|
Sie sind Sammlungen von
Beschwörungen bzw. Anweisungen für die Durchführung eines Rituals. Solche
Werke gibt es in vielen Kulturkreisen, z. B. in der vedischen Literatur der
Inder.
Die früheste Form der europäischen Zauberbücher sind die griechischen
Zauberpapyri aus der Zeit 150 vor Christus bis 500 nach Christus, die man in
Ägypten fand. Ab dem 13. Jahrhundert nimmt diese Literatur sehr zu. Zunächst
sind es Anweisungen zum magischen Gebrauch der Psalmen. Es folgen nun das
ältere Clavicula Salomonis, das Grimorium des Papstes Honorius, das
Heptameron des Petrus von Abano. Sie enthalten hauptsächlich Nekromantie und
Ausführungen über die Beschwörung der Toten und Dämonen.
Auffällig ist die Ähnlichkeit des Rituals mit dem der christlichen Messe. In
der Zeit des Humanismus und der Reformation beherrscht die jüdische und
arabische Religionsphilosophie sowie Kabbala die Zauberbücher: So z. B. die
Philosophia occulta von Agrippa von Nettesheim oder das Zauberbuch Salamonis
und Semiphoras. Einen Abklatsch dieser Werke bilden die Zauberbücher, die
Dr. Faust zugeschrieben werden: Dr. Fausts grosser und gewaltiger
Höllenzwang etc. Aber das Zauberbuch Fausts vierfacher Höllenzwang dürfte
älteren Ursprungs sein.
Mit Beginn der Aufklärung erscheint das parodistische Zauberbuch Dr. Faust,
der gewaltige Meergeist und der Wahrhaft feuerrote Drache, eine Übersetzung
eines frz. Zauberbuches mit dem Namen Dragon rouge. Neben diesen
Zauberbüchern gab es Gebetbücher mit magischen Gebetsformeln: Enchiridion
manuale Leonis papae, Das geistliche Schild, und das Romanusbüchlein. Im 18.
Jahrhundert tauchen dann Die ägyptischen Geheimnisse des Albertus Magnus und
das noch heute sehr bekannte 6. und 7. Buch Moses auf. Eine Zusammenfassung
von 40 kleineren Zauberbüchern, die in dieser Zeit im Umlauf waren, enthält
ein Konvolut mit dem Titel Das Buch Jezira. Einzelne Elemente dieser
Zauberbücher sind aus der Magie der Ägypter und Juden entlehnt, wurden in
der Spätantike mit der griech. Magie bereichert und verschmolzen. Sie
erlebten mit dem Aufblühen der Kabbala eine Neuentdeckung.
Viele Missverständnisse und Verstümmelungen von Namen haben sich bei den
Abschriften und Drucken eingeschlichen, so dass heute kaum noch der
Originaltext rekonstruiert werden kann. Gerade in der Neuzeit haben Verleger
keine Bedenken gehabt, solche Zauberbücher in verstümmelter Form
herauszugeben oder mit anderen Zauberbücher zu verbinden. |