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Surrealismus, phantastische Malerei
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Botero, Fernando

(* 1932 Medellin/Columbien)
Als um 1960 die ersten Anzeichen einer Rezeption südamerikanischer Literatur in Europa und Amerika bemerkbar wurden (Übersetzungen von Jörge Luis Borges und Julio Cortâzar), überraschte die Kritiker nicht zuletzt die Fähigkeit, mit einer barocken, manchmal auch überladenen Sprache neue Mythen zu bilden, die den Bewohnern dieses unterdrückten Kontinents zu sich selbst führen, zu einer Bewusstwerdung der eigenen Identität verhelfen sollten. Dass in diesem Zusammenhang sowohl das von den Europäern übernommene Kulturgut als auch die alten indianischen Kulturen dabei eine bestimmende Rolle spielen, verschafft den Büchern der Südamerikaner die für den europäischen Leser so überraschende, erregende, manchmal auch nur harmlos-exotisch wirkende Komponente. Und was für die Literatur gilt, trifft auch auf die Malerei zu, auf die gigantischen Wandmalereien der neuen Mexikaner wie auf die ungeheuerlichen Idyllen des Columbianers Botero, der von sich sagte, dass es ihm gerade aus der Entfernung am besten gelinge, die Realität seines Landes in seiner Malerei einzufangen. Botero studierte 1952 an der Academia de Bellas Artes de San Fernando in Madrid und vertiefte sich in das Studium der alten Meister im Prado, deren Einflüsse in seinem Werk auf eine ähnliche, wenn auch wesentlich persönlichere Art als bei den Malern der Wiener Schule verarbeitet werden. Seine Kenntnisse der älteren Malerei bereicherte er durch anschliessende Reisen nach Florenz und Paris. Zeitweilig kehrt er in seine Heimat zurück (1954) und unternimmt Reisen nach Mexiko und Nordamerika. Dort lässt er sich 1960 (in New York) nieder, während er nach 1971 auch für ein paar Monate in Paris lebt. Seit dem Ende der 50er Jahre nimmt er regelmässig an Ausstellungen teil; heute gilt er als einer der wichtigsten Maler Latein-Amerikas. Zwei Genres werden von ihm besonders gepflegt: das Porträt- und Figurenbild und das Stilleben. Die von Botero dargestellten Menschen, diese Bischöfe, Generäle, Nonnen und „Damen der Gesellschaft“, scheinen alle von einer seltsamen Wassersucht befallen zu sein: Es ist die Wassersucht des Kapitals und der Macht. Diese Gestalten verkörpern geradezu das „Ich liege und besitze“ des Wagnerschen Fafners aus dem „Ring“. Boteros Malerei erschöpft sich aber nicht in einer hinterhältigen Satire auf die Verhältnisse in seinem Land - wie eine Art George Grosz Süd-Amerikas, obwohl seine Bilder manchmal an den Berliner Künstler erinnern sie sind oft auch subtilverästelte Nachrichten aus einem sanften, mit grosser Behutsamkeit und zarter Präzision gemalten phantastischen Kontinent, in dem columbianische Volkskunst im Gewand der Malerei des Manierismus, wie Gustav Rene Hocke angedeutet hat, ihre Auferstehung erlebt. In den Aquarellen und Zeichnungen erreicht Botero den Höhepunkt seines Könnens: Hier gelingt es ihm oft, nicht mehr aus der verfremdeten Darstellung durch eine Überziehung der runden Formen eine neue Bildwirklichkeit zu erschaffen, sondern diese gerade in der vorsichtigen „Ab-Bildung“ zu beschwören.
Weitere Hauptwerke Familienszene, 1967; Der Präsident und die erste Dame des Hauses, 1969; Teufel fliegend, 1971; Stilleben mit Krug, 1973; Uic alte Jungfer, 1974.


 

 

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