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nur die launenhafte
Regung, den spielerischen Impetus und die Erfindungsgabe, sondern auch die
Erfindung oder den Einfall selbst, im besonderen schliesslich eine
spielerische, geistreiche, originelle oder merkwürdige Bildidee“, schreibt
Lucrezia Hartmann.
Das Streben des manieristischen Künstlers nach dem originellen Einfall, der
das Staunen des Betrachters oder des Lesers hervorrufen könnte, findet in
diesem Begriff seinen Niederschlag. Comanmi bezeichnet die
„zusammengesetzten Porträts“ des Arcim-boldi als „capricci“, und dies
verdeutlicht die Übereinstimmung zwischen „Capriccio“ in der Malerei und „concetto“
in der Literatur: Beide benennen den bewusst verschlüsselten Bildgedanken.
Im „Capriccio“ kommt die Subjektivität des Künstlers zum Ausdruck, der sich
weigert, sich den Regeln einer dogmatischen Kunstauffassung anzupassen.
Obwohl also zu Anfang der Begriff des „capriccio“ sehr allgemein gehalten
war, erhielt er im Laufe des 17. Jahrhunderts eine ganz spezifische
Bedeutung. 1617 erschien eine Folge von Radierungen von Callot: Capricci di
varie figure. Sie wurde das Vorbild für eine ganze Serie „Capriccio-Folgen“,
die sich immer auf die Druckgraphik begrenzten, als ob dem Künstler hier
eine grössere Freiheit gegeben wäre. Bei Callot kann man das „capriccio“ als
eine Art Unterabteilung der Genremalerei bestimmen, und wie in den Gemälden
dieser Gattung lassen sich auch hier eine realistische und eine
phantastische Linie entdecken. Während Callots erste Folge von Radierungen
einen rein realistischen Charakter hat, bekommen seine späteren Arbeiten in
zunehmendem Masse phantastische Aspekte. Die Zauber- und Hexenszenen eines
Salva-tor Rosa (1615-1673) und die bizarren Erfindungen des berühmtesten
Malers von „bambocciaden“ ( Groteske), Faustino Bocchi (1659-1741), sind als
Parallelen zu den Scherzi di fantasia (posthum erschienen 1775, aber um 1745
entstanden) und den Capricci (1743) von Giovanni Battista Tiepolo
(1606-1770) anzusehen (vgl. Einleitung). Der makabre, rätselhafte Charakter
dieser Radierungen verstärkt sich noch in den Inven-zione capric di Carccri
(1745), der ersten Fassung der Gefängnisse, von - Piranesi und in dessen
Capricci (1750), welche den so beliebten Ruinendarstellungen Endzeitstimmung
verleihen. Den Höhepunkt dieser Entwicklung stellen Los Caprichos (1799) von
Goya dar, zugleich die letzte zusammenhängende Folge von „capricci“. In
ihnen vollzieht sich der bei Piranesi und Tiepolo schon angedeutete Obergang
zu einer neuen Epoche in der Phantastischen Malerei, in der das
Phantastische zum legitimen ' Ausdruck des Unbehagens gegenüber einer immer
stärker durchrationalisierten Gesellschaft wird. |