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(*29. 11. 1936 Lund/Schweden)
Es gibt nur wenige schwedische Maler der jüngeren Generation, die auch im
Ausland bekannt sind. Neben Ola Billgreen und Peter Tillberg, den beiden
schwedischen Neo-Realisten, nimmt sich Böckman geradezu wie ein an der
Pop-Malerei geschulter Manierist aus, dessen Malweise bisweilen an Tom
Phillips denken lässt und dessen immer wiederkehrende Landschaftsausblicke
an das Bild „Sommernacht“ des Norwegers Harald Sohlbcrg erinnern. Seit der
grossen Ausstellung in Hannover (1974) ist erkennbar, dass der phantastische
Maler Böckman einer der wichtigsten skandinavischen Maler ist, dessen
Beitrag zur europäischen Kunstszene unübersehbar ist. Böckman begann erst
mit 29 Jahren ein "ordentliches" Kunst- und Graphikstudium. Die sich schon
bald abzeichnende Vorhebe für graphische Techniken wurde von seinem
Professor Bertil Lundberg früh genug erkannt und so gefördert, dass Böckman
heute von sich selbst meint, in erster Linie Graphiker zu sein, und seine
Malerei eher als ein Hobby anzusehen ist. Seine Ausbildung am Grafikskolan
Forum in Malmö (1965-1968) verschafft ihm auch Kenntnisse in den
verschiedenen Drucktechniken. Ausser Acryl-Farben stellt Böckman seine
Farben selber her, was den Ausspruch des Bosch- und Bruegel-Bewunderers, nur
ein Hobbymaler zu sein, deutlich relativiert. Einen weiteren erkennbaren
Einfluss haben Max Walter Svanberg und die Bilder Richard Estes, der, wie
Böckman, die frontale Aufsicht auf den Bild-Gegenstand bevorzugt. Estes
„Telefonzellen“ von 1967 und Böckmans Querstrasse West. Auf dem Dach (1973)
sind aus demselben Blickwinkel gemalt, nur sind es bei Böckman keine
aneinandergereihten Telephonzellen, sondern eine Reihe von Fenstern, hinter
denen man Urwald-Vegetation erkennen kann. Auch bei dem aus dem Jahre 1973
stammenden Gemälde Niemandem die Macht ist diese „Frontdimensionierung“
evident: ein gläsernes Gewächshaus, dessen unwirklicher Ausschnitt wie ein
Passepartout à la Tom Forrestall wirkt, hinter dem sich Urwald und
Vegetation breitmachen; ein schiefer Leuchtturm, der nicht mehr in Betrieb
ist; ein Kind, das vorne, auf dem Balkon, die Hände über dem Kopf
zusammenschlägt; Tauben, die davonfliegen; ein französischer Polizist, der
einem Passanten die dargestellte Szene zu erklären scheint. Verschiedene
Realitäten stehen emanzipiert nebeneinander; hier malt der Proust-Kenner,
der Maler, der Hermann Hesse, August Strindberg und D. H. Lawrence mehrmals
gelesen hat.
Böckmans Malerei ist eine Anlehnung an die Literatur wie kaum eine andere.
Dies führt dazu, dass seine Graphiken und Gemälde aus mehreren
übereinandergelegten „Erzählebenen“ bestehen, eine Technik, die man auch von
Filmen Nicolas Roegs oder von den Photozeichnungen Willi Baumeisters kennt.
Diese Technik lenkt das Auge zunächst auf die „Einzelbilder“, die es
zusammenfügen muss, was gewissermassen ein literarischer Akt ist. Torsten
Weimarck schreibt dazu: „Sein meisterliches illusionistisches Vermögen
gebraucht er in der Regel nur für Details und kaum je für das Gesamtbild (es
sei denn, es ist durch und durch meta-realistisch). Strikte Wirklichkeit,
fotografische Objektivität ist ihm zuwenig, zu eindeutig, zu unwirklich.
Deshalb finden wir in Böckmans Welt nur Teile unserer Realität,
assoziationsträchtige Einzelheiten aus dem bürgerlichen Alltag . . .“
Weitere Hauptwerke Die Spiegelung der Erinnerung, 1970; Das Ei des
Hieronymus, 1972; Das Wartezimmer der Wirklichkeit, 1972; To Paris and back,
1973. |