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Surrealismus, phantastische Malerei
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Füssli, Johann Heinrich

(* 6. 2. 1741 Zürich, T 16. 4. 1825 London)
Der von den meisten Kunsthistorikern als Historienmaler deklarierte Füssli zählt zu den bedeutendsten Malern der Phantastischen Kunst an der Schwelle vom 18. zum 19. Jahrhundert. Seine ohne den Lektüre-Hintergrund von Homer, Dante, Shakespeare und Milton kaum verstehbaren Gemälde und Zeichnungen sind das gewaltige Zeugnis einer „epischen Malerei“, die, nach Auflassung Füsslis, ihren grossen Wegbereiter in Michelangelo gefunden hatte. Füssli, der einsame Künstler ohne Vorläufer und, ausser Blake, ohne bedeutsamen Nachfolger, ist eines der wenigen nennenswerten Beispiele der Kunstgeschichte, wo Malerei und Literatur eine überzeugende Synthese eingegangen sind. Obgleich Füssli schon im Alter von zehn Jahren mehrere vielversprechende Zeichnungen und Kopien nach Tobias Stimmer und Gotthart Ringgli anfertigte, bestimmte ihn der Vater Johann Caspar Füssli, der selber Maler und darüber hinaus Kunstgelehrter war, für die geistliche Laufbahn. Noch während des theologischen Studiums machte Füssli die Bekanntschaft mit Johann Jakob Bodmer und später mit Pestalozzi und Johann Kaspar Lavatcr. 1761 hält Füssli nach seiner Ordination die ersten Predigten, die, wegen der darin geübten Bibelkritik, einiges Aufsehen erregen; Füssli hatte von Anfang an eine deutliche Abneigung gegen sein geistliches Amt. Ein Jahr darauf zieht er die Konsequenzen und begibt sich, gemeinsam mit Lavater und Felix Hess, auf eine Informationsreise durch verschiedene deutsche Städte (1763), die ihn auch nach Berlin zum dort lehrenden Kunsttheoretiker Johann Georg Sulzer führt; Sulzer bietet Füssli die Mitarbeit an seiner „Allgemeinen Theorie der schönen Künste“ an. 1764 drängt es den polyglotten Füssli nach London, wo er die Veröffentlichung seiner englischen Übersetzung von Winckelmanns „Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke m Malerei und Bildhauerkunst“ betreibt. Ein Jahr darauf trifft er in Paris David Hume und Jean Jacques Rousseau, dessen Ideen über die staatsgefährdende und sittenverderbende Wirkung der Kunst er übernimmt. 1768 begegnet ihm Sir Joshua Reynolds, der ihn, nachdem er Füsslis Illustrationen zu Szenen aus Shakespeare-Stücken gesehen hatte, bestärkt, Maler zu werden. Füssli reagiert schnell, er hatte wohl insgeheim auf einen so deutlichen Ansporn von aussen gewartet. Schon 1770 reist er nach Italien und besucht dort Florenz, Venedig und Rom, wo er seine Studien beginnt. Nach anfänglicher, von Winckelmann beeinflusster Ablehnung Michelangelos findet Füssli in der Sixtinischen Kapelle das neben der Antike bestimmende Vorbild für seine Figurenbildung. Während eines Erholungsurlaubs (1772) in Venedig freundet er sich mit Nicolai Abraham Abildgaard und Johann Tobias Sergel an. Ein Jahr später gehört Füssli bereits zu den berühmtesten Malern in Rom. 1778 schliesst er seine Studien ab und begibt sich nach Zürich, um das Bild Die drei Eidgenossen beim Schwur auf dem Rütli zu malen. In Zürich verliebt er sich leidenschaftlich in Anna Landolt; ihr Vater will ihr jedoch die Erlaubnis zur Heirat nicht geben, was Füssli dazu bewogen haben mag, endgültig nach England zu gehen. Ein Jahr vor seiner Eheschliessung in London, mit Sophia Rawlins, freundet er sich mit Blake an. Nach dem Besuch der „Shakespeare Gallery“ beschliesst Füssli eine Milton Gallery zu malen, an der er insgesamt über acht Jahre arbeitet. Neben diesen das Miltonsche „Paradise Lost“ aufarbeitenden Gemälden entstehen die grossformatigen Werke zu Ben Jonsons Matthew klagt Bobadill, dass er nicht einmal mehr zwei Schillinge habe (1791) und zu Shakespeares Titanias Erwachen (1785-1790) und das 1794 beendete Titania liebkost Zettel mit dem Eselskopf, das neben Der Nachtmahr (1802) mit zu seinen bekanntesten Gemälden zählt.
Füssli, der 1790 zunächst Mitglied der Royal Academy wurde, bekam dort 1799 eine Professur für Malerei, die er bis zu seinem Tode innehatte. Während dieser Zeit hielt er mehrere kunsttheoretische Vorlesungen, die seine überwiegend an der Klassik orientierte Haltung dokumentierten und die 1820, in erweiterter Form, unter dem Titel „Lectures on Painting“ publiziert wurden. Zu Füsslis Schülern zählte, neben Benjamin West, auch John Flaxman, der später als virtuoser Illustrator bekannt wurde.
Aus Füsslis Werken, in denen das Ausgeliefertsein des Mannes an weibliche Grausamkeit so häufig formuliert wird, „dass man darin geradezu seine eigenste Domäne sehen kann“ (Schiff), spricht eine „totale“ Hinwendung zum in der Literatur vorgefundenen Sujet. Füsslis Malerei, von einem dramatischen Werk wie Thor im Kampf mit der Midgardschlange (1790) bis hin zu jenem impressionistisch zarten Bild Die Damen von Hastings (1798-1800), scheint sich von sämtlichen akademischen Fesseln befreit zu haben; seine Bilder kennen keine Raum-Perspektive und keine Architektonik, seine Körper wirken wie kolorierte Statuen, seine Gesichter sind wie Masken, die alle Ruhe verloren haben, und gestreckt-liegenden Gestalten wollen uns mehr über den Maler sagen als über die Texte, denen sie ihr Leben verdanken.
Weitere Hauptwerke Die drei Hexen, um 1783; Die wahnsinnige Kate, um 1807; Die Hexen erscheinen Macbeth und Banquo, 1800-1810.
Publikationen Lecturcs on Painting. London 1820.


 

 

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