|
(* 17.6.1898 Leeuwarden,
T 27. 3. 1971 Laren)
Die aussergewöhnliche Stellung Eschers innerhalb der phantastischen Kunst
unserer Zeit geht schon aus der Tatsache hervor, dass über sein Werk mehr
von Mathematikern als von Kunstkritikern geschrieben wurde. Genaue
Untersuchungen der mathematischen Gesetzmässigkeiten, Erstaunen über die
Entdeckung neuer kristallographischer Gesetze (durch einen Graphiker, der
behauptete, von Mathematik nichts zu verstehen), bevor die Wissenschaft
ihnen auch nur auf der Spur war, verhinderten eine Auseinandersetzung mit
der ästhetischen Seite dieses ungewöhnlichen OEuvres. Eschers Abneigung
gegenüber der Kunst seiner Zeit und sein Unwille, sich selbst als Künstler
zu betrachten, trugen weiter zu dieser Nichtbeachtung durch die Kunstkritik
bei, auch als Escher in den 6oer Jahren zu einem Idol der jungen Generation
wurde und seine Graphik-Blätter als Poster eine ungewöhnlich grosse
Verbreitung fanden. Er hatte, nachdem schon während der Schulzeit seine
zeichnerische Begabung entdeckt worden war, 1919-1922 die School voor
Bouw-kunde en Sierende Künsten in Den Haag besucht und dort bei Samuel
Jessurun de Mesquita eine Ausbildung in den verschiedenen graphischen
Techniken erhalten, von denen ihn hauptsächlich der Holzschnitt
interessierte. Escher, der finanziell unabhängig war, besuchte 1922 zum
erstenmal Italien und liess sich dort 1922 nieder. Nach seiner Heirat (1924)
siedelte er nach Rom über. In dieser Zeit entstanden eine Serie von
Landschaftsbildern (Lithographien und Holzschnitte), die in ihrer nüchternen
Perfektion schon das Interesse Eschers an den Problemen der Raumdarstellung
und der Perspektive erkennen lassen. Da ihm der heraufziehende Faschismus
zuwider ist, verlässt er Italien und zieht in die Schweiz (1935-1937). In
diesen Jahren unternimmt er mehrere Reisen nach Spanien und studiert dort
die Ornamente der Alhambra, die sein Interesse an dem Problem der
regelmässigen Flächenaufteilung, einem Hauptmotiv seiner Graphiken, noch
steigern. Von 1917 bis 1941 wohnt er in Brüssel und kehrt dann in die
Niederlande zurück, nach Baarn. Die Graphiken, die seit dem Ende der 30er
Jahre entstehen, begründen später Eschers Ruhm: Es sind unmögliche Welten,
in denen Treppen sich zugleich innerhalb und ausserhalb eines Hauses
befinden, Wasser zugleich hinauf- und hinunterströmt, Fläche sich in Raum,
Raum in Fläche verwandelt und das alles aufgrund genauer mathematischer
Vorstudien, welche die Problemstellung und die -lösung, die für den genauen
Betrachter später auch in der jeweiligen Graphik enthalten sind,
verdeutlichen. Und hier unterscheidet Escher sich wesentlich von anderen
Künstlern des Phantastischen: Er will durch sein Werk zwar Verwunderung
hervorrufen, aber auch eine Lösung anbieten. Deshalb schreibt sein Freund,
der Mathematiker Bruno Ernst, in der wohl überzeugendsten
Escher-Monographie, über ihn: „Escher ist^kein Surrealist, der uns eine Fata
Morgana vorzaubert. Er ist der Konstrukteur nicht möglicher Welten. Er baut
das Nicht-Mögliche auf vollkommen legitime und für jeden nachvollziehbare
Weise auf, und in seinen Graphiken führt er . nicht nur das absurde
Ergebnis, sondern auch die Konstruktionsvorschrift vor. In seinen besten
Blättern, wie Bildergalerie (1956) oder Belvedere (1958;) ruft Escher beim
Zuschauer etwas hervor, das man als positiv erfahrenes Schwindelgefühl
bezeichnen könnte. Dieses graphische Werk, das in unlimitierten Auflagen
häufig vom Künstler selbst, der auf Exklusivität keinen Wert legte,
verbreitet wurde, ist nie bedrohlich, aber es regt zumeist zum Nachdenken an
über die Voraussetzungen unserer als so selbstverständlich erfahrenen
Realitätsprinzipien. |