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(* vermutlich um 1528
Breda, T 5. 9. 1569 Brüssel)
Über den wirklichen Geburtsort Bruegels gibt es nur Annahmen. Auch sein
erster Biograph Carel van Mander kann ausser mit einer anekdotenreichen
Lebensbeschreibung nur mit wenigen Fakten aufwarten; „. . . um so deutlicher
spricht das Werk, das auf uns gekommen ist“ (Grimme).
Bruegel, der zuvor das Malerhandwerk in der Werkstatt des Pieter Coeck van
Aelst erlernt hatte, wird 1551 das erste Mal in den Registern der
Antwerpener Lukas-Gilde namentlich genannt. Nach dem Tode seines Lehrers
setzte Bruegel die Ausbildung fort in der Werkstatt Hieronymus Cocks. 1551
war auch das Jahr, in dem Bruegel seine Reise über Frankreich nach Italien
antrat, die für ihn von wesentlicher Bedeutung wurde. Ein grosser Teil
seiner Landschaften sind ohne diese fast dreijährige Reise nicht denkbar.
Erst 1554 kehrte Bruegel nach Antwerpen zurück. Von der Italienreise, die
ihn bis hinunter nach Sizilien geführt hatte, brachte er mehrere Zeichnungen
mit, von denen die Anfang 1554 entstandene Alpenlandschaft mit einem
zeichnenden Künstler erwähnt werden muss, da sie ein erst später deutlicher
zutage tretendes Konstruktionsprinzip aufweist: der „winzige“ Mensch steht
einer überdimensionierten Landschaft gegenüber und ist, sich selbst und das
Ganze zeichnend, in sie eingefügt. Diese auktoriale „Erzählhaltung“ ist für
das 16. Jahrhundert ein Novum. Eine Serie von Grossen Landschaften, die sein
Meister und Verleger Hieronymus Cock 1555 herausgab, belegen die Wichtigkeit
dieser Arbeiten auch für Bruegels eigenes Schaffen. „Wirklichkeit unter
einem anderen Aspekt“ könnte man die ab 1556 entstehenden Zeichnungen
nennen, die den Bruch mit den vorher geschaffenen Arbeiten augenfällig
machen; das Blatt Die grossen Fische fressen die kleinen illustriert
beispielhaft diese veränderte Vorstellung Bruegels über den „Lauf der Welt“.
Das erste Gemälde, die Landschaft mit dem Gleichnis, entsteht ein Jahr
später, 1557. Danach werden ihm noch 12 Jahre künstlerischen Schaffens
bleiben; sein vergleichsweise grosses Gesamtwerk entstand während einer nur
18 Jahre dauernden Tätigkeit als Maler. Im selben Jahr beginnt Bruegel mit
den Zeichnungen von den sieben Todsünden und den sieben Tugenden. Kurz
darauf entsteht die Landschaft mit dem Sturz des Ikarus (1558), eins der
melancholischsten Gemälde Bruegels; es stellt den Beginn einer losen Folge
von Bildern dar, bei denen das titelgebende Geschehen fast zur
Nebensächlichkeit reduziert wurde, die kaum einen Bruchteil der bemalten
Fläche einnimmt, was die Kunstkritik wohl dazu veranlasst haben mag, ihn zu
den Manieristen zu zählen. Zu dieser Folge müssten noch Der Selbstmord Sauls
(1562), Die Kreuztragung Christi (1564) und Die Bekehrung des Paulus (1567)
gerechnet werden.
1562 übersiedelte Bruegel von Antwerpen nach Brüssel. Er wollte Mayken, eine
der Töchter seines verstorbenen Lehrmeisters Pieter Coeck van Aelst,
heiraten - und die Mutter hatte sich als Voraussetzung für diese Heirat
ausbedungen, so schildert es Carel van Mander, „dass er Antwerpen verlasse
und nach Brüssel ziehe, damit ihm das andere Mädchen aus den Augen und aus
dem Sinn käme“. Im Jahr der Heirat (1563) malt Bruegel den Turmbau zu Babel
und Die Flucht nach Ägypten. Ein Jahr darauf wird der Sohn Pieter geboren;
ihn wird man später den „Höllenbruegel“ nennen. Seinen Vater wird man, in
Anspielung auf die in den letzten Jahren häufiger auftretenden Bauernmotive,
den „Bauernbruegel“ nennen. 1565 malt er für Nicolaes Jonghelinck den Zyklus
der Monatsbilder, von denen nur noch einige erhalten sind, unter anderem:
Jäger im Schnee und Heimkehr der Herde, die beide im Kunsthistorischen
Museum in Wien hängen. Die folgenden Jahre der politischen und
wirtschaftlichen Wirrnisse übersteht Bruegel, indem er sich förmlich in die
Arbeit stürzt; in der Zeit von 1564-1568 malt er den grössten Teil seiner
Bilder! 1568 wird sein Sohn Jan geboren, den man später den „Samt- oder
Blumenbruegel“ nennen wird und der für lange Zeit, bis weit ins 19.
Jahrhundert hinein, ein bekannterer Maler als sein Vater sein wird. Am 5.
September 1569 stirbt Bruegel und wird in der Kirche Notre Dame de la
Chapelle beigesetzt. Bruegels Malerei insgesamt dem Manierismus zuzuordnen,
ist kaum möglich; gleichwohl gibt es eine Art Hintergründigkeit und eine
gewisse Überzeichnung in einigen Werken, die Stilmerkmale des Manierismus
aufweisen, wie beispielsweise in Das Sprichwort vom Vogelnest (1568) oder
Die Anbetung der Könige (1564). Horst Gerson kommt zu dem Ergebnis, dass
Bruegels Kunst bisweilen mit einer stürmischen Kraft spricht, eine
„natürliche“, zarte Stimmung und eine Intimität und Unmittelbarkeit
aufweist, die der Kunst des Manierismus im allgemeinen fehlen. Neben Bosch,
auf den er oft zurückgreift, und Arcimboldi zählt Bruegel zu den Künstlern,
die eine Erneuerung der Malerei des 16. Jahrhunderts in die Wege leiteten. |