|
Theologe, Schüler von
Albertus Magnus, Angehöriger des Dominikanerordens. In seinen zahlreichen
Schriften entwickelte er ein umfassendes philosophisch-theologisches
Lehrgebäude, das ihn zu einer überragenden Autorität auf dem Gebiet der
kath. Dogmatik machte. Sein Einfluss ist auch bei der Formulierung der
Teufels- und der Engelslehre sowie des Hexenglaubens nachweisbar. Die Summa
Theologiae enthält grundlegende Aussagen über den Teufel und die Dämonen.
Der Teufel war ursprünglich der höchste unter den Engeln. Durch seinen
Abfall von Gott - er wollte gottgleich sein - entstand das Reich der
Dämonen, deren Sitz teilweise die Hölle ist. Dort werden die Verdammten von
den Dämonen gequält, die teilweise auch den Luftraum bevölkern, von wo aus
sie die Menschen zum Bösen zu verleiten suchen. Die Zahl dieser bösen Engel
ist kleiner als die der guten.
Die Verfasser des Hexenhammers, Sprenger und Institoris, zitieren Thomas
neben der Bibel und Augustinus als wichtige Quelle, weil in seinen Schriften
die Bestandteile des Hexenglaubens, nämlich Teufelspakt, Hexenflug und
Teufelsbuhlschaft vorgebildet waren. Er übernahm von Augustinus die Lehre
von dem Dämonenpakt, der zwischen den Menschen und den Dämonen entsteht,
wenn magische Gegenstände benutzt werden. Diese an sich wirkungslosen
Gegenstände sind ein Kommunikationsmittel, um den Dämonen ein Zeichen zu
geben. Sie stellen den Kontakt zu ihnen her, der durch einen Pakt besiegelt
wird. Der Dämon begeht dann die von einem Menschen gewünschten Handlungen.
Aquin entwickelt diese Theorie weiter, indem er neben diesem ausdrücklichen
Pakt noch die Möglichkeit einer stillschweigenden Übereinkunft nennt. Wenn
jemand die kleinste abergläubische Handlung ausübt, kommt es zu einem
Teufelspakt, obwohl dem Ausübenden die Zeichenwirkung der von ihm benutzten
Gegenstände völlig unbekannt ist. Durch diese Erweiterung wird der ganze
Aberglaube zu einer gefährlichen Macht und Bedrohung für die Menschen. Der
Hexenflug, der noch im Canon Episcopi als Illusion und Einbildung verurteilt
worden war, wird hier als möglich angesehen, weil der Satan Christus auf die
Spitze eines Tempels brachte, um ihn zu versuchen. In Anlehnung an Psellos
lehrt Aquin, dass männliche und weibliche Dämonen mit Menschen sexuell
verkehren können. Als Beweis für diese Behauptung, die von den späteren
Hexenverfolgern als Teufelsbuhlschaft bezeichnet wurde, dient ihm seine
Bibelstelle, in der der Satan in Gestalt des Behemoth und Leviathan auftritt
und auch sexuelle Beziehungen hat. Dem Satan geht es dabei aber nicht darum,
seine Wollust zu befriedigen, sondern er möchte die Menschen zur Wollust
verführen und auf diese Weise seine Herrschaft vergrössern. Auch die Frage,
ob es bei einem derartigen Geschlechtsverkehr zu einer Zeugung kommen könne,
wird von Thomas erörtert. Der unkörperliche Dämon hat die Fähigkeit, einen
Körper anzunehmen und mit ihm den Koitus auszuüben. Die Zeugung wird aber
weder durch den Samen des angenommenen Körpers noch durch den Organismus des
Dämon bewirkt, sondern der Dämon gibt sich in weiblicher Gestalt einem Mann
hin und führt dann den empfangenen Samen als männlicher Dämon einer Frau zu.
Die auf diese Weise gezeugten Kinder übertreffen an Stärke und Grösse die
Durchschnittskinder, weil der Satan den günstigsten Augenblick für die
Befruchtung kennt. Thomas vertritt ebenso wie Augustinus die Ansicht, dass
der Teufel die Fähigkeit hat, einen Menschen in ein Tier zu verwandeln. Aber
diese Verwandlung findet nicht wirklich statt, sondern der Satan erzeugt in
der Phantasie eines Menschen die Vorstellung, dass er tatsächlich in ein
Tier verwandelt worden ist. Damit dies auch andere Menschen glauben, stellt
er aus der Luft einen Tierkörper her, der genau den Phantasievorstellungen
dieses Menschen entspricht. Die Hinrichtung der Ketzer ist Thomas' Meinung
nach auf der Grundlage des neuen Testaments gerechtfertigt. Da die Ketzer
Söhne des Satans seien, ist es gerecht, dass sie schon auf Erden zur
Rechenschaft gezogen und verbrannt würden. Auf Th. geht die Gleichsetzung
der Intelligenzen mit den Engeln zurück. Die Namen der Engel und ihre
Rangordnung hat er offensichtlich von Pseudo-Dionysos übernommen. |