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(* 6. 1. 1832 Strassburg,
T 21. 1. 1881 Paris)
Der im Todesjahr Goethes geborene Doré, der seine Jugend in Strassburg
verbrachte, begann seine Laufbahn als Zeichner und Karikaturist unter den
günstigsten Umständen, die sich denken lassen: Schon mit 16 Jahren kam er in
den Zeitschriftenverlag des von Dorés Talent überzeugten M. Philipon, der m
Paris unter Mitwirkung von Grandville und Daumier zunächst die Zeitschrift
„Charivari“ und dann das „Journal pour rire“ herausgebracht hatte. Die
steile Karriere als Illustrator für seinen Verleger Philipon ging ihm aber
schon bald gegen die Natur und wurde von Doré als Einschränkung seiner
künstlerischen Entfaltungsmöglichkeiten empfunden. Doré, der nie eine
Ausbildung im Zeichnen oder Malen erhalten hatte, war ein reiner Autodidakt;
dies ist um so erstaunlicher, wenn man seine Zeichnungen, wie Die Arbeiten
des Herkules (1847), betrachtet, die er bereits mit 15 Jahren anfertigte.
Nach dem Tode des Vaters (1849) zog die Mutter Dorés nach Paris, wo sie den
jungen Gustave mit Mitteln aus ihrer Erbschaft unterstützen konnte und ihm
die Anmietung eines Ateliers ermöglichte. Nach den ersten hektischen
Auftritten in den Pariser Künstlerkreisen tritt jetzt eine Phase der
Besinnung ein: Doré beginnt sich für Géricault, Theophile Gautier und die
Literatur eines Gerard de Nerval oder Paul Lacroix zu interessieren, dessen
Bücher er später mit Illustrationen versieht. Nach drei Jahren in Paris,
kaum 20 Jahre alt, hatte Doré schon weit über 700 Zeichnungen und fünf
Bücher publiziert. Insgesamt wird Doré weit über 150 Bücher illustrieren,
was selbst im Hinblick auf Kubins Schaffen eine unglaubliche Leistung
bleibt.
Berühmt als Karikaturist und Illustrator, verachtet als Maler und grosser
Künstler, als der er sich fühlte, und verspottet als Bildhauer, der immerhin
das Denkmal für Alexandre Dumas schuf, war er dennoch der typische „mit
Leichtigkeit lebende Künstler“, von denen das Paris der 60/70er Jahre
geradezu überfüllt war. Festliche Salons, in denen man sich mit den
Berühmtheiten der Zeit traf, wie Victor Hugo, Flaubert, Alfred de Musset,
Maupassant, Mérimée oder Gerard de Nerval, den man eines Morgens im Frühling
1855 an einem Gitter in der Rue de la Vieille Laterne erhängt fand, waren an
der Tagesordnung und verhinderten möglicherweise, dass Doré das wurde, was
er sich wünschte: ein ernstzunehmender Maler.
Betrachtet man die grosse Anzahl von Illustrationen zu Werken so
unterschiedlicher Autoren wie Dante, Lord Byron, Hippolyte Taine oder Edgar
Allan Poe, deren Texte ihm von seinen Freunden, vorzugsweise Arthur Kratz,
Lacroix oder Gautier, die beide ausgezeichnete Literaturkenner und Kritiker
waren, zur Lektüre vorgelegt wurden, so überrascht die morbide, von
geheimnisvollen Sehnsüchten erzählende Phantasie, die bis zu seinem Tode im
Alter von 51 Jahren immer neue Ausdrucksmöglichkeiten fand. Im Gegensatz zu
seinen bedeutenden Kollegen Daumier und Grandville war Doré, obgleich er es
nie eingestand, von äusseren, literarischen, kolportierbaren Eindrucken
abhängig.
Weitere Hauptwerke Bibel-Illustrationen; Illustrationen 7.u : F. Rabelais,
Gargantua et Pantagruel, 1854; Illustrationen '/u: J. Milton, Das verlorene
Paradies, 1866; Illustrationen zu La Fontaine, Fabeln, 1867. |