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(* 28. 11. 1757 London, T
12.8.1827 London)
Es ist üblich geworden, Blake im Zusammenhang mit einer Reihe von
"visionären" Malern um 1800, wie Philipp Otto Runge, Jacob Asmus Carstens
oder auch Goya zu sehen. Dennoch nimmt der Engländer eine Art Sonderstellung
ein, die eine Folge seiner Doppelbegabung als Lyriker und Maler ist. Blakes
Vorstellungswelt, die sowohl von den revolutionären Ideen seiner Zeit wie
von seiner intensiven Beschäftigung mit den mystischen Lehren Emanuel
Swedenborgs und Jacob Böhmes geprägt wurde, findet in der unlösbaren
Verbindung von Wort und Bild ihren eigensten Ausdruck. Obwohl Blake, der
sein ganzes Leben um Anerkennung kämpfen musste, sich seinen Lebensunterhalt
als Kupferstecher, in der dienenden Arbeit am Werk anderer, bestreiten
musste, geht er - vielleicht gerade deshalb - in seinem Werk völlig andere
Wege, die ihn in Konflikt mit dem von Joshua Reynolds empfohlenen
repräsentativen Zeitstil bringt. Im Formalen lässt sich eine Beziehung zu
den klassizistischen Zeitgenossen Füssli und John Flaxman in der starken
Betonung der Umrisslinien feststellen, aber es wäre verfehlt, Blake als
reinen Klassizisten abzustempeln. Er zeigt in seinem Werk vielmehr das für
diese Generation so typische Schwanken zwischen einem klassizistischen
Formenideal und romantisch-revolutionärem Gedankengut. Als die Hauptleistung
des auf dem Kontinent erst jetzt als Maler gewürdigten Engländers ist die
Serie der Illuminierten Bücher anzusehen, die seit 1788 entsteht. In diesem
Jahr entwickelte Blake eine Technik, die es ihm ermöglichte, Text und Bild
auf einer Druckplatte zu vereinigen - ein Verfahren, das seinem Streben nach
einer Synthese, rein formal, auf perfekte Weise entgegenkam. In den Songs of
Innocence (1789) benutzte Blake zum erstenmal überzeugend diese neue
Technik, die dann in den späteren „prophetischen“ Büchern wie The Marriage
of Heaven and Hell (1790-1793) und Jerusalem (1804-1820) zu voller Bedeutung
gelangte. In jenen Büchern entwickelte Blake eine private Mythologie, die
der grösseren Verbreitung seiner Hauptwerke bis auf den heutigen Tag im Wege
gestanden hat, da ohne ausführlichen Kommentar die
Verständnisschwierigkeiten gross bleiben. Der faszinierenden Leuchtkraft
seiner Farben und der bestechenden graphischen Aufteilung seiner Blätter
vermag sich jedoch niemand zu entziehen. Der phantastische Charakter von
Blakes Arbeiten scheint eher zufällig zu sein, da er weitgehend aus dem
Informationsmangel des Betrachters entsteht, dem der Schlüssel zu den auf
ihn abstrus wirkenden Darstellungen fehlt. Blake reiht sich insoweit in die
Generation von Runge und Caspar David Friedrich ein, als er, mit den Worten
Werner Hofmanns, „auf die versöhnende, überhöhende Macht der Kunst verweist,
einer Kunst, die weder in permanenter Rebellion noch in bequemem
Regelgehorsam ihre Erfüllung findet, sondern in dem geistigen Auftrag, die
Dialektik der Gegensätze - Unschuld und Erfahrung, Himmel und Hölle, Gott
und Satan in einer offenen, dynamischen Synthese aufzuheben.“
Weitere Hauptwerke Ezechiels Vision des Wirbelwinds, um 1805; Der grosse
rote Drache und die Frau mit der Sonne bekleidet, 1800-1810).
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