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Surrealismus, phantastische Malerei
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Callot, Jacques

(* um 1592 Nancy, T 24. 3. 1635 Nancy)
Der berühmteste deutsche Erzähler des Phantastischen, E. T. A. Hoffmann, nannte seine erste Sammlung mit Geschichten „Fantasiestücke in Callot's Manier“ (1814) und lieferte damit einen Beweis für den andauernden Ruhm des wohl grössten Kupferstechers und Radierers des 17. Jahrhunderts. Der Vater Callots, Jean, war als Wappenherold am Lothringer Hof tätig und gehörte dem kleinen Adel an. Er schickte seinen Sohn in die Lehre zum Goldschmied Croq (1607). Die älteren Callot-Biographien sprechen von mehreren Ausreissversuchen des jungen Jacques nach Italien, aber diese sind wohl eher dem Bereich der Legende zuzuordnen. Die in Nancy wirkenden Maler Jacques Beilange und Claude Henriet, mit dessen Sohn Israel Jacques eine tiefe Freundschaft verband, blieben auf die künstlerische Entwicklung des Jungen nicht ohne Einfluss, während auch die Werke des Elsässers Martin Schongauer auf ihn gewirkt haben werden. 1608 gehörte er zu den Begleitern eines Edelmannes, der dem Papst Nachrichten des Lothringer Herzogs zu überbringen hatte. In Rom wurde er der bevorzugte Schüler des Kupferstechers Philippe Thomassin und schon bald wurden ihm wichtige Arbeiten anvertraut. Sein grosses Geschick verschaffte ihm schnell einen gewissen Ruf, und er trat in den Dienst des Medici-Herzogs Cosimo II. in Florenz. Er blieb hier bis zum Tode des Herzogs im Jahre 1621. In dieser Zeit machte er sich auch mit der Technik der Radierung vertraut, und die Versuchung des heiligen Antonius (1617) ist ein erstes Beispiel für seine Meisterschaft auf diesem Gebiet. Bei seinen späteren Radierungen benutzte er aber nicht mehr wie hier einen weichen, sondern einen harten Firnis, was seinem Werk eine manchmal geradezu reliefartig wirkende Präzision und Klarheit gibt. Das Theater und die in dieser Zeit in Florenz entstehende neue Form der Oper faszinieren ihn, und die Figuren und Szenen der Commedia dell'Arte bilden das Thema nicht nur seiner - Capriccios (1617, 1621), sondern auch anderer Serien. In ihnen, wie in der Antonius-Darstellung spürt man eine barocke Freude am Absonderlichen und Bizarren, das aber eher einen witzigen als bedrohlichen Charakter hat. Nach dem Tode Cosimos kehrte Callot nach Nancy zurück und heiratete dort 1623. Der mit dem Lothringer Hof verbundene Prinz de Phalsbourg wurde sein Gönner, und um 1627 machte er eine Reise in die Niederlande, weil die Infantin Isabella ihm den Auftrag erteilt hatte, die Eroberung der Stadt Breda durch die Spanier (1625) in einer Reihe von Kupferstichen festzuhalten. Nach einem Aufenthalt in Paris (1629-1631) kehrte er nach Nancy zurück. In den letzten Jahren seines Lebens entstanden, nachdem Lothringen durch den französischen König Ludwig XIII. erobert worden war (1632-1633), die Radierungen Die Schrecken des Krieges und das Blatt Die Folterungen (beide 1633), in denen die Welt Callots ihre Verspieltheit völlig verloren hat. Es sind beängstigende Visionen einer von Mord und Gewalt beherrschten Welt, die noch bis Goya wirken sollten. Noch einmal wendet er sich jetzt dem Thema der Versuchung des heiligen Antonius zu (1634) und in dieser zweiten Fassung, einer seiner grossartigsten Arbeiten, wird die dargestellte Szene zu einer Parabel über das Wirken des Bösen, das in der Form eines riesigen Drachen die Höllenlandschaft überfliegt. „So gross war seine künstlerische Begabung, dass sein Hang zum Phantastischen, zur Karikatur und zur Groteske ihn nicht verhinderte, die Welt mit einer solchen Klarheit und Originalität darzustellen, dass er durchaus auch als ein Pionier des Realismus im 17. Jahrhundert betrachtet werden könnte“ (E. De T. Bechtel).
- Weitere Hauptwerke Balli di Sfessania, 1621; Gobbi, 1622.

 

 

 

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