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Surrealismus, phantastische Malerei
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Fuchs, Ernst

(* 13. 2. 1930 Wien)
Wenn die Phantastische Kunst auch und gerade seit dem 19. Jahrhundert die Suche nach einem neuen geistigen Sinn in einer sich immer mehr an materiellen Werten orientierenden Gesellschaft darstellt und diese Suche die Form einer Mythenbildung annimmt, so lässt sich das am besten am Werk von Moreau und Fuchs, der zu den Mitbegründern der Wiener Schule gehört, darlegen. Und wie bei dem von Fuchs verehrten Moreau bedeutet diese Suche nach neuen Mythen auch eine Hinwendung zu den ältesten der Menschheit. Nachdem Fuchs 1943 Unterricht in der Bildhauerei bei Emmy Steinböck erhalten hatte, besuchte er 1944 die Malschule St. Anna und ging dann 1945 an die Wiener Akademie der Bildenden Künste, wo er zuerst bei Professor Andersen und zwischen 1946 und 1950 beim Mentor der Wiener Schule, Albert Paris Gütersloh, studierte. Seine erstaunliche Begabung und seine schon sehr früh entwickelte Beherrschung altmeisterlicher Maltechniken machen ihn zu einem Wunderkind der Malerei, dessen Werk von Anfang an, nach guter manieristischer Tradition, Staunen, Verblüffung, aber auch Ablehnung, sogar Widerwillen hervorrief. Regelmässige Aufenthalte in Paris, Reisen nach Israel und den Vereinigten Staaten (zum erstenmal 1955-1957) und der Kontakt mit Malern wie Fini oder mit der Gruppe um Andre Breton führen zu einer immer stärkeren Bewusstmachung der eigenen Ziele und Möglichkeiten. Er orientiert sich nicht nur an den grossen Meistern des Phantastischen von Bosch, Desiderio bis zu den Malern des Symbolismus, sondern findet auch im Werk seiner Zeitgenossen, insbesondere bei dem zutiefst verehrten Dali, eine Bestätigung seiner Theorie eines „verschollenen Stils“, der wie ein Ariadne-Faden den Betrachter, der zu sehen vermag, durch das Labyrinth der scheinbar widersprüchlichsten Kunstäusserungen der Menschheit von Anbeginn bis in die Jetztzeit geleiten kann. Visionäre Träume und Experimente mit verschiedenen Drogen bestärkten Fuchs in seinen Auffassungen und machten aus dem Maler eine prophetenähnliche Gestalt, der in seinem Erscheinungsbild das Alttestamentarische zu betonen pflegt. Über diesen „verschollenen Stil“ schreibt Fuchs in seinem Buch „Architectura Caelestis“ (1966), das zum tieferen Verständnis seines Werks von grösster Wichtigkeit ist: „Diese Kunst, die der Grund der Künste ist, dieser Stil ist der gordisch geschnürte Nabel, von dem her aller Stil entbunden ist. Seine Spuren entdeckte ich vor allem in der sogenannten Phantastischen Kunst'. Seine durch die Zeiten und die verschiedenen Kulturen hindurchziehende Zeichenschrift wurde mir sichtbar; und zwar meist dort, wo ich ihn hätte schon längst entdeckt haben müssen, in Bildern und Skulpturen, die ich seit Jahren gut kannte und liebte.“ Die Erleuchtung, welche die Entdeckung des „verschollenen Stils“ für Fuchs bedeutete, führte auch zu einer Veränderung in der Thematik seines Werks. Während bis etwa 1957 das Dämonische seine Bildwelt beherrscht, wie in Sodom und Gomorra (1953), dass eines seiner Hauptsymbole, das Einhorn, ms Zentrum einer Orgie aus Zerstörung und Sexualität stellt, entwickelt er allmählich eine neue, religiöse Malerei, deren hieratische, an Klimt erinnernde Formen eine gewisse Erstarrung herbeiführen, die viele Kritiker dazu veranlasst hat, diese späteren Arbeiten, im Vergleich zum Frühwerk, negativ zu beurteilen. Sicher ist, dass Fuchs, trotz seines noch immer umstrittenen Ranges, als einer der einflussreichsten phantastischen Maler der Gegenwart gelten muss.


 

 

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