In Wolfgang Kaysers Abhandlung heisst es dazu: „In dem Wort grottesco als Bezeichnung für eine bestimmte, von der Antike angeregte Ornamentik lag für die Renaissance nicht nur etwas Spielerisch-Heiteres, Unbeschwert-Phantastisches, sondern zugleich etwas Beklemmendes, Unheimliches angesichts einer Welt, in der die Ordnungen unserer Wirklichkeit aufgehoben waren.“ Die Form der Groteske verbreitete sich von Italien aus rasch nach Frankreich (Fontainebleau) und den nördlichen Ländern, und ihr Erfolg in Deutschland war gross und anhaltend. Einer der interessantesten Belege dafür ist das Neuw Grottessken Buch (1610) von Christoph Jamnitzer (1563-1618), der, auf die manieristische Weiterentwicklung der Rollwerk-groteske in den Niederlanden bei Cornelis Bös (um 1506-1556) und Comelis Floris (1514-1575;) zurückgreifend, deren Plastizität noch erhöhte. Diese Art von Grotesken werden als „Knorpelgroteske“ bezeichnet. In seinem Buch führt Jamnitzer eine sehr grosse Zahl solcher Grotesken vor, die insbesondere den beklemmenden Charakter des Genres verdeutlichen, das hier offensichtlich Anregungen eines Bosch und seiner Nachfolger verarbeitet. Die üppig wuchernde Ornamentik weist aber zugleich auch auf die sich anbahnende Überwindung der manieristischen Sicht hin, die in der lebensbejahenden Haltung des Hochbarock münden wird. Jamnitzer ist zugleich Höhepunkt und Endpunkt der Entwicklung. Der von nun an auch frei von seiner ursprünglichen ornamentalen Bedeutung benutzte Begriff „grotesk“ wurde im 17. und 18. Jahrhundert nicht nur auf die Maler des Manierismus und auf die Mittelalterliche Kunst, sondern mit Vorliebe auch auf das Genre der sogenannten „bambocciaden“ angewandt. Dies sind Darstellungen von Zwergen oder ähnlichen, buckligen, verkrüppelten (ital. bamboccio) Wesen, die bei allerlei Handlungen und Verrichtungen gezeigt werden. Diese seltsamen Genrebilder wurden durch das Werk des Faustino Bocchi (1659 bis 1741) relativ bekannt und erfreuten sich grosser Beliebtheit. Die höchst bizarre Wirkung dieser Bilder geht auf den Kontrast zwischen dem Alltäglichen der dargestellten Handlungen und dem phantastischen Charakter der Handelnden hervor, während riesig wirkende Tiere die Zerstörung der gewohnten Dimension noch vorantreiben. Die Bilder Bocchis und seiner Imitatoren, wie Enrico Albrici (1714-1775), verdeutlichen die Erweiterung, die dem Begriff des Grotesken widerfahren ist: Er deutet einen wesentlichen Aspekt des Phantastischen an. |
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