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Surrealismus, phantastische Malerei
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Clerici, Fabrizio

(* 15. 5. 1913 Mailand)
Die Phantastische Malerei in Italien, die durch die Pittura Metafisica eines de Chirico oder Alberto Savinio neue Impulse erhalten hatte, findet in Clerici einen ihrer grössten Vertreter. Er studierte in Rom Architektur und machte 1937 sein Diplom. Seine Freundschaft mit Savinio (ab 1936) hatte ihn in direkte Berührung mit den Ideen der metaphysischen Maler gebracht. Wie de Chirico fühlte er sich vor allem von den Meistern des Manierismus und des Barock angezogen, während auch die phantastischen Architekturen eines Piranesi auf ihn, den Architekten, gewirkt haben müssen. Diese Einflüsse werden in den Zeichnungen und Radierungen aus der Zeit um 1940 auf sehr persönliche Weise verarbeitet. Mario Praz stellt in seinem grundlegenden Aufsatz sowohl eine Verbindung zu Dürers „Melancholia“ wie zu den Collagen des Surrealismus her. Er schreibt dazu: „Die Dinge sind mit einer Kunst zusammengefügt, die vielmehr an jene des Magiers als an jene des Erfinders von Rätseln erinnert: aus ihrer Annäherung geht ein tertium quid hervor, das nicht erzählender, sondern phantastischer Natur ist. Alltägliche Elemente führen, wenn sie auf diese Weise zusammengefügt sind, zu der Entdeckung eines Schatzes: das Ergebnis ist mehr als die Summe des Ganzen, es ist der Stein der Weisen . . .“ Sein Interesse an Geheimlehren, an „liturgischen Ritualen“ und an den verschiedenen Theorien der Perspektive führen zu einer eingehenden Beschäftigung mit dem Jesuiten-Pater Kircher und mit dem Werk verschiedener manieristischer Graphiker wie Erhard Schön. Seine Vorliebe für das Theater wird der Anlass zu einer Reihe von sehr erfolgreichen Bühnenbildern, die seinen Namen auch einem grösseren Publikum bekannt machen (zu den Opern „Dido und Aeneas“ von Henry Purcell, 1949; „Die Krönung der Poppea“ von Claudio Monteverdi, 1949; „Ali Baba“ von Euigi Cherubini und zu mehreren Bühnenwerken von Strawinsky und Benjamin Britten). Reisen durch Afrika und den Nahen Osten erweitern seinen Themenkreis. In seinen Bildern greift er oft mythologische Motive auf, die aber eine Deutung erhalten, die nur dem „Nach-Freudianer“ zu erkennen möglich ist. Die Landschaft und die Architektur, die in ihren kreisenden Bewegungen einem labyrinthischen Prinzip zu huldigen scheinen, bleiben zentrale Motive bis in die 70er Jahre. Ägyptische Symbole tauchen seltsam fremdartig in den Dürer-Aquarellen (1969-1971) auf und geben dort Anlass zu perspektivischen Reflexionen. Konzentrische Bauten und Felsenformationen, die, von allem Leben verlassen, vor einem kühlen, blauen Himmel einem sich endlos hinziehenden Untergang entgegenzugleiten scheinen, erinnern an Photos von Mond- oder Marslandschaften. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft befinden sich auf diesen Gemälden so untrennbar nebeneinander, dass die Zeit nicht nur stillzustehen scheint wie bei - Dali, sondern aufgehoben ist. Vielleicht rührt daher der utopische Frieden, der das Spätwerk Clericis erfüllt.


 

 

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