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Surrealismus, phantastische Malerei
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Gnoli, Domenico

(* 3. 5. 1933 Rom, T 17. 4. 1970 New York)
Auf einer lavierten Federzeichnung aus dem Jahr 1967 (eine der Illustrationen zu „What is a monster?“ von Robert Graves) ist eine sich allmählich mit Wasser füllende Badewanne dargestellt. Auf dem Boden der Wanne, unter dem Wasser, befindet sich ein Fisch, wohl eine Scholle, mit einem menschlichen Gesicht auf seinem Rücken, das den Betrachter fragend ansieht. Die Badewanne ist auch, in etwas kargerer Form, das zentrale Objekt auf dem bereits im Jahre 1966 entstandenen Bild Badewanne: Die Leere auf diesem Bild regt die Phantasie des Betrachters an, er füllt sie mit den Projektionen seiner eigenen Angst oder Begierde. Die Badewanne ist das unheimlichere Bild von den beiden genannten Werken, und es ist zugleich ein gutes Beispiel für eine völlig neue Art der Phantastik, die unserer Zeit des Konsums, unserer Waren-Gesellschaft besonders gerecht wird. Gnoli, der, noch sehr jung, an Krebs starb, stammte aus einer adligen römischen Familie. Seine Mutter, die Contessa Anna Maria, die sich auch nach seinem Tode sehr für die Verbreitung seines Werkes einsetzte, förderte die künstlerische Begabung Domenicos, der nach einem kurzen Intermezzo an der Accademia di Belle Arte, deren Unterrichtsstil ihm nicht zusagte, Privatunterricht von Prof. Carlo Petrucci erhielt (1946-1949). In dessen Atelier lernte er Giorgio Morandi und Oskar Kokoschka kennen. Im Jahre 1950 bekam er vom Besaggios Teatro di Venezia den Auftrag, Bühnenbilder für eine Komödie Goldonis zu entwerfen. Auch als Schauspieler arbeitete er an der Aufführung mit. Weitere Aufträge für Bühnenbilder erhielt er aus Zürich und London. Nach seinem ersten New York-Aufenthalt (1955) liess er sich ab 1956 für einige Zeit in London nieder und kehrte 1958 nach New York zurück. Dort arbeitete er als Illustrator für mehrere Zeitschriften (Life, Fortune, Horizon, Playboy) und als Buchillustrator. Für seine Arbeiten auf diesem Gebiet erhielt er 1966 sogar von der Society of Illustrators in New York die Goldmedaille für die besten Illustrationen des Jahres. Seit dem Anfang der 6oer Jahre beschäftigte er sich immer intensiver mit der Malerei, und mehrere Ausstellungen bestätigten seine ausserordentliche Begabung auch auf diesem Gebiet. Ausschnitte von alltäglichen Gegenständen erhalten auf diesen in öl und Sand gemalten Bildern eine neue, magische Identität. Eine gewisse Verwandtschaft mit Magritte und vor allem mit Klapheck wird sichtbar, aber Gnolis Bildwelt ist rigoroser. Bei kaum einem anderen Maler der Gegenwart lässt sich so genau die Stelle zeigen, an der eine extrem realistische Malerei in eine phantastische umschlägt. Gnolis Malerei braucht die traditionellen Monstren nicht mehr. Die uns umgebenden Dinge, die in seinen Grossaufnahmen der Wirklichkeit ihrer alltäglichen Funktion beraubt werden und in neue Dimensionen eintreten, genügen ihm als Bildinhalte. Über seine Malerei sagte er: „Ich möchte nichts hinzufügen oder wegnehmen. Ich strebe keine Deformationen an. Ich wähle aus und stelle dar. Da ich mich nie aktiv am Objekt beteilige, beweise ich seine magische Präsenz.“


 

 

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