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(* um 1485 Schwäbisch
Gmünd, T um 1545 Strassburg)
Baldung, der Maler der unverhüllt bekundeten Sinnlichkeit, dessen dämonisch
urtiebhafte Züge von einem nüchternen Intellekt überlagert sind, wie Gerd
Tolzien schreibt, zählt neben Hans Holbein d. J., Dürer und Grünewald zu den
„Überwindern der spätgotischen Enge“. Baldungs Malerei, die insgesamt den
Beginn des Manierismus in Deutschland signalisiert, zu dessen bekanntesten
Vertretern der 50 Jahre später wirkende -Arcimboldi gehören wird, ist
zugleich auch ein Zeugnis für das erwachende Selbstbewusstsein des sich mit
den Grenzen der altdeutschen Malerei auseinandersetzenden Künstlers.
Hans Baldung entstammte nicht, wie die meisten seiner Zunftgenossen, einer
Handwerkerfamilie, sondern einer Familie, die sich zum gehobenen Kreis des
gelehrten Bürgertums rechnete. Die erste künstlerische Ausbildung hat er
vermutlich in Strassburg erhalten. Auf der seinen Lehrjahren folgenden
Wanderschaft wird er sicherlich einige Werke des damals in ganz Deutschland
bekannten Dürers kennengelernt haben, denn um 1503 trat er in die Werkstatt
des berühmten Nürnberger Meisters ein. 1506 verlässt Baldung die Werkstatt
Dürers; auf das Jahr 1507 sind seine ersten gesicherten Arbeiten, der
Dreikönigsaltar und der Sebastiansaltar, datiert. Im Frühjahr 1509 ist
Baldung in Strassburg, erwirbt das Bürgerrecht, eröffnet eine eigene
Werkstatt und heiratet ein Jahr darauf Margaretha Herlin. In den ersten
Strassburger Jahren entstehen hauptsächlich Entwürfe für Glasgemälde und
eine Reihe von Holzschnitten. Im Mai 1512 übersiedelt Baldung nach Freiburg,
um dort den Hochaltar zu malen. 1517 kehrt er nach Strassburg zurück. Er hat
diese Stadt, in der er von 1533 bis 1534 Schöffe seiner Zunft war und zu
Beginn des Jahres 1545 einen Sitz im Rat der Stadt bekam, bis zu seinem Tode
nicht mehr verlassen. Baldungs Werk liesse sich ohne weiteres in die beiden
Blöcke „kirchliche“ und „weltliche“ Bildnisschöpfungen einteilen. Die
kirchlichen Werke überwiegen bis zum Jahre 1525/26, während die gesamte sich
daran anschliessende Schaffensphase, bis zu seinem Tod, vorwiegend durch die
Bearbeitung weltlicher Stoffe bestimmt ist. Nach einer Reihe von Porträts
wie beispielsweise: Freiherr von Morsperg (1525), Österreichs Landvogt im
Unterelsass (1526) und das karge Bildnis eines Maltesers (1528) - wendet
sich Baldung wieder dem Thema Ungleiches Liebespaar (1528) zu. Dieses Thema
taucht zum erstenmal 1507 als Holzschnitt auf. Ab 1529 entstehen dann
Vanitas und Musica und bis 1531 die Folge der düsteren, dämonischen
Historien: Hercules und Antacus, Pyramus und Thisbe, Marcus Curtius und der
Tod der Lucretia; diese Werke gehören, neben dem bereits 1523 entstandenen
Gemälde Zwei Hexen zu den ambivalentesten Arbeiten jener Zeit, da sich in
ihnen, von der kraftvollen Verherrlichung des nackten Frauenleibes bis hin
zur melancholischen Todessehnsucht, alles findet, was zumindest noch in der
Renaissance-Zeit ungekannt war. Baldungs geradezu erotische
Frauendarstellungen in den überraschend modern komponierten Werken wie Venus
(1525), Eva (um 1525), Die Wahrheit (1519) und Adam und Eva (1538), „wo Adam
von rückwärts mit lüsternliebkosenden Blicken die ihrer Schönheit bewussten
Eva umarmt“, wie Tolzien anmerkt, gehören neben den phantastischen
Darstellungen der von starken Bewegungsimpulsen erfüllten Hexen- und
Totentanzszenen, zu den überzeugendsten Leistungen der deutschen Malerei.
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