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Surrealismus, phantastische Malerei
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Beardsley, Aubrey Vincent

(* 24. 8. 1872 Brighton, T 16. 3. 1898 Mentone)
Das Leben Beardsleys war von Anfang an von Krankheit überschattet, denn schon 1879 stellte man bei ihm eine erblich bedingte Tuberkulose fest, der er dann später erliegen sollte. Die unglaublich grosse Zahl der Zeichnungen, die in der Periode zwischen 1890 und seinem Tod entstanden, mutet denn auch fast wie ein heroisches „Aber dennoch
an. Eine einjährige Ausbildung an der Westminster School of Art ist für die Entwicklung von Beardsleys Zeichentechnik weniger entscheidend als die Einflüsse anderer Maler, wie Burne-Jones und Puvis de Chavannes, die er auch persönlich kennen lernte, den letzteren während eines Paris-Aufenthaltes im Jahre 1892, der für seine Entwicklung von wesentlicher Bedeutung wurde, da er jetzt zum erstenmal mit der dort zur Mode gewordenen Zeichenkunst der Japaner Bekanntschaft machte. Eine Bewunderung für den Linearstil Andrea Mantegnas ist gleichfalls in der ersten Phase seines Werkes unverkennbar. Diese verschiedenen Einflüsse zu einer Einheit zu verschmelzen, sollte ihm in seiner ersten grösseren Arbeit, den rund 500 Illustrationen zu Malorys La Morte d'Arthur noch nicht ganz gelingen. Das die als Strichätzung reproduzierten Zeichnungen umrankende, ornamentale Blätterwerk ist im üblichen Art Nouveau-Stil gehalten, aber das Aussparungsprinzip, durch das schwarze und weisse Flächen in einen neuen Spannungskontrast zueinander treten und auf diese Weise, wie auch durch das Einsetzen der „linea serpentina“, der Schlangenlinie, den Blättern eine Art erstarrter Dramatik verleiht, ist in einer Zeichnung Wie die schöne Isoud Sir Tristram pflegte schon das bestimmende Moment, wie dann auch bei den Salome-lllustrationen zu Oscar Wildes Tragödie (1894) oder bei den später von Beardsley selbst als obszön empfundenen Blättern zu der Lysistrata (1896). Brian Reade, der grosse Kenner der Kunst der dekadenten „Nineties“, charakterisiert Beardsley folgendermassen: „Die Kunst Beardsleys bestand wie die Blakes darin, seine Konzepte in ein Minimum exakt beobachteter Fakten einzukleiden und in quasi mathematische Harmonien zu bringen. Es ist merkwürdig, wie viele seiner Figuren im Profil erscheinen: Offenbar genügte es ihm, vom akademischen Standpunkt her ein Amateur zu bleiben.“ In den Illustrationen zu Popes „The Rape of the Lock“ (1896), die nach dem Wilde-Skandal (1895) entstanden, der die Entlassung Beardsleys als Redakteur der Zeitschrift „The Yellow Book“ zur Folge hatte, werden die bisher ausgesparten Flächen mit einer fast bedrückenden Detailfülle eliminiert. Das negative Urteil der Nachwelt, die Beardsley als einen drittrangigen, modischen Illustrator obszön-phantastischer Natur einstufte, wurde erst durch die grossen Ausstellungen in London (1966) und New York (1967) korrigiert. Die zur selben Zeit einsetzende Begeisterung für den Jugendstil, dessen Weiterentwicklung Beardsley wesentlich beeinflusste, verstärkte noch die Bewunderung für den früh verstorbenen Engländer, die vor allem bei der jungen Generation geradezu euphorische Züge annahm.
 


 

 

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