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Surrealismus, phantastische Malerei
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Dali, Salvador

(* 11. 5. 1904 Figueras/Katalanien)
Als Dali, noch während seiner Studentenzeit an der Akademie von San Fernando in Madrid, wegen eines nebulösen Bekenntnisses zum Anarchismus im Jahre 192; von der Akademie verwiesen und für ein paar Monate inhaftiert wurde, ahnte sicherlich noch niemand, dass der junge Mann einmal zu den wichtigsten Malern des 20. Jahrhunderts gehören würde. Während eines Interviews, das Manuel del Arcos 1948 mit Dali führte, zählt Dali auf die Frage, welche Menschen für ihn von Bedeutung seien, vier Personen auf: zuerst seine Frau Gala, die ehemalige Gefährtin Paul Eluards, dann Albert Einstein, dann Picasso und schliesslich Dali, sich selbst. Kein Vermeer wird genannt, kein Rarfael und kein -“ de Chirico, der ihn stark beeinflusste; nicht einmal Sigmund Freud wird genannt, den er 1918 in London um ein Gespräch gebeten hatte.
Neben Picasso zählt Dali zu jenen Malern, bei denen man immer wieder an andere Maler erinnert werden kann: Es gibt Ölgemälde von seiner Hand, die von Tanguy sein könnten, Zeichnungen wirken bisweilen wie eine Synthese aus Rubens und Clerici, und einige frühe Collagen könnten durchaus von Ernst sein. 1928 wird Dali von André Breton in den Kreis der Surrealisten eingeführt, sechs Jahre darauf wird er von ihm wieder ausgestossen. Er ist nicht der einzige, auch de Chirico bekam das Philistertum des Surrealisten zu spüren und wurde verstossen. Von 1929-1932 arbeitete Dali mit Luis Bunuel zusammen, unter anderem an den Filmen „Un Chien andalou“ und „L'Age d'or“, zwei Jahre darauf illustriert er die „Chants de Maldoror“ von Lautreamont und betreibt danach seine eigenen literarischen Ambitionen ernsthafter. 1930 publiziert er „La femme visible“, dann seine Autobiographie „The secret life of Salvador Dali“. Er geht in die USA, wo sein erstes Ballett, dem noch elf weitere folgen werden, entsteht. 1944, im Entstehungsjahr von Tristan und Isolde und Galarina (wohl eines der gelungensten Porträts seiner Frau Gala), schreibt er einen Roman, „Hidden Faces“, und Jahre darauf erscheint in Paris sein „Manifest Mystique“. Aber Dali ist, und hier helfen nur seine eigenen Texte weiter, weder Surrealist, noch Realist, noch Meta-Realist, noch ein phantastischer Maler: Er ist von allem gerade so viel, dass ihn jede Richtung für sich beanspruchen möchte. Dalis Surrealismus ist eine Frage des Arrangements, des „automatisch“ dargestellten und durch Betrachterphantasie erweiterbaren Interieurs. Dalis Phantastische Malerei jedoch entspringt aus der direkten Umsetzung der durch die Realität inspirierten Phantasie, wozu seine beiden Gemälde, Der Thunfischfang (1966 bis 1967) und Halluzinogener Torero (1969-1970), wohl die geeignetsten Beispiele abgeben. Es liegt jener wesentliche Schritt dazwischen, der Dali auf der einen Seite in die Höhen der Religiosität und Mystik bringt (z. B. Das Leben der Maria Magdalena, 1960) und ihn auf der anderen Seite in die Richtung des ausdeutbaren Realismus weist (z. B. Der Apotheker von Ampurian auf der Suche nach absolut nichts, 1936), ohne den Phantastische Malerei nicht denkbar ist.
1958 sagt Dali, der noch immer Antoni Gaudi für den genialsten aller Architekten hält, bezeichnenderweise, dass er jedes Jahr drei wichtige Bilder male: erstens das „reale“, das zweite auf der Palette und das dritte auf einem Tuch, das zum Abwischen der Pinsel auf seinen Knien liegt. Dali lebte in Port Lligat in Spanien.
Weitere Hauptwerke Blut ist süsser als Wein, 1917; Zerrinnende Zeit, 1911; Brennende Giraffe, 1935; Weiche Konstruktion mit gekochten Bohnen, 1936; Die Metamorphose des Narcissus, 1937; Die Madonna von Port Lligat, 1950; Corpus Hypercubicus, 1954.
Weitere Publikationen The secret life of Salvador Dali. New York 1942; Visto por su Hermana. Madrid 1949; Les cocus du vieil art moderne. Paris 1956.


 

 

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