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Surrealismus, phantastische Malerei
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Bracelli (oder: Brazzé, gen. Bigio), Giovanni Battista

(Lebensdaten unbekannt)
Von Bracelli, der von 1616-1629 in der Toskana tätig war, kennen wir nur den Namen und zwei Serien von Stichen, die Bizarrie di varie figure (1624) und die Figure con istrumcnti musicali e boscarecci (1629). Während die ältere Literatur diese Stiche noch durchweg einem anderen Maler desselben Namens zuschreibt und sich über dessen Todesdatum mit Eleganz hinwegsetzt, indem sie es als Irrtum abtut, ist man sich inzwischen schon lange darüber einig, dass hier, aufgrund der grossen stilistischen Unterschiede, von zwei Malern die Rede sein muss. Die fehlenden biographischen Daten verschaffen auch Bracelli jene Aura des Geheimnisvollen, die, wie bei so vielen manieristischen Malern, mit seinem Werk in so grossem Einklang steht. Die Arbeiten Bracellis sind auf der einen Seite im Zusammenhang mit den zusammengesetzten Bildnissen des Prager Hofmalers Arcimboldi zu sehen, auf der anderen Seite befinden sie sich in der Tradition der „kubistisch“ wirkenden Studien eines - Dürer, Erhard Schön ( Vexierbild) oder Luca Cambiaso. In diesen Studien wurde die menschliche Gestalt auf ein abstraktes Schema reduziert, damit es möglich wurde, exakte Bewegungsabläufe zu studieren. Ursprünglich als Hilfsmittel und Vorstudie gedacht, entwickelten sich solche Figurinen vor allem bei Cambiaso zu einem immer selbständigeren Leben. Diese Tendenz erreicht ihren Höhepunkt in den Stichen Bracellis, in denen menschliche Figuren, die aus Schrauben, Federn, Metall- oder Holzteilen zusammengestellt sind, sich den verschiedensten Tätigkeiten hingeben. Die seltsame Beklemmung, die von diesen Stichen ausgeht, beruht auf der Belebung des an sich Unbelebten, oder, umgekehrt, auf der Reduzierung des Menschlichen auf das rein Mechanische: Grundmotiv der phantastischen Kunst auch in unserem Jahrhundert. Man braucht bloss an die Gliederpuppen bei de Chirico oder die Schubladenfiguren bei Dali zu denken. Damit gehört auch Bracelli in die lange Ahnenreihe der Surrealisten, die eine seit Jahrhunderten verschüttete Kunst dem Betrachter wieder zugänglich gemacht haben. Aber nicht nur die Surrealisten, auch die Kubisten entdeckten Bracelli für sich. „Die Männer Bracellis“, schreibt Marcel Brion, „nehmen auch die Roboter der modernen Elektronik vorweg, welche ohne menschlichen Körper und menschliche Seele als reine Mechanismen von unheimlicher Kompliziertheit dazu berufen scheinen, den Menschen in gewissen Funktionen zu ersetzen.“

 

 


 

 

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