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(* 19. 1. 1867 Leuven, T
1953 Forest)
Das 1893 entstandene Bild Orpheus, ein Hauptwerk des belgischen Symbolismus,
zeigt in einer wahren Farborgie aus Blau, Grün und Gold, wie der Kopf des
göttlichen, von den Mänaden zerrissenen Sängers, eingefasst in seiner mit
kostbaren Steinen geschmückten Leier, den Fluss hinuntertreibt. Aber
entgegen der mythischen Überlieferung singt er nicht: Die Augen sind
geschlossen, der Mund ist halb geöffnet wie im Schlaf, und die Worte:
Rätsel, Schweigen und Geheimnis fallen einem ein; nicht der Triumph der
Kunst über die rohe Natur, sondern die Kunst, die sich vor der Welt des
„öden Tages“ in einen Bereich hermetischer Selbstgenügsamkeit zurückgezogen
hat, symbolisiert das Delvillesche Meisterwerk, das uns verschlüsselt
berichtet von den geheimen Wonnen jener „anderen Welt“, zu deren Darstellung
sich die Phantastik immer wieder berufen gefühlt hat. Dass in diesem Ölbild,
wie auch in den riesigen Gemälden Die Schätze Satans (1895) einer Symphonie
in Rot und Orange, und Der Engel des Glanzes (1894), die Geheimlehren und
Symbole der Rosenkreutzer, der Kabbala und der verschiedensten okkulten
Glaubensrichtungen auf eine nur Eingeweihten völlig verständliche Weise zur
Darstellung gelangen, ist für den heutigen Betrachter eher unerheblich, so
wie es ihn auch nicht unbedingt bekümmert, die Botschaften eines Bosch nicht
mehr entschlüsseln zu können, weil die Bilder weit über diese ursprüngliche
Botschaft hinaus ein ästhetisches Eigenleben erhalten haben, das ihren Wert
und ihren Sinn ausmacht.
Delville, der neben Khnopff als der wichtigste Vertreter des belgischen
Symbolismus anzusehen ist, erhielt seine Ausbildung an der Academie des
Beaux-Arts in Brüssel und stellte vor allem mit grossem Erfolg auf den
Salons de Rose-Croix aus, die von dem Schriftsteller und Magier Josephin („Sâr“)
Péladan in Paris organisiert wurden (1892-1895). In mehreren symbolistischen
Zeitschriften publizierte Delville seine literarischen Arbeiten und
theoretischen Aufsätze, die als Ergänzung zu seinem malerischen Werk zu
sehen sind. Delville, der nach einer Professur in Glasgow 1907 nach Brüssel
zurückkehrte und dort bis 1937 an der Académie, an der er selbst studiert
hatte, lehrte, schrieb in einem Aufsatz 1899 diesen Satz, der den Ursprung
seines heute wieder hochgeschätzten Werks treffend charakterisiert: „In
ihrer metaphysischen Bedeutung verstanden, ist die Schönheit eine der
Manifestationen des absoluten Wesens.“
Weitere Hauptwerke Porträt Madame Stuart Merrill, 1892; Das Ende einer
Herrschaft, 1893; Das Warten, 1893.
Publikationen La grande hierarchie occulte. Brüssel 1897; Le frisson du
Sphinx. Brüssel 1897. |