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Surrealismus, phantastische Malerei
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Grandville

(eigentlich: Jean Ignace Isidore Gérard; *15. 9. 1803 Nancy, T 17. 3. 1847 Paris)
Dass die Karikatur eine Möglichkeit des Phantastischen m sich trägt, wenn die Abbildung sich gegenüber ihrem ursprünglichen Zweck verselbständigt, kann man bei Grandville noch viel deutlicher feststellen als vergleichsweise bei Hogarth oder Daumier. Im Gegensatz zu diesen beiden Malern hat Grandville sich fast ausschliesslich auf die Karikatur und die Buchillustration konzentriert. Er war der Sohn eines Miniaturmalers aus Nancy, der ihm die ersten handwerklichen Fertigkeiten beibrachte. Später ging er nach Paris, studierte dort bei dem Maler Lecomte und erhielt ab 1826 eine Ausbildung als Lithograph. Das neue Medium der Lithographie gewann rasch an Popularität und erlaubte dem Künstler nicht nur eine hohe Produktion, sondern sorgte auch für eine grosse Verbreitung seines Werks. Grandville dürfte neben dem Buchillustrator Tony Johannot ( Illustratoren phantastische) der erfolgreichste Lithograph seiner Zeit gewesen sein. Wie Daumier arbeitete er als politischer Karikaturist an den satirischen Zeitschriften „La Caricature“ und „Charivari“ mit, aber die Zensurgesetze aus dem Jahre 1835 machten eine weitere Tätigkeit in dieser Richtung unmöglich. Schon 1829 hatte Grandville seinen ersten Bilderroman Die Metamorphosen des Tages publiziert, dem mehrere Werke ähnlicher Art folgten, in denen das Verhältnis Text/Bild sich immer mehr zugunsten der Eigenständigkeit des Bildes änderte. Die 1842 erschienenen Holzschnitt-Serien Szenen ans dem Staats- und Familien/eben der Tiere - die Texte stammten unter anderem von Balzac und Alfred de Musset - und Eine andere Welt (1844) werden im allgemeinen als die Hauptwerke des grossen Graphikers betrachtet. Die letzten Jahre waren von Krisen überschattet, und er starb schliesslich in geistiger Umnachtung.
Man hat die kalte, wenig subtile Technik der Graphiken Grandvilles schon zu seiner eigenen Zeit bemängelt, weil sie den vielfältigen Möglichkeiten der Lithographie und des Holzschnittes nur ungenügend Rechnung trügen. Damit wird aber verkannt, dass die besondere Wirkung dieser Blätter nicht zuletzt auf ihrer Kargheit, die ein hohes Mass an Konzentration voraussetzt, beruht. Grandvilles besonderes Sujet sind die „Tiermenschen“, Tiere, die menschliche Verhaltensweisen an den Tag legen und damit ähnliche Funktion erfüllen wie in den Fabeln Jean de La Fontaines, die er illustrierte. Aber der satirische Zug verschwindet allmählich, was sicher nicht nur auf die Zensurgesetze zurückzuführen ist. In dem Zyklus Eine andere Welt und den beiden letzten Blättern Grandvilles, Zwei Träume (1847), hat das Prinzip der Verwandlung sich nicht nur der Menschen und Tiere, sondem auch der Gegenstände bemächtigt. Der harmlos absurde Ton hat sich verändert: Eine heimliche Bedrohung geht von dieser Welt aus, ein Schwindelgefühl erfasst den Betrachter im Anblick dieser durch nichts mehr aufzuhaltenden Metamorphosen, dieser befremdlichen Konfrontationen, die schon auf den Surrealismus, insbesondere auf die Collagen Ernsts vorausweisen. „Durch seine Darstellungstechnik, welche aus dem realen Ding die ganze Quantität an Befremdlichem und Erstaunlichem, die es enthält, mittels geschickter Verwandlung zutage fördert, durch seine Art, die poetische Substanz des Traumes auszubeuten, ist Grandville gerade in seiner Unmenschlichkeit wie E. A. Poe einer der unbestrittenen Meister der "kalterzeugten Phantastik", und die von ihm gezeigten Wege weiten sich heute zu breiten Bahnen.“ (Brion)


 

 

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