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Mannwolf; Bezeichnung für
einen in einen Wolf verwandelten Menschen. An Stelle der Bedeutung Mannwolf
hat man versucht, dieses Wort als Wolfskleid zu deuten, die auf eine
althochdeutsche Form wariwolf (gotisch Wasjan): Kleid, zurückgeht.
Eine Deutung, die den Werwolfglauben in den Bereich der Religion einordnet,
liefert der schamanistische Ansatz, der davon ausgeht, dass der Werwolf
ursprünglich nichts anderes als ein Schamane war. Durch Anlegen von
Tierkleidern haben sich einzelne oder Gruppen von Menschen in Eurasien in
eine Art ekstatischen Zustand versetzt, um eine Reise in die jenseitige Welt
anzutreten. Das von ihnen erstrebte Anderssein wurde durch das Anlegen der
Wolfskleidung besonders unterstrichen, weil diese Tierkleidung den
betreffenden Menschen nicht nur verwandelte, sondern auch einen Bezug zum
Tod herstellte, dessen Symboltier von alters her der Wolf ist. Elemente
dieses auf dem Schamanismus beruhenden Werwolfglaubens waren die
regelmässige, zu bestimmten Zeiten stattfindende Verwandlung, die Ekstase
und die Reise ins Jenseits oder Totenreich, wo die Menschen mit feindlichen
Kräften, die man als Zauberer oder später als Hexen bezeichnete, um die
Fruchtbarkeit der Felder kämpften.
Eine völlig andere Theorie vertrat Robert Eisler in seinem Buch Man into
Wolf. Er stellt nämlich die Behauptung auf, dass der Mensch zunächst ein
Vegetarier war, aber wegen der Eiszeit gezwungen wurde, zum Fleischverzehr
überzugehen. Um Tiere besser jagen zu können, verkleidete er sich als Tier.
Eine der Folgen dieser Veränderung der Essgewohnheiten war die Blutgier, die
im Unterbewusstsein weiterlebte und zur Bildung des Werwolfglaubens führte.
Die Anfänge des Werwolfsglaubens gehen bis in die babyl. Zeit zurück, wo er
in dem Epos Gilgamesch belegt ist. In der griech.-röm. Antike ist der
Werwolf eine vertraute Gestalt.
Bei den germ. Völkern war die Vorstellung vom Werwolf im Volksglauben weit
verbreitet, wie die nord. Sagen lehren.
Einer der frühesten Belege für den Werwolfglauben findet sich im Canon
Episcopi. Für die mittelalt. Theologen stellte sich die Frage, wie der
Werwolfglauben mit der Schöpfungsgeschichte vereinbart werden könnte. Nach
Augustinus könnten die antiken Werwolfsagen wahr sein, weil Gott alles
mache, was ihm gefalle. Niemals aber sei der Teufel fähig, einen Menschen zu
verwandeln - es sei denn, dass Gott seine Zustimmung gebe. Der Mensch, der
von sich behaupte, ein Werwolf zu sein, sei in einem Traum befangen: Er sehe
in seiner Umgebung jene Traumgestalt, von der er träume. Wenn aber diese
Traumgestalt Taten vollbringe, so seien diese nur das Werk eines Dämons, der
den Träumer und seine Umgebung täusche.
Diese Ansicht blieb bis zum Erscheinen des Hexenhammers im 15. Jahrhundert
die Meinung der Kirche, wenngleich auch einzelne Arzte und Naturphilosophen
widersprachen, die den Werwolfglauben als eine Krankheit bezeichneten. In
der Zeit vom 15. Jahrhundert bis zum 17. Jahrhundert wurde von den Autoren
des Hexenhammers und den Dämonologen der Glaubenssatz, dass eine
tatsächliche Verwandlung eines Menschen in einen Wolf nicht möglich sei,
nicht angezweifelt, aber andere Möglichkeiten aufgezeigt, die Existenz von
Werwölfen glaubhaft zu machen, die wie die Hexen verfolgt werde müssten.
Diese Theorien lassen sich so zusammenfassen: Entweder sei der Mensch für
sich allein überzeugt, ein Werwolf zu sein oder andere glaubten es. Im
ersten Fall hat der Teufel die Sinne dieses Menschen verwirrt und er leidet
offensichtlich an der Werwolfsucht. Im zweiten Fall lassen sich vier
Möglichkeiten unterscheiden:
-
Der Teufel, der nicht
erschaffen kann und folglich auch unfähig ist, eine Verwandlung
herbeizuführen, hat die Sinne der anderen Menschen verblendet, so dass
sie den betreffenden Menschen als Wolf deuten, obgleich er seine
Menschengestalt nicht verändert hat. Hexenhammer
-
Der Teufel umhüllt
diesen Menschen mit einem Wolfsfell, so dass er einem Wolf täuschend
ähnlich sieht.
-
Der Teufel umhüllt
ihn mit einer Wolfsgestalt aus verdichteter Luft.
-
Der Teufel versenkt
diesen Menschen in einen tiefen Schlaf und vollbringt in Wolfsgestalt
diejenigen Taten, von denen der Schlafende nur träumt.
Der Werwolfsglaube, der
zahllose Werwolfprozesse nach sich zog, blieb bis ins 18. Jahrhundert hinein
lebendig und wurde von den seit dem 17. Jahrhundert zunehmenden Berichten
von Vampiren in den Hintergrund gedrängt, die für die Kirche eine viel
grössere Gefahr darstellten, weil sie das Dogma von der Auferstehung der
Menschen am Jüngsten Tag in Frage stellten. |