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(*23. 9. 1897 Antheit)
Der noch ein Jahr vor seinem Landsmann - Magntte geborene Belgier Paul
Delvaux, der von vielen Kunsthistorikern dem - Surrealismus zugerechnet
wird, obgleich es dafür wenig objektive Anhaltspunkte gibt, ist zweifellos
einer der bekanntesten noch lebenden Künstler seines Landes; den grössten
Teil seines Lebens verbrachte er, der lange Jahre an der von Henry van de
Velde gegründeten Ecole de la Chambre Monumentalmalerei lehrte, in Brüssel.
Delvaux' Entschluss, Maler zu werden, fiel verhältnismässig spät. Ein Jahr
nach Kriegsende (1919) traf er während eines Ferienaufenthaltes in Zeebrugge
den damals hochgeachteten Maler Franz Courtens, der ihn, angesichts der
vielversprechenden Hafen-Aquarelle, dazu bewog, unverzüglich das Studium der
Malerei aufzunehmen. Im Frühjahr darauf begann Delvaux sein Studium an der
Akademie in Brüssel, zunächst in der Klasse des Architekten van Heck und
später bei dem Symbolisten Constant Montald. Der stilbildende Einfluss
beider Lehrer sollte erst später wieder sichtbar werden, da der junge
Delvaux nahezu alle Bilder aus seiner ersten Schaffensphase von 1920-1924
vernichtete (es sollen über 300 gewesen sein), um, wie er betonte, für
Inspirationen frei zu sein, ein Verhalten, das in seiner Rigorosität an
Georges Rouault erinnert. Von 1924 bis 1934 stand Delvaux unter dem Einfluss
von Ensor und besonders Gustave Desmet, was m seinen Porträts aus dieser
Zeit deutlich zum Ausdruck kommt. Erst die Beschäftigung mit den Werken de
Chiricos, dessen Bilder ihn geradezu überwältigen - wie Paul Aloise de Bock,
einer seiner ersten Biographen, schreibt -, bewirkt, dass er sich seinem
„eigentlichen“ Thema, der Frau und der Architektur, zuwendet. Von Delvaux
existieren nur eine Handvoll Bilder, auf denen dieses Thema nicht
anzutreffen ist; es tauchen dann statt dessen Eisenbahnen, Schienen,
Bahnhöfe auf, die mit der gleichen Ausschliesslichkeit und Beharrlichkeit
gemalt sind. Lange Jahre, bis 1940, war Delvaux unbekannt und unterschätzt;
in der darauf folgenden Periode wurde er berühmt und an die Seite Magrittes
und Ensors gestellt, was einer Überschätzung gleichkam. Heute nun ist er
fast wieder ein Vergessener, woran auch die umfangreiche und in ihrer
Akkuratesse kaum zu überbietende Ausstellung in Rotterdam (Museum
Boymans-van Beuningen, 19/3) nichts zu ändern vermochte.
Weitere Hauptwerke Die rosa Schleifen, 1937; Mondphasen, 1939; Die unruhige
Stadt, 1941; Der Waldbahnhof, 1960; Pompei, 1970. |